
Zitat von
Gibukai
Fragen zur „Technikgeschichte“ sind immer kniffelig, lassen sich aber für die Zeit vor 1922 nur noch sehr bedingt beantworten. ...
Die Pinan-Serie wurde bereits zu Lebzeiten von A. Itosu (1831–1915) von seinen Schülern verändert. ...
Dieses Verändern war im herkömmlichen „Karate“ ganz normal. Dabei ging es um Anpassungen an das persönliche Lehrgebäude....
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Neben dieser historischen Ursache der unterschiedlichen Übertragungslinien spiel(t)en dabei auch technische Aspekte eine wesentliche Rolle. Ein wichtiger technischer Punkt betrifft die spezifische „Krafterzeugung“ und „Kraftübertragung“ (Körpermechanik) des Shōtōkan-Ryū.
Ich spekuliere , dass sich die Lehrgebäude in der Zeit um den Okinawa Karate Kenkyū Kurabu (Okinawa Karate Research Club) und damit verbundenen Bestrebungen in ihren Schwerpunkten auf ein allemeines Grundlagenlehrgebäude mehr angenähert haben. Im Extremfall mancher kataschöpfungen/-änderungen quasi ein Allgemeinkarate in den Einführungen, das sich dann in die Stile ausfächern ließe. Zumindest Miyagi und Mabuni schienen eher dahin zu zielen ?
Meine persönliche Motivation, Karatetraining als meine Haupt-KK zu begreifen, liegt v.a. darin, das es mich stärker als andere KKs auf mich selbst zurückwirft.
Selbstverteidigung hat mich nur in der 2. Klasse interessiert, weil da Henning, Klaus und Annemarie 1,2 Wochen versuchten, mir nach der Schule aufzulauern. Weil ich Henning, wie fast alle Jungs meiner Klasse vorher verkloppt hatte. Nacheinander natürlich. Ging da um ein schönes rotes Plastikmesser, das ich nie wiedergesehen habe.
Mit 15 ging es dann wieder um ein Messer - das ich gar nicht sehen wollte, diesmal. Das des älteren Bruders von jemand, der mich drei Jahre in der Gesamtschule genervt hatte.
Da war ich aber über die euphemistische Bezeichnung Selbstverteidigung hinaus. Ab wann ich es EV, Egoverteidigung nannte, weiß ich aber nicht genau.
Zwischen 16 und 20 habe ich jedenfalls in einer kriminellen Minigruppe meinen Praxisbedarf für den Rest meines Lebens gedeckt.
Natürlich nicht wirklich. Denn angelegte psychische Strukturen haben mich in diese Gruppe reingebracht.
Und wurden da unter starker Botenstoffbeteiligung als bestimmte emotionale Reaktionsmuster in mich eingebrannt.
Also versuche ich, meine Grundschulkinder nie solche Strukturen verhärten zu lassen. Ich bin wie immer nur EINE Einflussgrösse, aber dadurch, wie ich sie " Spasskampf " werten lasse, auch ein Botenstoffbasiertere als manche andere.
Wenn ich nun sage, sich ändernde Begebenheiten, dann ist die Allzeitwaffe Messer beim Zurücktreten grösserer Waffen in meinen Augen einfach ein technischer Faktor.
Und man braucht eben NICHT viel speziell damit zu trainieren, wenn die waffenlose Praxis das mit abdeckt.
Es mag in den inneren Kampfkünsten möglich sein, auch mit abgedrehter Hüfte gegen Messer zu bestehen. Jenseits davon geht das eher nicht. Alle ernsthafteren Messerangriffe auf mich erfolgten mit dem Messer in der Schlaghand.
Generell aber wird waffenloses Kämpfen zum "square off" führen. Also zwei Kurzwaffen GEGEN zwei Kurzwaffen, nicht gegen eine Langwaffe, wie es im Kobudo vermutlich nicht nur ein Trainingsstandard war und ist.
Dafür gibt es ein übergreifendes, sinniges Trägersystem.
Und nicht tausend Möglichkeiten. In den Bewegungsqualitäten gibt es viel mehr Varianten als in den technisch logischen Bewegungen selbst.
Es stimmt : Im heutigen JKA Shotokan zeigen die Ausholbewegungen die Abwehr.
Ich weiß nicht, wie es damals war. Ich weiß nur, auf welche Lösungen Leute erst mal kommen, wenn sie totales Kämpfen anstreben. Darum erkenne ich die Strukturen des übersichtlichen Minisystems " Armannahmen ".
In den "Kata des Zeitenwandels" .
Mein persönlicher Eindruck der ersten 3 Pinan : Pinan 1 ( H2 ) zeigt grundsätzliche Annahmen ins greifen hinein. Pinan 2 (H1) zeigt, wie man klebende Hände vermeidet und "lang" bleibt. Heute wäre es wegen BJJlern, früher vielleicht eher wegen elektrischer Chinesen. Und immer wegen der Ringer. ( Nie wegen der WCler, sorry.) P3 zeigt m.E. (insbesondere mit dem gleichseitigen Ellenbogen des Sonnenvogels) sehr elementare und funktionale Grapplingabwehren auf Leute, die P1 gut können.
(3) Wie übte G. Funakoshi übte den Zenkutsu-Dachi mit Gedan-Barai in Heian (Pinan) aus?
G. Funakoshi lässt seinen Bauchnabel bei der Geste „Gedan-Barai“ in Heian jeweils mehr oder weniger im rechten Winkel vom Gedan-Barai-Arm in seiner „Endposition“ wegzeigen. Ganz ähnlich, aber deutlicher trifft dies bei Tekki Shodan (Naihanchi Shodan) zu. Dabei handelt es sich um einen sichtbaren Unterschied etwa zur Ausführweise von Pinan im Matsubayashi-Ryū, bei der Bauchnabel und Arm am „Ende“ des Gedan-Barai mehr oder minder in die gleiche Richtung weisen. Zum Vergleich:
Gedan-Barai Vergleich Funakoshi Nagamine www.gibukai.de.JPG
Die historischen und technischen Ursachen sind dieselben wie in Punkt (1) weiter oben.
Das Bild ist ja auch in einem ihrer Bücher. Mir scheint es eher eine entspannt nach vorne gerichtete Hüfte zu zeigen. Was bei Age Uke und Gedan Barai im Basisannahmesystem von Schlagen, Schubsen und Griffansätzen auch nur wünschenswert wäre.
Grüße,
Das Gürteltier
Geändert von Gürteltier (17-10-2022 um 16:34 Uhr)
Grund: fett zeigt bezug auf fett
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