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Thema: Trapping

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  1. #10
    Nice Guy Gast

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    Zitat Zitat von jkdberlin Beitrag anzeigen
    Naja, Trapping ist das Festlegen der Extremitäten oder anderer der Teile des Körpers des Gegners mit dem primären Ziel ihn zu schlagen oder treten. Nix mit "rumgetatsche" irgendwo.
    Richtig, Trapping ist ... mit dem primären Ziel, den Gegner zu schlagen oder zu treten, während sich dieser für eine Zehntelsekunde in einer Position befindet, in der er sich nicht effektiv verteidigen kann.

    Trapping wird ja gerne verächtlich als Armschach bezeichnet und ja, genau genommen ist es ein Schachspiel, bei dem man den "König" (die Waffen des Gegners) derart in Bedrängnis bringt, so dass sich dieser nicht mehr bewegen kann, man ihn
    schlagen und aus dem Spiel nehmen könnte.

    Tatsächlich gibt es im Trapping aber keine Strategie und ist daher mit Schach nicht wirklich vergleichbar. Beim Trapping geht es um Impulse, die innerhalb von Sekundenbruchteilen im Kampfgeschehen entstehen oder die der Gegner bietet und die aufgrund Training in verschiedenen Trapping-Patterns in erfolgreiche Aktionen umgemünzt werden. Dazu reicht es lange nicht aus, Trapping nur technisch zu beherrschen, nein, man muss es im Sparring implementieren können und die Attributes, insbesondere Timing und Sensitivity entwickeln, ohne die man den Trap ohnehin nicht umsetzen kann.

    Der Grundfehler, weshalb Trapping bei den Meisten nicht funktioniert, besteht darin, dass sie willentlich und bewusst trappen wollen! Von diesem Denken muss man sich lösen!

    Trapping ist ein Tool innerhalb der Toolbox, nicht mehr und nicht weniger. Es ist an sich kein Gameplan und keine Strategie. Dennoch lohnt es sich einfache Traps und Trapping-Patterns zu trainieren, um im passenden Moment dieses Tool abrufen zu können.
    Trappinggelegenheiten ergeben sich im Kampf oder auch nicht. Genauso wie sich im Boxkampf verschiedene Situationen ergeben können oder sich im Bodenkampf verschiedene Positionen ergeben können, aus denen ein gut trainierter Kämpfer Kapital schlagen kann, so entstehen auch Möglichkeiten für das Trapping. Ein Boxer überlegt sich auch nicht, dass er jetzt diese und jene Kombination schlägt. Nein, er hat verschiedene Schlagmuster intus (die er bis zum Abkotzen an der Schlagpratze einstudiert hat), die er "on demand" (d. h. wenn sich die Lücke oder die entsprechende Situation ergibt) instinktiv abspulen kann. Genauso ein Grappler, der hat jetzt am Boden nicht die Idee den Gegner in einen bestimmten Hebel oder Würgegriff zu zwingen, nein, er kämpft zunächst mal um eine dominante Position und arbeitet mit den Möglichkeiten, die sich aus der Situation und dem gegnerischen Verhalten ergeben, d. h. vielleicht ergibt sich der Kimura-Hebel, vielleicht aber auch nicht, vielleicht ergibt sich die Guillotine, vielleicht auch nicht usw.. Entsprechend muss man Trapping auch sehen.

    Natürlich sagen jetzt manche Leute, "ja aber für Trapping gibt es ja nur ein sehr eingeschränktes Gap", da sich der Gegner ja jederzeit durch Fußarbeit lösen und die Distanz verlängern oder - was häufiger passiert - die Distanz verkürzen und clinchen kann. Das Zeitfenster für effektives Trapping im freien Raum ist also sehr begrenzt. Ja, ich gebe in diesem Punkt den Kritikern durchaus Recht. Allerdings kann ein gelungener Trap auch auf der grünen Wiese passieren, denn nicht Jeder rechnet damit und nicht Jeder verfügt über das gleiche Skillset. Generell ist Trapping ein Close-Range-Tool und muss daher distanzgerecht eingesetzt werden. Natürlich kann der Gegner weglaufen oder clinchen. Aber da Traps meistens aus Künsten kommen, die für die Selbstverteidigung entwickelt wurden, trifft man hier auch ab und zu nicht auf die unendlichen Weiten eines MMA-Käfigs, sondern auch auf sog. "confined spaces", also beengte Räumlichkeiten, in denen man nicht großartig maneuvrieren kann und in denen Traps durchaus effektiv eingesetzt werden können. Aber ich möchte mich jetzt nicht auf das Thema Selbstverteidigung vs. Kampfsport zurückziehen, denn auch im MMA-Match gibt es Möglichkeiten und Zeitfenster für effektives Trapping. Nehmen wir z. B. gern gesehene Situationen, in denen ein Kämpfer einen Anderen am Käfiggitter "festgenagelt" hat und ein Schlagabtausch entsteht. Gerade hier wäre die Distanz für Trapping da und wenn jemand das wirklich gut kann, gibt es hier auch Potenzial für Knockouts oder Cuts. Oder die ganzen Bodenkampfsituationen im Modus "ground & pound", in denen ohnehin ständig ein gripfighting stattfindet. Man kann es also nicht auf reine Selbstverteidigung reduzieren.

    Zudem, viele Leuten denken, Trapping müsste so aussehen wie in einem Lehrbuch oder -video, mit vier oder gar fünf Sequenzen, die schließlich zum Trap und zum erfolgreichen Angriff führen. Bullshit! Ein Trap ist ein Produkt aus Aktion und Reaktion, ja. D. h. man kann die Reaktion des Gegners auf den Trap nicht beeinflussen und daher immer erwarten, dass der Trap lehrbuchhaft abläuft. Das ist auch garnicht notwendig, wenn der Erfolg bereits vorher erreicht wird. Ein Beispiel: mache ich einen Pak Sao mit anschließendem Side-Hammerfist, dann erwarte ich nicht, dass mein Gegner den Hammerfist blockiert, damit ich dann seinen zweiten Arm trappen und schließlich den "Sack zumachen" kann ... und ich warte schonmal garnicht darauf, dass das passiert ... ich provoziere es nicht ... es ist mir zunächst egal, denn wenn er meinen durchziehenden Hammerfist nicht blockiert oder sich covered, ziehe ich ihm den sowas von voll durch Fresse und es ergibt sich kein Trap mehr, der dann auch nicht mehr gebraucht würde, weil eine andere Situation entstanden ist. Blockt er den Hammerfist aber doch, dann denke ich nicht "okay, er hat geblockt, geil, jetzt kann ich ihn trappen", nein, mit dem Block gibt er mir einen Impuls, den mein entsprechend trainierter Körper sofort in eine Aktion umsetzt, nämlich den Trap, und dann weiter angreift. Clincht der Gegner muss ich was anderes machen, zieht er sich zurück, kann ich vielleicht kicken usw.. D. h. ich gehe trainingsbasiert und instinktiv mit dem Flow und mit der Opportunity. Es ist schließlich ein Kampf und keine Choreographie.

    Aber auch wenn die Möglichkeiten für Trapping gering scheinen, so lohnt es sich dennoch dieses Tool in der Toolbox zu wissen. Man muss jetzt auch nicht tausend verschiedene Kombinationen trainieren, sondern sollte sich erstmal auf einfache Single-Hand-Traps beschränken und dann nach und nach ein paar (wohlgemerkt nur ein paar ausgewählte) Trappingkombinationen einschleifen. Wenn man diese wenigen Traps dann richtig gut trainiert, ist man schon gut gerüstet und hat was an der Hand, mit dem man den Gegner in der passenden Situation überraschen kann.

    Anbei nun ein paar Videos zum Thema Trapping, die sicher ganz gut reinlaufen, um das Konzept, die Details und die Praxis des Trappens erläutern:





    Geändert von Nice Guy (01-04-2021 um 21:20 Uhr)

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