Zitat Zitat von FireFlea Beitrag anzeigen
Ich bin bei basis-demokratischen Strukturen in Bezug auf KK immer etwas zwiegespalten. Denn im Kern sollte es ja darum gehen, dass man etwas von jemandem lernen möchte. Ich betreibe nicht einfach Karate, Wing Chun oder sonstwas, sondern ich betreibe KK bei einem bestimmten Lehrer, weil genau der mich weiterbringt und ich das lernen möchte, was er vermittelt und nicht einfach irgendwas. Daraus ergiebt sich automatisch eine gewisse Hierarchie und Abhängigkeit. Und so wird man auch in der EWTO sehen, ob König, Natalie & Co. den Schülern geben können, was KRK konnte. Für manche reicht das sicher ein anonymes Verbands-WT mit Lehrplänen und austauschbaren Lehrern, für manche denke ich aber auch nicht.

Letztlich haben wir doch hier des Pudels Kern: Braucht es zum Lernen eine Hierarchie? Für mich eine gänzlich grundlegende Frage - auch im schulischen Kontext, wo die Reise mehr und mehr in Richtung noch mehr Selbstständigkeit und eigenverantwortliches Lernen geht. Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin da kein Fan von und inhaltlich bei dir: Es braucht einen, der die Zügel in der Hand hält. Ob nun Lehrer oder Trainer oder Sihing, Sifu...egal - einer muss da den roten Faden vorgeben. Auch wenn ich mich innerlich dagegen wehre, die Erfahrung zeigt: Ohne geht es nicht. Um mal ein profanes Beispiel zu nennen: Wenn ich Fortbildungen im beruflichen Kontext besuche und mit den Worten "So, ich bin ja nicht hier, um Ihnen etwas beizubringen." begrüßt werde, dann verlasse ich die Tagung direkt. Denn ich bin (wie du schreibst) da, um etwas zu lernen.

Noch zu den "demokratischen Strukturen" - das sagt sich so einfach und schreibt sich noch schneller. Sagen wir mal so: Ich habe nach wie vor ein Problem damit, wenn ich einen Trainer auch außerhalb des Trainings mit seinem Titel ansprechen lassen soll bzw. sollte. Das ist die Grenze überschritten und auch wenn "wir" im Wing Chun gerne in der Tradition stehen, nein und gerade im Wing Chun Derivat wird hier gerne mal ´über die Grenze hinaus geschossen. Da fällt mir doch direkt eine nette Szene aus "Vom Zweikampf" von KRK ein, also sinngemäß:

"Der Schulleiter sollte nicht vergessen, dass er im echten Leben Straßenbahnfahrer ist und sich nicht über seine Schüler erheben." Dieser Satz trifft es inhaltlich doch genau auf den Punkt. Kein Mensch sagt was, wenn da einer die Richtung vorgibt - es ist das WIE das erfolgt und wenn dann die Ego-Allüren dominieren, naja - time out.


Die von dir beschriebene Verbindung zu einem Trainer teile ich geistig, habe aber leider immer wieder das Gegenteil erleben müssen: Sie grinsen dich an, sind freundlich so lange du brav zahlst und die Klappe hältst, was die Inhalte angeht. Aber in Sachen Geld geht die Maske schnell runter und auch wenn du einmal subversive Fragen stellst. So gesehen bin ich ebenfalls zwiegespalten, was diese künstliche Welt angeht, die wir hier im Lande zuweilen erleben, wenn es um die KK geht. Das ist im Yoga nicht anders. Selbst im ZEN hast du diese knallharten Hierarchien. Ich war eine Zeit lang in Wiesbaden bei Herrn Kopp und den Zen-Abenden. Immer wieder ein Erlebnis. Aber wenn du einmal den Blick hast, dann siehst du direkt, wo die Steakholer und Zubringer sitzen und wie sie agieren, damit der Laden läuft. Das schneidet sich ein wenig mit den nach außen getragenen Allüren der Gemeinsamkeit und "wir sind eine Familie".