Das ist ja die Frage, wer wen oder was formt...
Was ich schreibe, ist im Kontext dessen zu verstehen, was hier von anderen geschrieben wurde. So wurde geschrieben, dass Gewalt und Kriminalität aus Armut und Perspektivlosigkeit heraus entstehen, was grundsätzlich nicht falsch ist, aber längst nicht den Schluss zulässt, dass die Bekämpfung von Armut eben der einzige Weg wäre, Gewalt in unserer Gesellschaft zu verringern. Es wurde behauptet, ein "Herumdoktern" auf anderen Ebenen würde nichts bringen. Das halte ich für falsch.
Es ist nicht einfach nur so, dass (wie geschrieben) "Hass und Gewalt am besten auf Armut gedeihen" - es ist zusätzlich auch so, dass Menschen, die von Hass und Gewalt getrieben werden bzw. beides nicht kontrollieren können, eher in Armut landen werden.
Nehmen wir ganz konkret die Leute, die in dem Interview in https://www.kampfkunst-board.info/fo...35#post3905235 angesprochen werden. Das sind Familien die z.T. seit Jahrzehnten immer wieder Intensivstraftäter hervorbringen. Andere Familien tun das nicht, obwohl sie unter ähnlichen Umständen leben. Da ist ganz klar erkennbar, dass diese Leute es gar nicht anders wollen oder es mindestens nicht anders können. Es ist klar erkennbar, dass sie nicht so sind, weil sie arm sind (was auch nicht immer stimmt, es gibt "dort" auch einige Multimillionäre), sondern sich auf familiärer Ebene selbst in diese Richtung erziehen. Möchte man das Gewaltproblem angehen, muss man das erstens anerkennen und zweitens auch speziell darauf reagieren.
Diese Familien bilden ein spezielles Phänomen, aber es gilt auch für andere. Nicht jeder, der in Armut oder am Rande der Gesellschaft lebt, braucht nur eine Perspektive und etwas Aufmunterung und schon wird er zum Musterknaben. Nein, es gibt auch Leute, die genau da sind, wo ihr Verhalten sie eben hinbringt und auch immer wieder hinbringen wird. Es gibt viele Leute (und da kenne/kannte ich selbst schon einige) denen die ihnen gesellschaftlich gebotenen Chancen herzlich egal sind. Sobald sie die Möglichkeit sehen, werden sie andere beklauen, werden zu Gewalt greifen, werden sich sonstwie asozial verhalten.
Ich finde es zutiefst ungerecht, wenn man es zulässt, dass sich Leute hier in Deutschland gemeingefährlich aufführen und es unter dem Deckmantel der Menschlichkeit versäumt wird, sie wirksam an ihrem Tun zu hindern.
In Deutschland ist das Ausüben von Gewalt (fast) immer etwas, das man selbst wählt. Niemand muss z.B. hungern, wenn er nicht andere ausraubt. Die realen Lebensumstände sind bei weitem nicht so, dass Menschen gezwungen werden, kriminell zu sein. Straftäter wollen Straftäter sein (ja, ist sehr plakativ ausgedrückt). Entsprechend kann und sollte man sie auch behandeln und neben dem ganzen sozialromantischen Verständnis, das man ihnen entgegen bringt, auch mehr Druck ausüben.





