vom trainer erwarte ich, dass er eine möglichkeit für training und unterstützung anbietet.
vom trainierenden erwarte ich, dass er erwachsen ist (dh selber entscheidet, wie er eine übung physisch und psychisch mitmachen kann) und den willen hat sich zu verbessern.
dann können auch "unsportliche" leute besser werden.
habe beides durch- bzw erlebt.
Hat ja auch niemand gefragt. Ansonsten: "Anekdotische Evidenz" heißt das, wie man seit C. weiß.
Als ich in der 9. war, wollte ich unbedingt Tischtennis spielen. Der Verein spielte in der zweithöchsten Liga. Ich stand also nahezu eine Trainingseinheit lang am Rand und habe Ball jongliert, bevor ich ein paar Minuten an die Platte durfte, wo ich dann die meiste Zeit damit beschäftigt war, den Ball wiederzuholen. Zwei mal hab ich mir das angetan, wenn ich mich recht erinnere. Dann bin ich zum Dorfverein um die Ecke. 2x Training pro Woche, am Sonntag zu den Punktspielen auf die umliegenden Dörfer, Abschluß mit einem Hellen beim Wirt.
Will sagen: Es gibt immer einen Weg. "Die wollten mich nicht" ist keine Begründung für eine verhinderte Sport- oder KK-Karriere.
Nun ähnliches hatte ich mal vor längerer Zeit in einem Karateverein erlebt. Obwohl ich bereits mehrere Jahre KK-Erfahrung hatte und an sich auch wußte, wie ein Gedan Uke bzw. Gedan Barai geht, hatte der Trainer nichts besseres zu tun, mich an den Rand zu stellen und Block üben zu lassen. Die anderen machten was anderes. Selbst beim Pratzentraining durfte ich nicht mitmachen.
Das schaute ich mir auch ein- bis zweimal an und hatte mir einen anderen Verein gesucht.
Zum Thema, daß es keine Begründung ist, zu sagen, "die wollen mich nicht" stimme ich schon zu, wenn man gute Alternativen vor Ort hat und mühelos zur anderen Gruppe gehen kann. Macht man aber gerade im Bereich KK einen seltenen Stil, den es nicht überall gibt, wird das schwierig. Man kann neben Arbeit und so weiter nicht eben mal in eine entferntere Stadt oder Örtlichkeit zum Training fahren. Und gerade auch im Bereich Mannschaftssport sind oft alteingesessene Leute und Grüppchen, die mitunter nicht so einfach einen Neuen in die Gruppe aufnehmen.
Da stimme ich absolut zu!Nun, ein Lipödem ist nicht schön, und es kann sehr schmerzhaft sein. Sport machen oder Bewegungen kann schon sehr schwer sein. Und wer möchte sich da schon drüber Äußern. Gut, die Lebenseinstellung zu Rauchen usw. würde ich natürlich überdenken. Aber man sollte das Lipödem wirklich nicht unterschätzen.
Lipödem ist immer individuell und kann ganz unterschiedliche Schmerzrahmen und Ausmaße annehmen und keiner kann einem da pauschal sagen wie der eigene Körper damit umgeht.
Ich beispielsweise leide selbst darunter (inklusive Lymphödem) und kann mit meiner Kompression Taekwondo trainieren (oder auch wandern gehen) alles in meinem persönlichem Rahmen/Tempo/Schmerzempfinden. Ich habe dennoch akute Probleme, spätestens sobald das Training beendet ist, die Kompression abgelegt wurde und mein Körper in die Ruhephase kommt. Dann bin auch ich "durch" für den Tag und bin froh abzuliegen und die Füße hochzulegen, weil es einfach wehtut.
Vielleicht scheiden sich da auch die medizinischen Geister, aber mir wurde angeraten viel zu laufen und mich grundsätzlich einfach täglich zu Bewegen (wandern/spazieren etc.) dabei immer brav die Kompression zu tragen und zu schauen, dass ich keinesfalls meinen Körper zu sehr an seine Grenzen treibe, da dies Schmerzen verursacht oder Schübe rausprovozieren kann, ich also immer auf meinen Körper hören soll.
(Gute Voraussetzungen dann weiterhin Kampfsport zu betreiben ich weiß, aber ich sage mir immer meine Leidenschaft zu diesem Sport wird immer Stärker sein als die Schmerzen und das Wasser, und bei mir hat sich bisher kein weiterer Schub eingeschlichen - aber ich fahre auch einen Gang runter sobald ich merke, dass die Beine schwer werden oä.)
Wahrscheinlich hat sich die Dame einfach Überschätzt bei der Wahl der Route oder wollte es sich selbst beweisen oder so, und vielleicht sollte sie vorerst auf flacheren Gebieten langsam mit dem regelmäßigen Gehen beginnen anstelle davon, dass sie untrainiert und durch ihr Lipödem eingeschränkt direkt den Hunsrück bewandern will(auch wenn es "nur" 6,2km und 99HM sind, ich hätte vermutlich auch länger gebraucht, weil die Beine einfach trotzdem schwer werden, spannen oder brennen können, das ist auch tatsächlich Tagesform abhängig). Aber wer weiß schon was ihre Beweggründe waren.
Natürlich spielt auch ihre "ungesunde" Lebenseinstellung eine Rolle, das Rauchen ist mit Sicherheit nicht förderlich! und sollte wirklich Überdacht werden.
Ich würde die Dame schon auch als unsportlich betiteln, aber nicht weil sie für die Wanderung 3 Stunden gebraucht hatte oder wegen ihres Lipödems, sondern weil die Aussage "Anderer Sport ist nicht so ihr Ding, da sie Schwitzen hasst(!)" bei mir den Eindruck erwägt, als wäre sie grundsätzlich Bewegungsscheu (falls diese Aussage so drastisch von ihr getroffen wurde) - aber vielleicht war die gewählte Wanderroute und ihre vermutliche Selbstüberschätzung, der erste Versuch etwas daran zu ändern??
Sprich sie doch einfach das nächste Mal auf die Umstände an, gerade wenn du ihre Lebenserwartung so enorm gefährdet siehst @RipleyDas wirklich Schlimme? Ich sehe das - und rechne hoch auf ihre Lebenserwartung. Und komme auf ein wirklich deprimierendes Ergebnis.
Geändert von Selina_Hne (22-08-2024 um 11:14 Uhr)
Interessantes Thema.
Im Allgemeinen würde ich sagen, dass sich einfach viel zu wenig bewegt wird und die Kinder viel zu spät mit Sport anfangen, und ja auch noch viel seltener draußen spielen usw. Das wird alles noch wesentlich schlimmer werden und es ist jetzt schon krass was Kinder und Jugendliche nicht können und vermutlich auch nie können werden. Frühes vielfältiges Bewegen wird man halt später meist nicht mehr kompensieren können,s elbst wenn man hochmotiviert ist. Da kann man es sicher immernoch auf ein passables Niveau bringen, aber viel (Motorik und Hirnentwicklung) ist dann letztlich abgefahren) - unsportlich ist da also relativ.
Sonst sehe ich es so wie dei meisten anderen, man kann immer was machen und oft auch noch lange zumindest in Teilbereichen besser werden oder den Abbau deutlich verlangsamen...
Was aber noch gar nicht angesprochen wurde, zumindest in meeinr sehr kleinen Blase kann ich berichten, dass die Untalentierten oft viel besser geworden sind als die Talentierten, weil letztere die Lust verloren haben, nicht bereit waren hart zu arbeiten, oder weil sie zu selbstkritisch waren. Leute mit durchschnittlicher oder gar unterdurchschniottlicher Begabung allerdings dabeigblieben sind und letztlich viel besser geworden sind. Vielleicht dreimal so lange dafür gebraucht haben wie de Talentierten es hätten und vermutlich auch noch mit mehr Defiziten, aber sie haben es halt gemacht im Gegensatz zu den Talentierten. Das darf man letztlich auch nie vergessen, dass der Fleißige den Talentierten oft schlägt.
Ein ziemlich alter Thread, aber ich finde das Thema spannend und wichtig.
Meine persönliche Meinung:
"Unsportlichkeit" ist erstmal eine Bewertung. Meistens behaupten das Menschen von sich selbst. Was soll das denn sein? Oder ab wann ist man unsportlich?
Beispielsweise kann jemand koordinative Schwächen haben, beispielsweise Links Fauststoß und rechten Schritt vor -> das funktioniert nicht. Aber vielleicht geht die Person jedes Wochenende mehrere Stunden wandern.
Ich hatte im Schulsport immer das Gefühl, ich wäre "unsportlich." Für andere waren Sportarten wie Basketball, Fußball, Stufenbarren usw. einfacher als für mich. Vielleicht hätte ich auch einfach gezieltes Training gebraucht, was ich in der Schule aber nicht bekommen habe. Als ich dann mit Karate angefangen habe, war es für die anderen Anfänger auch viel einfacher. Aber ich hatte einfach mehr Spaß und habe mich entsprechend entwickelt.
Ich denke, dass Menschen, die von sich meinen, sie wären "Unsportlich", irgendwann die Lust und Spaß an der Bewegung vermießt wurde. Menschen zum Sport zu motiviren, funktioniert am besten über Spass und auch ggf. über Geselligkeit. Wenn es denn aber einmal so ist, dass jemand sich nicht mehr bewegt (im Sinne von körperlicher Ertüchtigung) dann ist es schwierig für diesen Menschen, sich wieder aufzuraffen.
Gerade in HEMA landen immer wieder eine Menge Leute, die keinen Spaß an üblichen Sportarten haben, aber plötzlicht total motiviert sind, wenn man ihnen ein Schwert in die Hand drückt.
Solche Begriffe wie "Körperklaus" finde ich garnicht gut. Ich glaube zu wissen, wer damit gemeint ist, aber ich finde diese Bezeichnung abwertend.
Das bringt es eigentlich auf den Punkt. Ich habe auch viele Menschen erlebt, die sich als unsportlich bezeichneten und meistens fehlte es schlicht und ergreifend am Willen, einen Sport auszuüben. Das da auch manche nicht wollen, weil Sie untrainiert sind ist eigentlich Nebensache. Jeder kann sich hochtrainieren, wenn er denn will, auch wenn der eine nach ein paar Monaten fit wird und der andere Jahre braucht. Manche Behinderten sind da ein leuchtendes Beispiel.
Wenn man z.B. einen Menschen sieht, der keine Beine mehr hat und nur Armstummel, aber sich abmüht zu trainieren in der Muckibude und dann teilweise dicke Muskeln aufbaut, dann weiß man erst, wie viel man eigentlich selbst leisten könnte, wenn man nur willens wäre.
Kampfsport ist wohl noch mehr als alles andere eine Willenssache. Du gehst irgendwo hin, um dich anzustrengen, zu schwitzen und dich kaputt zu machen. Und als Lohn bekommst du wortwörtlich noch eine geballert.
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