Das wird sich jetzt, rund 400 Jahre später, nicht mehr klären lassen. Sie waren befreundet, bzw. Jiang Fa war wohl CWTs befreundeter Diener, und haben zusammen trainiert, aber wer was von wem gelernt hat und wie das damals mit dem Zusammenstellen der verschiedenen "Einzelteile" zu einer komplexen Kampfkunst war, das werden wir nicht erfahren können. Durften die Freunde mitreden, beraten? Oder waren sie gar nicht mehr da?

Und dann: Wieviel liegt noch in alten Archiven und was wurde eventuell sogar bewußt vernichtet, um Repressalien zu verhindern?
Was ist überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich? Immerhin stellen alte Dokumente ja auch einen Wert dar und sind teilweise empfindlich. Darf da ein Ausländer überhaupt ran? Wenn ja: Kann er die alten Schriftzeichen und die damals eventuell unterschiedliche Ausdrucksweise gut genug?

Die Chenfamilie hat ja auch ihre Sammlung alter Aufzeichnungen und Schriften, ihre Chronik, ihre Annalen- da findet man mehr über Chen Wangting. Aber: Hat das der Nachforscher gelesen, bzw. wollte er es überhaupt lesen oder ging es ihm eher darum, die Geschichte des Chen Taiji zu widerlegen- wie objektiv ist er rangegangen?

Darum die Frage: Welchen Unterschied macht es? Die Kampfkunst wird ja nicht besser oder schlechter deswegen.

Wer genug Erfahrung und Durchblick hat, hat ja längst entdeckt, daß wir im Chenstil alles finden, was auch in anderen MAs drin ist.
Wie umfangreich und gut das heute noch praktiziert wird, steht auf einem anderen Tablett.

Vereinfachungen findet man in jedem Taiji Stil.
Die Zeit, von Kindheit an täglich mehrere Stunden zu trainieren, hat keiner mehr, bzw. wenn, dann fehlen oft die Trainingspartner.
Weil wir Taiji heute nicht mehr zum Überleben brauchen. Es gibt Schußwaffen und unsere Gesellschaft bietet- verglichen mit damals- ein sicheres Umfeld.