Wow, Du stellst aber auch Fragen... .
Nachfolgend mal nur meine ganz individuelle Sicht, die nicht richtig sein muss.
1) Es gibt traditionelle Schulen, die neben dem klassischen Beurkundungssystem auch das Kyû-/Dan-System eingeführt haben oder sogar mehr über ihre modernen als klassischen Graduierungen reden und schreiben. Möglicherweise sind einige Schulen sogar ausschließlich auf Kyû und Dan umgestiegen aber da möchte ich als Nichtschüler besagter Schulen nicht versehentlich Falschinfos verbreiten. Grundsätzlich haben wir es bei Systemen mit einem Sôke eher mit klassischen, von Schule zu Schule nicht nur inhaltlich sondern teils auch namentlich voneinander abweichenden Inhalten und Graduierungen zu tun. Auch bezüglich der klassischen Graduierungen könnte man Deine Frage aber analog natürlich stellen.
2) Ein Sôke muss zunächst einmal ja nicht einmal zwingend die Kampfkunst jemals trainiert haben, der er als Oberhaupt vorsteht. Es gibt mehr als eine Schultradition, deren Sôke zwar politisch das alleinige Sagen hat aber wo trainingstechnisch eine ganz andere Person de facto führt (wenn auch grundsätzlich weisungsgebunden, vom Sôke "entlassbar" usw.).
3) Man kann als Sôke (kann ja schnell gehen, z.B. Krankheit und Tod des Vaters, man selbst ist noch Kind oder Jugendlicher) sicherlich im "eigenen" System graduierungsmäßig noch nicht ganz oder sogar noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen sein und weiterhin nach und nach weitere Graduierungen erlangen. In solch einem Fall wird man sicherlich zumindest anfangs nicht der Sôke und gleichzeitig auch noch höchster Lehrer der eigenen Schule sein. Ich persönlich würde ja sagen, wenn Jemand dann "nur" Sôke ist oder sein möchte, ist es interessant, welche Graduierung diese Person mal erreicht hat, nur spielt das für die Funktion als Sôke eine relativ kleine Rolle. Wird oder ist Jemand Sôke und gleichzeitig höchster Lehrer der Schule, ginge ich natürlich davon aus, dass diese Person auch das gesamte Repertoire gemeistert hat, auch wenn das wiederum keine Rolle spielt i.S.v. z.B. "ist Menkyo Kaiden in X-ryû" gegenüber "hat mal alles bis einschließlich Menkyo Kaiden in X-ryû durchlaufen". Der Sôke könnte bewusst auch nur "einfacher" Lehrer in seiner eigenen Schule bleiben, weil er z.B. erkennt, dass er technisch einfach nicht über ein gewisses Niveau kommen wird, ihm das Lehren absolut nicht liegt, er aus gesundheitlichen Gründen keine hohe Trainingsdichte offerieren könnte usw usf., ihm aber das bestmögliche Trainingsangebot und das Wohl der Schule umso mehr am Herzen liegen.
mal beispielhaft übertragen auf ein Restaurant:
Ein Restaurantbesitzer kann selbst der Chefkoch im eigenen Restaurant sein (und wüsste so in zweierlei Hinsicht, wovon er redet) aber genausogut könnte er ohne jede Kochbegabung sein (als Leiter des Ladens), dafür aber einen Chefkoch angestellt haben (als "technischen" Leiter), ohne dass er selbst dadurch plötzlich nicht mehr der Chef (Sôke) des Restaurants wäre. Trotz angestelltem Chefkoch könnte er natürlich auch selbst als normaler Koch in seiner Küche arbeiten.
4) Hatsumi sensei hat wohl in den einzelnen "Bujinkanschulen" selbst noch traditionelle Urkunden erhalten, erst selbst später dann im Bujinkan das Kyû-Dan-System angewandt. Insofern dürfte er keinerlei Dangrad im Bujinkan innehaben bzw. jemals erhalten haben, ist aber trotzdem die höchste Instanz bezüglich politischer Führung und Lehre (oder war dies, nachdem er alle 9 Schulen - alle bis auf eine, soweit mir bisher bekannt - bereits an diverse seiner Schüler weitergereicht hat. Möglicherweise treten diese "Weiterreichungen" auch erst nach seinem Tode in Kraft oder ab einem bestimmten Datum, kenne die genauen Wortlaute der entsprechenden Dokumente nicht).







Mit Zitat antworten