:D Nicht wirklich, aber nette Formulierung. Kinetische Poesie.
Nun gut, da jetzt klar ist, dass die meisten bei uns keine "Gassenhauer" sind, kann man ja scheinbar gelassener diskutieren. Freut mich.
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Ich möchte Euch für diesen angenehmen Thread danken.
Er hat mir tatsächlich einen kleinen Einblick in Eure Denkweise gegeben.
Mit dem Gedanken, dass es Euch um eine persönliche Entwicklung und
um kunstfertige Bewegungen und nicht um Kampf mit realistischem
Anspruch geht, kann ich mich gut anfreunden.
Ein harmonisches und ausgeglichenes Inneres ist ja auch sehr viel wert.
Wahrscheinlich auf die Gesamtheit des Lebens gesehen sehr viel mehr als die
realistische, aber vergleichsweise stumpfe Konzentration auf den Straßen-
kampf (es sei denn, es passiert tatsächlich mal ein brutaler Übergriff mit
bleibenden Schäden (aber klammern wir das mal aus)).
Damit habe ich meinen Frieden in dieser Hinsicht gefunden, denke ich.
_
hab zwar nur mitgelesen, fand den thread aber auch gut. mit dem "hintergrundwissen" (wenn mans so nennen kann), hat man da schon einen anderen zugang.
Ich fände es gut, wenn mehr Schulen den Mut hätten, die eigentlich guten Aikido-Aktionen gegen tatsächlich heute gebräuchliche Angriffe wie Kirmesschwinger, beidhändige Schubser, Griff an den Hals und Sockerkick zu trainieren, statt gegen Aktionen aus dem Japan des 16. Jahrhunderts. Das mag Puristen und Traditionalisten ins Mark erschüttern, und man kann diese Dinge ja meinethalben auch noch in Prüfungen vorkommen lassen. Aber nicht als Brot-und-Butter-Praxis für jeden der eigentlich eben nicht Japan 1567 spielen möchte. Dann hätte man auch ruckzuck ein schön anzusehendes und trotzdem wirksames System, das sich jedem sofort erschliesst und auch für die grosse Breite relativ zügig gut anwendbar ist, weil sie es eben aus jedem Training kennen.
Was auffällt, der Angreifer verliert IMMER... Keiner kommt nach dem 10 Videos mal durch. Was auch nachvollziehbar ist, da der Angriff ungefähr 5 Schritte entfernt telegrafiert wird. Und der Angreifer hilft dann bei seiner Flugrolle tatkräftig und aktiv mit. Durch einen Armhebel kann ich keinen Menschen an seinem Arm um 360° durch die Luft rotieren lassen... Vermutlich weiß der Angreifer auch schon lange, mit welcher Abwehr er empfangen wird...
Gut, es ist natürlich in keiner KK gern gesehen, wenn der große Meister die falsche Abwehr macht. Vor allem bei Vorführungen. Sind diese Videos eigentlich Training oder Vorführungen?
Dazu: Ein paar Kollegen, die Aikido trainieren, wollen mir weißmachen, daß ihr Lehrer jeden Angriff auch von hinten, selbst Spaßangriffe in der Umkleide, spürt und abwehrt. Das kann ich aus den zugegebener Maßen harmonierenden Partnerübungs-Videos bisher nicht sehen. Dort ist alles angekündigt.
Grüße
opemind Darf ich fragen welche KK du ausübst, du so pragmatisch eingestellt bist?
Du siehst die ganze Sache jedenfalls zu westlich.
Aikido ist nun mal eine japanische KK und basiert auf Kata. Schon der gute alte Funakoshi hat gesagt: Übe die Kata korrekt, der richtige Kampf ist eine andere Angelegenheit".
Auch Ueshiba Morihei hat nie behauptet, dass man den Übungen seiner KK kämpfen kann.
Lerne und vergiss es, war ein Spruch den Ueshiba laut Shioda Gozo gerne verwendet hat..
Er hat früher jede Technik auch nur einmal gezeigt, um seinen Schülern eine Idee von der Bewegung zu geben.
Es dürfte im Aikido mehr um Bewegungsprinzipien gehen, als um konkrete Techniken.
Wie effektiv diese Trainingsmethode ist kann ich nicht sagen, aber Aikido nur mit der Technik Brille zu sehen wird einem nicht viel bringen..
Hallo carstenm,
ich dachte immer im Aikido gibt es verschiedene Stilrichtungen, auch außerhalb des Aikikai.
Daher nach welchem Shihan ( ist das kein Großmeister ) wird das Aikido
das Du übst, unterrichtet?
Sonst fand ich das Gespräch super,
einfache Erklärungen was Aikido ist.
Auf jeden Fall kann ich nicht wie Steven Seagal werden und die Angreifer so schön durch die Luft werfen.
Danke
soto
Ich bezweifle, dass man allen 12jährigen die man ködert mit "wehre Dich in der Schule!" vorher sagt, ok, eigentlich spielen wir hier Japan 1567, das musste halt mögen oder geh woanders hin. Wobei ich denen natürlich auch nicht beibringen würde, andere 12jährige aus dem Fenster oder die Treppe runter zu werfen.
Was das "Armhebel funktionieren überhaupt nicht, die werfen sich doch absichtlich hin" angeht, da hat DerLenny ja schon was geschrieben. Geht doch, richtig gemacht. Die Angreifer stehen ja nicht beim Wurf, sondern rennen in den rein, oder werden reingezogen, mit Konterwürfen.
Wie kommt ihr auf 1567? So alt ist Aikido un auch wieder nicht. Und im Aikido wird gar kein Szenario nachgespielt.
Szenarien Training scheint jetzt wohl seit dem Aufkommen der Hybride in zu sein.
Nein, aber wenn ich Abwehrtechniken gegen symbolische Schwertangriffe und Konter gegen Verhindern des Ziehens meines Schwertes übe, dann bin ich in einer Zeit in der es Schwertangriffe so häufig gegeben hat dass man sich im Wesentlichen damit beschäftigt. Das 1567 ist natürlich plakativ. Aber ich sehe immer noch keinen Grund, sich 2013 mit dem Abwehren symbolischer Schwertangriffe stärker zu beschäftigen, als mit dem Abwehren gar nicht symbolischer Tritte in die Eier, oder Kneipenschwingern an den Kopf.
Brunner hätte sich vermutlich gefreut, wenn er mit den beiden Typen nicht hätte boxen müssen, sondern einen auf die Schienen hätte werfen können und den anderen dann nur noch von weitem sieht oder in die gleiche Richtung hätte bringen können. Und das halte ich gegen solche Schläger für vollkommen realistisch, mit entsprechend viel gutem Training. Das waren keine Profiboxer mit 47 Jahren isch-mach-disch-Kickbox, sondern zwei Penner die einfach nur gleichzeitig den armen Mann umschubsen und treten. Die sind wie gemalt für sowas wie Aikido.
Klaus, ich dachte, Du machst selbst gerne in Schwertern? Warum denn auch nicht? Mich reizt an KKs GERADE das Anachronistische. Wenn ichs mir leisten könnte, würde ich Yabusame machen. Scheiß auf die Straße (naja, das würde dann das Pferd übernehmen...:D). Ich schlag mir doch nicht die Zeit im Dojo wegen dem Gesindel um die Ohren.Zitat:
Aber ich sehe immer noch keinen Grund, sich 2013 mit dem Abwehren symbolischer Schwertangriffe stärker zu beschäftigen, als mit dem Abwehren gar nicht symbolischer Tritte in die Eier, oder Kneipenschwingern an den Kopf.
Vielleicht ist das Problem im Aikido bloß, dass es waffenlos ist. Hantiert man mit alten Gerätschaften, ist gar nicht der Anspruch da (weder seitens der Praktizierenden, noch der Außenstehenden), das nun irgendwie im "modernen SV-Sinne straßentauglich" zu machen. Umso besser, dann sitzt man von vornherein in der Spinnerecke und kann in Ruhe trainieren.
Bingo. Bloß weil man nicht den Brunner nachspielt, heißt das ja nicht, dass man nicht kämpft.Zitat:
Und Sojutsu ist kein kämpfen?
Das ist ja dann auch in Ordnung wenn man sich dessen bewusst ist, und andere Ansprüche gar nicht hat. Schlimm ist es, wenn man es den Leuten aber als SV anbietet und dann nicht liefert, sondern bei Historischem Fechten weil's Spass macht ankommt. Ich zwinge ja auch Schachspieler oder Pointfighter nicht zum Kampf auf Leben und Tod.
Meiner Meinung nach muss man auch bei einer Kampfkunst nicht über Gebühr "richtig kämpfen", dass es blutig wird. Auch beim Submission-Grappling hauen sich die Leute nicht am Boden die Knie an den Kopf, obwohl das "in echt" auch einer machen könnte. Aber man sollte halt schon lernen, seine Aktionen gegen halbwegs vernünftig ausgeführte Angriffe auch in einem freieren Kontext korrekt anzusetzen und durchzubringen, und nicht "lernen" der Uke der macht das schon und springt von selbst in meinen Wurf rein.
Komisch, ich habe noch keine Werbeanzeige von Aikido gefunden, wo was von SV steht. Das Problem ist ja nicht, dass es nicht andwendbar wäre, man musste nur den Mut haben etwas zu experimentieren. Das fehlt leider bei den meisten Aikidokas.
Da geb ich Dir allerdings recht. Da muss man aber auch schauen, von wem das jeweils kommt, und was der genau mit seiner KK macht. Die meisten "alteingesessenen" KKs sind ja doch ziemlich heterogene Veranstaltungen, und Einzelne versuchen da, auf vielen Hochzeiten zu tanzen. Sehe nicht, warum man (wenn mans denn wollte) Aikido nicht mindestens so "modern"-scharf machen könnte wie diesen ganzen Hybridkram. Nur, um sich dann von den Sportlern immer noch vermobben zu lassen. :D
Persönlich finde ich ja, es gibt nichts Schlimmeres, als diese auf modern getrimmten Feigenblatt-SV-Anhängsel an traditionellen KKs.
Was uns dann unweigerlich zu der Frage führt, wieviele moderne, selbsternannte SV-KKs denn überhaupt das liefern, was sie versprechen. Da schweig ich lieber. Wir wollen hier ja nüchtern bleiben. ;)
Christian Tissier und Endo Seishiro sind die shihan, die für den Verband zuständig sind, dem ich angehöre.
Mich hat in den ersten etwa 13 Jahren das aikidô von Christian Tissier geprägt. Dann habe ich "umgelernt" und versuche mich seitdem so eng wie möglich an Endo Seishiro zu orientieren.
Den Ausdruck "Großmeister" kenne ich im Zusammenhang mit aikido nicht. Wir sprechen von "Lehrern". Der Titel "shihan" bezeichnet eine bestimmte Funktion in der Struktur einer ryû, die mit "Großmeister" nicht gut wiedergegeben ist, wie ich finde.Zitat:
( ist das kein Großmeister )
Was ist daran unverständlich, wenn ich frage, was diese ominöse moderne SV überhaupt sein soll? Und warum es im Aikido nach der Meinung von ein paar Leuten nicht lernt. Ist SV nicht die Abwehr von rechtswidrigen Angriffen? Und lernt man im Aikido nicht wie man mit Angriffen umgeht. Also ist eigentlich schon eine SV, auch wenn nicht jeder Aikido Lehrer damit wirbt.
Und warum manche Leute so einen Graben ziehen zwischen moderner SV und den klassischen Kampfkünsten verstehe ich auch nicht.
Klar, die Menschheit hat sich bezüglich der Waffen weiterentwickelt, das ist keine Frage. Aber gilt das auch für die Waffenlose Angriffe?
Der Umgang mit tatsächlich anzutreffenden rechtswidrigen Angriffen, aka Suckerpunch, Kneipenschwinger, ungelenker Sockerkick mit Aikido-Mitteln. Und nicht "angedeuteter Schwertangriff von senkrecht oben", weil das im Japan im 16. Jahrhundert wichtig gewesen ist. Kommt hierzulande nur noch in Form von rasenden Frauen vor, die einem mit dem Regenschirm verprügeln wollen.
Ich möchte überhaupt nicht, dass man sich im Aikido damit beschäftigt, wie man Boxangriffe von schlechten Schlägern mit Boxen abwehrt. Oder mit Grappling. Oder mit Muay-Thai.
Weil man sich offenbar explizit und gerne mit "Übungen" beschäftigt, bei denen der rechtswidrige Angriff auf die eigene Schwerthand oder der senkrecht von oben aus dem Lauf erfolgende Schwerthieb im Vordergrund stehen. Und man dann beim Rapechoke und Faust auf die Omme keine Antwort hat, weil das kommt von vorne und nicht oben, und aus dem Stand und nicht aus dem Lauf. Klingt komisch, ist aber so. Der gemeine Mensch schafft es viel leichter, einem von vorne kommenden Schlag aus dem Stand auszuweichen, wenn der Schlag im Training auch aus dem Stand von vorne kommt, und nicht als angedeuteter Schwertangriff aus dem Lauf von oben ohne jegliche übliche Mechanik von geraden Schlägen. Kneipenschwinger das gleiche. Der sieht nicht nur anders aus als ein angedeuteter Schwertangriff von oben aus dem Lauf, er wirkt auch anders, hat ein anderes Timing, und andere Positionen. Ist aber auch für einen Aikido nicht unmöglich, einem Schlag von vorne oder von der Seite einfach auszuweichen oder den Arm reinzuhalten. Wenn man nicht stattdessen 3 Stunden übt, das Fassen des Schwertarms den man nicht hat weil man kein Schwert mitführt zu verhindern.Zitat:
Und warum es im Aikido nach der Meinung von ein paar Leuten nicht lernt.
check. aikido kommt auf meine to-do-liste.
Weil wir hier auch über Schwerter plaudern.
Welt der Wunder Katana Vs Greatsword
Welt der Wunder Katana Vs Greatsword, the short one :) - YouTube
:)
Klaus nun so einfach ist das nicht. Wenn man vom Trainer ein voll ausgearbeitetes Portfolio erwartet, das einen mit in die Lage versetzt mit jedem Angriff umzugehen, dann hast du natürlich recht, das wird nichts. Aber was ist wenn man selbst seinen Grips einsetzt und in Eigenregie überprüft welche Aikidobewegungen gegen einen solchen Angriff funktionieren könnten, sähe die Sache schon anders aus.
Nur wer tut sich schon die Mühe an, das zu tun. Kaum jemand. Die Leute sind zu sehr in ihren Denken, dass eine KK ein Frage Antwort Spiel ist, verhaftet.
Wenn der Angreifer, das macht, dann mache ich das..
So einfach ist es leider nicht immer. Besonders wenn man meint sowas wie SV zu machen, dann muss man mit dem schlimmsten rechnen, und sehr anpassungsfähig sein. Da ein richtiger Kampf formlos sein kann.
ps: habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die Techniken keinen praktischen Nutzen haben sollen. Ueshiba soll zu den "Techniken angeblich gesagt haben, das man sie lernen soll um sie zu vergessen.
Warum? Was ist daran peinlich sich selbst Gedanken über die eigene KK zu machen und nicht alles gebetsmühlenartig wiederholen was der Lehrer sagt. Ab einer bestimmten Lernstufe dürfte es nicht so schlecht sein, das Gelernte kritisch zu hinterfragen und den Versuch zu starten eigene Erfahrungen zu machen.