Es findet sich auf vielen karatebezogenen Seiten auch immer noch die Fehlinformation, Karate sei entwickelt worden, damit waffenverbotsgeplagte Bauern unbewaffnet gegen berittene Samurai kämpfen konnten und auf etlichen Seiten liest man noch heute, der Bushidô sei ein strenger Ehrenkodex (i.S.v. DER Ehrenkodex), nach welchem sich jeder japanische Krieger zu richten hatte, obwohl beide Ideen mittlerweile längst schlüssig widerlegt worden sind.
Ich bezweifle ganz stark, dass Renshi - mal abgesehen von Gaijin-ryû wie den zwei von Dir genannten - für soetwas wie Großmeister stehen dürfte. Der Begriff Großmeister (wenngleich das Wort etwas ungünstig gewählt ist) meint sicherlich soetwas wie einen Sôke, das Oberhaupt z.B. einer klassischen jap. Kampfkunsttradition oder halt deren Gründer (Shodai Sôke).
Wer sich öffentlich mit einer Homepage präsentiert, muss einfach damit rechnen, dass man u.U. auch mal genau hinschaut, was es mit den Aussagen seiner/ihrer Webpräsenz wirklich auf sich hat. Wirbt man dann auch noch bewusst u.a. mit dubiosen "Auszeichnungen" o.ä., braucht man sich nicht wundern, wenn es berechtigte Kritik hagelt oder die eigene Sache sogar als Fake bezeichnet wird. Was das "absichtliche Suchen nach Fehlern oder Kritikpunkten" bzw. die Hexenjagd betrifft, so ist es bei mir z.B. so, dass mir einfach Dinge ins Auge springen und ich dann schaue, was es mit dem Ganzen auf sich hat. Leider finde ich i.d.R. dann immer mehr Fehler.
Im übrigen sind Homepages doch meist extra dazu erstellt worden, um z.B. einen Verein vorzustellen und diesbezüglich gebündelt diverse Informationen anzubieten. Es käme ja auch Niemand auf die Idee sich darüber zu beschweren, dass Jemand, der ein Buch nicht mag, darin vorzufindende wirre Handlungsstränge kritisiert und das ja schließlich nur deshalb könne, weil er das Buch ja gezielt durchgelesen habe, um entsprechende Fehler zu finden, statt einfach nur den Klappentext gelesen zu haben und zufrieden zu sein. Schreibe ich etwa Mist in meinem Blog, kriege ich halt richtigerweise vielleicht die Texte um die Ohren gehauen - MEINE Schuld.
Wie DatOlli schon schrieb zum Kumakan Karate "immerhin sagen sie frei heraus, dass sie ein selbstgestrickter Hybrid sind", was ich zwar schätze aber wiederum den anderen Mumpitz nicht besser macht.
Grundsätzlich stimme ich Dir zu aber das Problem ist, dass eben meist nicht offen kommuniziert wird ( so es denn zutrifft), dass man mehr so ein Spaßverein ist,
wo es in erster Linie um z.B. geselliges Beisammensein, Egopflege, verspielte Budoromantik, Geld usw. statt ernsthafter Kampfkunst und deren Meisterung geht.
Wie gesagt macht leider wohl kaum ein Verein o.ä. Werbung damit, was er alles NICHT bieten kann oder will oder gar damit, dass er halbgares selbsterfundenes Zeug anbietet, das der Lehrer sich ausgedacht hat, nachdem er in verschiedene Stile kurz reingeschnuppert hat, ohne auch nur einen einzigen von diesen zu meistern. Ganz im Gegenteil tun gerade Lehrer mit nur rudimentären KK-Kenntnissen und dafür umso höheren selbstverliehenen Titeln oft so, als wären ausgerechnet sie die wahren Hüter der Kampfkunst - darum ja eben auch die Lust auf schöne, lediglich gekaufte (später dann auch getauschte) in Wirklichkeit völlig nichtssagenden Titel unseriöser Organisationen und die beliebten Hall of Fame-Mitgliedschaften. Ach ja, u.a. darum auch die vielen schönen Geschichten über die Historie des jeweiligen Ursprungslandes und des eigenen Stils, die mit der realen Geschichte meist nur wenig gemein haben, dafür aber das "budoromantische" Gemüt der Kunden umso mehr ansprechen. Indem man Kunden (Schüler im eigentlichen Sinne sind es ja oft genug gar nicht) zumindest teilweise - manche Lehrer glauben ja tastsächlich selbst an die eigenen Märchen - bewusst belügt und bezirzt, versucht man diese daran zu hindern, sich WIRKLICH frei entscheiden zu können. Nicht wenigen Lehrern ist völlig klar, dass sie ohne Schönschreiben der eigenen Lebensgeschichte usw. gar keine Schüler bekommen würden, allein schon weil der Abstand zwischen Lehrer und Schüler trainingstechnisch oft nur geriing ist oder der Schüler sogar überlegen ist, ohne dies selbst zu wissen. Da muss man dann eben die ganze manipulative Psychomaschinerie in Stellung bringen.
Ja, so unverfänglich könnte man es problemlos schreiben und daraus ginge nicht einmal hervor, wie gut oder schlecht das Training dann am Ende ist. Ich fürchte nur man lässt sich
dann diejenigen Interessenten entgehen, die imgrunde zwar genau das suchen aber trotzdem das Gefühl haben wollen, ein großartiger Kämpfer werden zu können bzw. zu werden.
Ich denke, diese Fragen sind tatsächlich gar nicht mal so leicht zu beantworten, wie man spontan denken könnte. Nicht umsonst gibt es ja bereits viele Diskussionen darüber, ob WT für den "Realkampf" wirklich die besten Mittel hat oder dies lediglich eine reine Werbelüge ist, warum unfällbare WTler seltsamerweise schon des öfteren von MMAlern vertrimmt wurden, was MMA auf der Straße und ohne Regeln bringt, was JKD nun wirklich ist oder nicht, wie authentisch/historisch die im Bujinkan gelehrten Stile sind, wieviel modernes Kendô noch mit echtem Schwertkampf zu tun hat, ob es reicht lediglich Kata zu üben statt auch Sparring zu betreiben, ob Karate/Jûdô/Taekwondo ohne offizielle Wettkämpfe überhaupt geht usw. usf..
Es gibt unzählige Standpunkte und sehr viele davon haben ihre Berechtigung, ohne dass selbst gegenteilige Ansichten deshalb automatisch falsch sein müssten. Ich würde aber doch z.B. vermuten, dass für die meisten von uns ein bewusstes Verbreiten von Lügen, versuchte Hochstapelei (z.B. "weltweit anerkannt" statt "habe eine "Anerkennung" gekauft") u.ä. kaum besonders wertgeschätzt wird? Auch wenn sich ein Anfänger, gleichzeitig Kampfkunsthopser (ständig wechselnd) mit braunem Gürtel im Karate, grünem im Jûdô und gerade so geschafftem 3. Kyû im Aikidô plötzlich als Großmeister in Bushi-Aikajû bezeichnet, den 10. Dan darin trägt und etwas von Bescheidenheit, Bushidô usw. faselt, dürfte das den Meisten doch sicherlich nicht mehr als ein müdes Lächeln abringen, denke ich?






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