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Auch hier macht die Dosis das Gift - ich bin absolut bei dir, was das Lernen und das Sozialisieren untereinander angeht. Aber das ist mE nicht die Hauptaufgabe der staatlichen Einrichtungen. Wir haben auch einen Bildungsauftrag und der gerät mehr und mehr in den Hintergrund, weil du vor lauter Nach-Sozialisierung-Justierung zum Teil gar nicht mehr zu fachlichen Inhalten kommst.
Ich kenne mich da nicht aus, aber die Ganztagsschule heißt doch sicherlich, dass die Kinder einen guten Teil des Tages in der Schule sind? Aber doch nicht Unterricht bis 16:00 haben? Sprich, dass die dann Hausaufgaben machen oder spielen? Wenn so, muss der Lehrer oder Erzieher "nur" aufpassen oder helfend zur Seite stehen, aber keinen Bildungsauftrag erfüllen?!

Und ich denke mal, es ist die vornehmlichste Aufgabe des Staates, dass Kinder/Jugendliche etc. sozial lernen. Plus er kann die Voraussetzungen dafür schaffen bzw. hat sie eben per se durch die Schulpflicht. Es kann aber natürlich nicht sein, dass der Lehrer Pädagoge, Psychologe und Soziologe in Personalunion ist, und das bei 30 Mann. Von denen u.U. nicht mal alle deutsch sprechen. Da muss der Staat wiederum die Voraussetzungen schaffen.

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Zudem, sorry - ist mir das aber auch zu einfach gesetzt: Diese Fusion von "arm/reich", "(un)gebildet" (Was ist das?) oder aber "(un)behütet" - das ist eine absolut erstrebenswerte Vision und auch ein Ideal. Die Realität sieht so leider nicht aus. Ich gehe mal provokant heran: Wenn du Kinder ohne äußere Reglementierung aufeinander loslässt, dann hast du letztlich die Hackordnung, wie in einem Hühnerstall. Laut, brutal und egoistisch dominiert. Das ist doch genau der Weg, den die ganze Pädagogik der vergangenen Jahrzehnte versucht hat zu vermeiden.
Ein Erzieher muss doch aber todsicher immer bei Kindern anwesend sein?

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Weiterer Punkt: Kinder mit Migrationshintergrund "kennen" diese Art der sanften Begleitung nicht.
Der erzieherische Ton zu Hause ist ein gänzlich anderer. Da wird nicht kommuniziert - da herrscht das Patriachart mit entsprechender Wirkung. Jetzt sitzt so ein Knirps bei uns im Unterricht. Baut irgendeinen Mist und erwartet jetzt (da er es von zu Haus kennt) eine entsprechende Reaktion. Die erfolgt aber nicht, sondern es wird geredet. Das Kind ist nun verwirrt und was ein Kind hat zudem nicht diese kognitiven Differenzierungsmöglichkeiten. Es erkennt dominant und schwach. Die Schule wird als schwach eingeordnet - warum soll ich mich da benehmen.
Selbst wenn´s so bei einzelnen Kandidaten ist, führt da m.E. kein Weg dran vorbei. Früher oder später müssen alle mit jedem klarkommen können. Aber es ist verständlich, dass man einen Lehrer in problematischen Klassen (mit Inkludierten/Verhaltensauffälligen/psychsisch Erkrankten/kaum deutsch Sprechenden etc.) nicht alleine lassen kann.