
Zitat von
Münsterländer

Zitat von
ETARAK
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Wozu dann die Line, wenn ich nicht eine rein historische Betrachtung im Sinn habe?
wurde schon gesagt: kumuliertes Wissen

[...]
Wenn der aber selbst in einer Linie von guten Lehrern steht,
Weiter vorne wurde Physik als Beispiel einer authentischen Linie oder für den Vorteil kumulierten Wissens genannt.
Newton sagte: "Wenn ich weiter geblickt habe, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe"
Allerdings ist IMO das Bild der Linie für die Wissenskumulation bei Menschen unzutreffend und auch das Gleichnis der Zwerge auf den Schultern von Riesen ist irreführend.
Ersteres, weil ja in den meisten Fällen nicht nur einer von dem nächsten im 1:1-Unterricht lernt und Letzteres, weil - wenngleich es natürlich immer wieder herausragende Persönlichkeiten oder Entwicklungen, die mit Persönlichkeiten verknüpft sind gibt - doch im Schnitt eher Zwerge auf den Schultern von Zwergen stehen.
Viele Zwerge, die eher nicht linear angeordnet sind, also immer einer auf dem anderen stehen, sondern eher in einer Pyramide angeordnet.
Und das Wissen kommt nicht nur von "unten", im Gleichnis der Vergangenheit, sondern auch von der Seite, der Gegenwart.
Sieht man ja in der aktuellen Pandemiesituation deutlich, da nun sogar der horizontale Ausgleich durch Preprints beschleunigt wird.
Auch Familien-Stammbäume sind die Vorfahren ja nur ausschnittsweise dargestellt.
Man könnte das auch als Stammwurzel darstellen:
Ich hab zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern...und auch in Handwerken und Kampfkünsten lernt man nicht nur von einem.
Früher war hierzulande der Blick über den Tellerrand ein verpflichtender Teil der Meisterausbildung in vielen Handwerksberufen.
Der Begriff Wanderjahre (auch Wanderschaft, Walz, Tippelei, Gesellenwanderung) bezeichnet die Zeit der Wanderschaft zünftiger Gesellen nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit (Freisprechung). Sie war seit dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung eine der Voraussetzungen der Zulassung zur Meisterprüfung. Die Gesellen sollten vor allem neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernen sowie Lebenserfahrung sammeln.
Auch ein CMA-Lehrer meinte mal, dass es förderlich sei, wenn man sich - nachdem man in einem Stil solide Kenntnisse erarbeitet hat - mal umschaut, was die anderen so treiben.
Demgegenüber steht das Konzept des inneren Schülers, der Geheimnisse erhält, die die äußeren Schüler nicht erhalten.
Das ist in einer Welt, in der man seine Geschäftsgeheimnisse vor der Konkurrenz bewahren will oder es in KK tatsächlich darum geht, sich gegen andere wehren zu können, ja durchaus sinnvoll.
Allerdings ist das natürlich Esoterik nach der ursprünglichen Wortbedeutung.
Esoterik (von altgriechisch ἐσωτερικός esōterikós ‚innerlich‘, dem inneren Bereich zugehörig‘) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist, im Gegensatz zu Exoterik als allgemein zugänglichem Wissen.
Und es besteht natürlich auch das Risiko einer Inzuchtlinie, Echokammer oder des Schmorens im eigenen Saft.

Zitat von
Münsterländer
die ihr angehäuftes Wissen auch voll weitergegeben haben, dann ist die Chance, dass da noch tieferes Wissen und eine ausgefeilte Didaktik vorhanden ist doch höher, als wenn dein Lehrer selbst bei 0 angefangen hat.
Wenn man nicht an Reinkarnation inklusive des Überdauerns (des Todes) höherer Bewusstseinsinhalte bzw. Erlerntem oder Lamarckismus glaubt, dann fängt jeder Lehrer bei 0 an.
Nicht in dem Sinne, dass er das Rad neu erfinden muss, aber in dem Sinne, dass er sich Wissen und Skills aneignen muss.
Die Quelle dieses Wissens und Könnens muss IMO nicht notwendigerweise eine authentische Linie sein.
Und eine authentische Linie muss nicht notwendigerweise eine ausgefeilte Didaktik aufweisen.
Moderne didaktische Konzepte scheinen mir sinnvoller, als das Konzept der Schüler müsse sich das Wissen stehlen, so wie eventuell modernere Trainingskonzepte effizienter, wenn nicht sogar effektiver sein könnten, wie das klassische "viel hilft viel".