Disclaimer: Ich moechte mir hier nicht anmassen festzulegen was Aikido ist oder nicht ist. Ich spreche hier ueber meine persoenlichen Erfahrungen und Ansichten. Wenn das jemand anders sieht, kann sie/er sich gerne in die Diskussion einklinken.
So, jetzt konkret: Was ist Ki / Energie im Aikido? Ki ist ein grosser alles umfassender Sammelbegriff: Alles was mir zur Verfuegung steht um aus dem Konflikt heil rauszukommen oder um sonst irgend etwas im Leben bewegen zu koennen. Wenn nach einem Konflikt alle etwas dabei gelernt haben ist das umso besser. Wenn nicht-naja dann vielleicht beim naechsten Mal.
Der Begriff bleibt schwammig, so lange wir uns hier theoretisch darueber unterhalten. Konkret wird es in der realen Begegnung auf der Matte oder im Alltag. Technisch gesehen geht es meistens darum den richtigen Abstand, den richtigen Winkel und das richtige Timing zu finden, um mit moeglichst wenig Aufwand von Muskelkraft die maximale Wirkung zu erzielen.
Die Bewegungen im Aikido sind sehr stark vom bewaffneten Kampf beeinflusst. Ein Angreifer mit einem Katana in der Hand bewegt sich anders, als ein Boxer der ein paar Treffer landen moechte. Aber auch die Angriffe eines realen Schwertangriffes sind so schnell, dass kaum Zeit zum Reagieren bleibt. Die hohe Kunst ist es vorauszusehen, was der Angreifer als naechstes vorhat und dann die richtigen Schritte zu tun ohne darueber nachdenken zu muessen.
Hilft mir das wenn ich von einem Boxer angegriffen werde? Vermutlich nicht. Aber ich finde die (Wettkampf-)Kampfsportarten sind da ehrlicher als die Selbstverteidigung. Im Kampfsport wirst Du nach Alter, Gewichtsklasse, Profi/Amateur etc. eingeteilt um eine Chance zu haben einen Kampf bestehen zu koennen. Am Ende gibt es einen Gewinner und viele Verlierer. In der Selbstverteidigung lernt man ein paar Techniken und soll sich damit gegen jeden Angreifer und in jeder Situation zur Wehr setzen koennen. Meiner Meinung nach ein sehr hoch gestecktes Ziel.
Aikido moechte beides nicht sein: Weder Wettkampfsport noch in erster Linie Strassenselbstverteidigung. Es gibt ein paar Lehrer die das auch drauf haben, aber ich schaetze die meisten Aikidoka suchen etwas anderes.
Aber ich wollte nicht zu sehr abschweifen. Um die Angriffsenergie umleiten zu können, braucht man etwas Zeit. Wenn man sehr schnell mit einer Folge von Angriffen eingedeckt wird, ist das schwierig. Hier kommt Taktik und Strategie ins Spiel: Wie kann ich mich frühzeitig so positionieren, dass ich nicht in die Enge getrieben werde...
Ah, und dann noch die Leere. Für mich ist die Leere kein schwarzes Loch, in der die Energie auf nimmerwiedersehen verschwindet. Es ist eher so etwas wie ein kreativer Pool aus dem etwas neues entstehen kann. Klingt jetzt wieder esoterisch? Vielleicht so: Ich nutzte den Schwung des Angriffs, damit der Angreifer über sein Ziel hinausschiesst und damit ein Stück weit sein Gleichgewicht verliert. Hier im richtigen Moment angesetzt kann mir das helfen den Angreifer zu Fall zu bringen. Das kennt man wohl in anderen Kampfsystemen auch.





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