Zitat von
carstenm
OT --- Obacht, mit karate hat das hier nix zu tun ... ---
Nein, das behaupte ich nicht.
Dazu habe ich ja oben schon geschrieben:
Man lernt nicht gewalt-tätig zu werden. Ganz im Gegenteil.
Aber indem man Techniken übt, die jemandem, der nicht gelernt hat, diese Techniken anzunehmen, ohne sich zu verletzen (das nennt man im aikidô "ukemi" und wird ebenfalls geübt) aller Wahrscheinlichkeit nachhaltig schädigen werden, übt man eine sehr konkrete Form körperlicher Gewalt.
Im dôjô ist das durch die Etikette, die in den japanischen KKen eine gewissermaßen gegengewichtige Funktion hat und von den Übungsformen, die die darauf abzielen, daß Übungspartner aneinander und miteinander wachsen.
Nichtsdestotrotz läßt sich bei jeder Technik, die geübt wird, sagen, welchen Körperteil sie verletzt, so sie denn tatsächlich in einer realen Situation gelingen sollte.
Interessanterweise gibt es den Effekt daß das Lernen und Üben solcher Techniken - nicht nur im aikidô - den Umgang mit Gewalt im "realen Leben" positiv beinflußt. Die meisten fortgeschrittenen KKler oder KSler, die ich kenne, sind in dieser Hinsicht sehr ausgeglichene und ausgleichende Menschen. Klingt romantisierend, ist aber in meinem Umfeld tatsächlich meine Erfahrung.
Kann man denn KK oder KS üben, ohne daß die Dimension der Gewalt in einer bestimmten Art und Weise mindestens indirekt anwesend ist?
Ich bin hier eingestiegen, weil ich auf eine Aussage zu einem Video von einem kyukoshin Training reagiert habe. Zu Kindern und KK habe ich mich nicht geäußert.
Dennoch:
Ca. 75% der Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden möchten, haben die Intention, daß ihr Kind lernt, sich auf dem (Grund-)schulhof zu wehren.
100% der Sozialpädagogen, die meinen, es täte den von ihnen betreuten Kindern gut aikidô zu üben, sind der Meinung, daß es ihnen helfen würde, das Ausagieren von Gewalt kontrollieren zu lernen.
Beide Gruppen von Kindern nehmen wir grundsätzlich nicht auf.
Kriterium ist für uns einzig, ob es ihnen - und zwar den Kindern, nicht den Eltern - Spaß macht, aikidô zu üben. Ob ihnen die Form des Bewegens und die Art der Partnerarbeit Freude machen.