Ich behaupte zunächst mal, daß es solche absoluten, kontextfreien Texte gar nicht geben können kann.
Aber im Zusammenhang der Diskussion hier scheint es mir wichtig, sich klar zu machen, daß die Kategorien von "wahr" oder "falsch", von "tatsächlichem Geschehen" und dergleichen mehr Maßstäben, die wir heute ganz selbstverständlich an geschichtsschreibende Texte anlegen zu der Zeit und in dem kulturellen Kontext, in dem die biblischen Texte entstanden sind, schlicht nicht existent waren. D.h. auch Texte, die den Anspruch hatten, etwas zu beschreiben, haben das in fundamental anderer Weise getan, als wir es heute tun.
Es braucht also selbst - oder gerade - bei beschreibenden Texten eine fundierte Hermeneutik. Weil schlicht keine Einigkeit zwischen uns und den Verfassern dieser Texte darüber besteht, was denn "Wahrheit" überhaupt sei.
Davon sind religiöse Überlieferungen und auch die Bibel voll.Es gibt Sprechakte, die etwas tun (sollen).
In der jüdisch-christlichen Tradition wurde der Kanon der Text sehr sorgfältig und historisch nachvollziehbar festgelegt. Und die Redaktionsgeschichte der je einzelnen Texte weist in aller Regel auf eine sehr bewußte Gestaltung der einzelnen Texte hin. Und - soweit ich das nachvollziehen kann - auch die Absicht einzelner Texte oder Textteile wandelt sich nicht nicht "einfach so". Mein theologischer Lehrer hat als einer der ersten eine "Formgeschichte des Neuen Testaments" vorgelegt, in der äußerst akribisch gezeigt wird, daß und wie Form und Intention der Texte einander bedingen.Religöse Texte entstehen möglicherweise oft als chaotische Sammlung beschreibender Überlieferungen, ...
Will sagen: Ich denke, daß die Textsammlungen sehr viel weniger "chaotisch" oder "zufällig" sind, als du es annimmst, so ich dich den richtig verstehe.
Aber ich denke, daß das was wir als "Widerspruch" wahrnehmen und gerne auflösen möchten für die ursprünglichen Verfasser und Überlieferer nebeneinander stehen und gleichermaßen wahr sein konnte.





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