Zitat Zitat von MGuzzi Beitrag anzeigen
Seine Übungspartner fallen dann halt von alleine, das hat er weiter vorne schon in seinen Fallunterscheidungen beschrieben. Das ist eigentlich ein weit verbreitetes Phänomen, dass dann eben auch zu entsprechenden Illusionen führt, willige ukes, die sich im Übungsfluss halt schon von selbst bewegen, in die richtige Richtung gehen und sich dann auch noch selbst werfen. Manche halten gerade DAS für Aikido.
Derjenige der eigentlich die Technik ausführen soll, braucht eigentlich nur ein bisschen mit den Armen wedeln, und schon fällt uke wie von Zauberhand, und wenn man dass dann ein bisschen beschleunigt, nennt man das dann "Ki". Klar, dass bei solchen Übungspartnern kuzushi dann belanglos wird.
Ich kann dem aus meiner Erfahrung nicht widersprechen. Dahinter steckt wohl auch der Gedanke, dass sich der Angreifer/Uke im Bestreben, sich auf Tori zu stürzen, selber wirft. Ein Gedanke, den man als Fantasy in diesem immer wieder zitieren Filmausschnitt sieht: Remo Williams: The Adventure Begins (ab 1:00). Oder ganz real in einem Sumo-Wettkampf: Chiyonokuni vs Takanoyama

Zitat Zitat von carstenm Beitrag anzeigen
Die Aussage, dass kuzushi für die Ausführung der Formen fast belanglos sei, klingt in meinen Ohren absurd, denn dort ist kuzushi die Ausführung der Form.

Ich habe mir vorhin mal Videos deines Lehrers angeschaut. Wenn ich das richtig sehe, dann geht es bei ihm darum, eine Vorwärtsbewegung des uke, die dieser bereits mitbringt, zunächst auf einer horizontalen Ebene so zu führen, zu lenken, dass schließlich nur noch ein "Antippen" oder eine relativ kleine/kurze vertikale Manipulation notwendig ist, um uke zu Fallen zu bringen. Ich sehe da in den Videos tatsächlich auch kein kuzushi. Oder jedenfalls nicht das, was ich darunter verstehe. Aber so, wie die Formen dort geübt werden, braucht es das eben - soweit ich das durch Videos beurteilen kann - auch tatsächlich nicht.
Gerade bei den Techniken Shiho-Nage, Tenchi-Nage, Sumi-Otoshi (Kokyu-Nage) glaube ich ein Kuzushi zu erfahren, wenn die mit Tenkan eingeleitet werden. Vorausgesetzt, Uke leitet den Angriff mit einer deutlichen Vorwärtsbewegung ein und der Tenkan wird so ausgeführt, wie es mein Lehrer uns beibringen möchte. Durch die Schleuderbewegung wird Ukes Gleichgewicht (für einen Moment!) gestört, was Tori dann bei der eigentlichen Wurf-Ausführung ausnutzen kann. Bei Sumi-Otoshi wird nach meiner Meinung und Erfahrung dieser Aspekt des dynamischen Kuzushi besonders deutlich. Das sieht man so ähnlich in dem Video des NY Aikikai ab 1:00. Ryuji Shirakawa zeigt den Sumi-Otoshi bei seinen Demos auch recht oft, und zwar in der Regel direkt (also ohne Tenkan). Ich habe den Eindruck, das funktioniert bei konditionierten oder passiven Ukes, aber nicht bei jemanden mit Kampf-Erfahrung. Dann sieht es so aus: Shirakawa Ryuji vs Yachi Yusuke (ab 10:30) - also kein Kuzushi, kein Wurf.