Da ich auch eher klassisch in den TCM von den Formen her gekommen bin und halt immer gesucht habe nach etwas das Sinn macht, empfinde ich aus meiner heutigen Perspektive die Methodik über Formen sich seine Skills zu erarbeiten als so, wie wenn man als Esel ständig der Mohrrübe hinterherrennt, oder wenn man versucht sich seinem Schatten anzupassen (Formen im Sinne von Wettkampfformen auf Turnieren (Wushu) steht auf einem anderen Papier).
Ein anderer Weg ist, durch eine Methodik überhaupt erstmal seinen ganzen Körper und Wahrnehmung neu zu organisieren, an den Ursprung von Bewegung zu gehen und diese von Grund auf qualitativ aufzubauen, d.h. eine weiche (song), durchgehende Ganzkörperkraft zu entwickeln. Das ist erst die absolute Grundbedingung auf der man aufbauen kann.
Dann kann man sich Gedanken machen verschiedene Qualitäten mit dieser Ganzkörperkraft zu entwickeln: Kraft, Schnelligkeit, Ringen, Schlagen, Kontrollieren, Richtungswechsel usw.. Das alles kann spielerisch und mehr bis weniger kooperativ im Training mit einem Partner erforscht werden. Das sind aber keine Techniken und Formen, sondern Aufgabenstellungen die man versucht den Umständen entsprechend auf direktester und natürlichster Weise umzusetzen. D.h. einfach das naheliegende zu machen was mich am schnellsten zum Ziel bringt, das gesteckt wurde.
Was jetzt das komplett unkooperative Kämpfen angeht, führt wohl kein Weg daran vorbei Erfahrung zu sammeln. Erfahrung zu sammeln heisst eben auch einzustecken und zu "verlieren" und daraus seine Lektionen zu lernen. An dem Punkt macht man sich natürlich Gedanken über Anwendungen und schaut über den Tellerrand hinaus was den andere in der KK-Welt noch so machen. Auch zuschauen heisst Erfahrung sammeln.
Hier werden sich ganz natürlich die Wege persönlich gestalten. Manchen wird es reichen sich auf ihre Köperintelligenz zu verlassen, andere werden es für wichtig erachten Technikdrills zu machen und einzuüben. Aber das ist etwas was auf einem bestimmten Niveau ganz natürlich jeder für sich entscheiden wird.
Der springende Punkt ist aber hier, wie sattle ich das Pferd auf: von hinten oder von vorne, bzw. von der Form/Techniken her oder von Qualität her?
Hier denke ich eben, dass der Weg wie es zumindest in den letzten 100+ Jahren in den TCM stattgefunden hat und auch immer wieder kritisiert wurde, schon eher eine Sackgasse ist (unter der Prämisse, dass man wirklich kämpfen lernen möchte. Sogar für Gesundheit würde ich das auch so sehen. Wushu ist da einfach was anderes und bildet eine legitime kleine Welt für sich).
Ein auf Qualität und Prinzipien aufbauendes Training schliesst ja nicht aus, sich auch Gedanken zu "Formen" und Techniken zu machen. Nur ist das eben etwas was sich ganz natürlich ergibt, wenn die Vorraussetzungen geschaffen sind.
Davon abgesehen sind ja alle natürlichen Bewegungen im weitesten Sinne "Form": vor und zurück, hoch und runter, links und rechts; kreisende- spiralförmige Bewegungen usw. Wesentlich ist aber, ob ich von Anfang an an einer senso-motorischen Intelligenz arbeite, die stetig erweitert und komplexer wird, oder ob ich ständig am Massstab einer "Form" korrigiert werde, die das Ideal vorgibt und der ich mich anpassen muss (Esel - Mohrrübe; Ich - mein Schatten).
Um es konkreter zu machen: ich möchte jemandem das Stehen beibringen. Wenn ich jetzt die Form vorgebe und sage schulterbreiter Stand und Füße geradeaus nach vorne, nicht nach innen und nicht nach aussen drehen. Dann kommen manche mit der Form ganz gut klar, weil es mehr oder weniger ihrem natürlichen Empfinden entspricht. Wenn aber einer O-Beine oder X-Beine hat und sehr leistungsorientiert trainiert, wird er mit dieser Anweisung früher oder später Knieprobleme und vielleicht sogar Hüftprobleme entwickeln.
Wenn ich ihn aber erstmal ganz natürlich so stehen lass wie er gewachsen ist und ihn dann versuche schrittweise an ein bestimmtes Körpergefühl im Stehen heranzuführen, also qualitativ und zielorientiert zu arbeiten, wird er durch bestimmte sinnvolle Ideen langsam Ordnung in das unbekannte Chaos bekommen, so wie es seiner persönlich gewachsenen Natur entspricht. Das ist natürlich. Die "Form" wird durch die Idee vorgegeben und nicht durch eine idealisierte/standardisierte Haltung oder Bewegung (Technik, Taolu)




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