Puh ... lange Reise! Auf gehts ;)
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Abatur
Die Wissenschaft von Gewalt, Gewalt erforschen? Wow. Aber nur für Hobbyamateure?
Mir ist egal, wie man es am Ende bezeichnen will. Aber zentraler Dreh- und Angelpunkt der Kampfkunst ist nun einmal die physische Gewalt. Das möchtest du nicht ernsthaft bestreiten?
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Abatur
Ich meine, was sagen denn die Kriegsbrichterstatter zur Gewalt oder jene die "töten müssen"? Ist das bei denen auch eine Wissenschaft?
Die sagen vermutlich mehr dazu, als es sich unsereiner jemals vorstellen kann. Ich musste schon hart schlucken, als ich im Zuge meiner Ausbildung zum ersten Mal ein Foto von einem Mordopfer gesehen habe, das mit einer Lichterkette derart stranguliert wurde, das man bis auf den Wirbelsäulenknochen schauen konnte. Ich schätze mich als relativ abgebrüht an, aber da war ich doch erstmal benommen. So etwas wird normalerweise in unseren Medien zensiert und die erste Konfrontation nur mit einem Bild(!) riss mich schon gewaltig aus meiner Comfort Zone. Da hilft dann auch ein 3. Platz im DKO German Open nicht weiter.
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Abatur
Kampfkünste waren mal "Kriegskunst".
Sehe ich anders. Kriegskunst hat mit Kampfkunst nicht allzuviel gemeinsam. In der Kriegskunst geht es um den makroskopischen Maßstab. Heer gegen Heer, und du bist der Bauer, der gezogen wird. In der Kampfkunst geht es gewissermaßen um das "One-on-One". Wie überlebst du eine relativ kleine Außeinandersetzung, die dich betrifft? Auch im alten Japan sind die Armeen schwerbewaffnet aufeinander los gestüzt und fingen nicht an, auf dem Schlachtfeld plötzlich Kumite zu machen. Kampfkunst war m.E. niemals wirklich mit der Kriegskunst verbunden, außer vlt. über einige wenige Gemeinsamkeiten und die Benutzung als allgemeine Körperertüchtigung.
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Abatur
Eine "wissenschaftliche Betrachtung" könnte man allerdings nur von außen haben.
Nein. Wissenschaft ist die Schaffung von Wissen. Mir scheint, du theoretisierst hier schon wieder zu sehr. Der Praktiker, der Auseinandersetzungen erlebt hat, weiß mehr zum Thema Gewalt als zuvor. Das ist Wissenschaft. Nicht das Nachäffen von Schlangen und Drachen, wie es die Mönche um der Kunst Willen praktiziert haben. Die hatten einfach Langeweile.
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Würde es uns der Antwort auf die Frage "hat Kampfkunst etwas mit Gewalt zu tun" näher bringen? Antwort: ja und nein. Es würde uns zunächst einmal die Geschichte und die Traditionen "erforschen" lassen, ehe wir uns den Kampfkünsten zuwenden könnten.
Come again? Den Schluss kann ich nicht nachvollziehen. Kampfkunst ist Gewalt. Das ist so, als würdest du darüber diskutieren wollen, ob Schwimmen etwas mit Wasser zu tun hat. Und nebenbei bemerkt: Tradition ist die denkbar schlechteste Informationsquelle, aus der man Wissen über Gewalt beziehen kann. Erfahrung und Verstand sind vorzuziehen. Ersteres hat kaum jemand, Letzeres glauben in Bezug zur Gewalt zu viele zu haben.
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Denn Kämpfen lernen wollen/müssen resultiert aus einer Notwendigkeit.
Oder dem Willen, es zu tun. Wer Karate macht, ohne Kämpfen lernen zu wollen, macht keine Kampfkunst sondern Sport. Du bist doch auch kein Bauer, nur weil du Rindersteaks auf den Grill haust.
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vielleicht hätte es auch genügt, den vor Schmerzen schreienden und sich in gebückter Haltung sein Bein festhaltenden "Angreifer", nicht nochmal zu treten, so daß er nun dauerhaft "gehbehindert" wäre.
Ähm ... okay?
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Das sind auch solche Dinge, die sollte man sich vorher überlegt haben. Und die sollte man auch so trainieren, weil man in so einer Situation nur noch "reagiert".
Bei echter Gewalt gibt es kein Reagieren. Das ist zu langsam. Da gibt es nur agieren.
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Reagiert man "falsch" bzw. verstößt man gegen ein Gesetz weil man übermäßig konditioniert wurde, ist man trotzdem Schuld. Ein Richter kann, muß aber nicht, sich mit der Materie auskennen und zu deinen Gunsten entscheiden. Hat der Richter keine Ahnung - was wahrscheinlicher ist -, sieht es dumm aus, auch wenn man moralisch im Recht wäre.
Praxisfernes Akademikergeschwafel. Sorry. Nenne mir einen einzigen Fall in Deutschland, wo das Opfer einer ECHTEN SV-Situation vom Richter zum Täter gemacht wurde. Noch einmal: Der Prollo in der Disco, der dich schubst weil du seiner Ische hinterher schaust, ist KEINE echte Gewalt. Mir scheint, wir reden hier von zwei verschiedenen "Gewalten". Du von sozialen Dominanzspielchen, ich vom "Assault". Mir fällt das deutsche Wort nicht ein. Ich rede nicht von Proleten, Hirarchiegeschwurbel oder Prestige. Ich rede von Mord, Raub, Vergewaltigung, Brandstiftung, Sadismus, Fetisch. Das ist Gewalt, und da gibt es keine - aber auch absolut GAR keine - Überlegung anzustellen. Du gehst volle Kanne drauf und lässt erst dann ab, wenn sich der Agressor nicht mehr rührt oder du eine sichere Gelegenheit zur Flucht hast. Alles andere ist Gelaber.
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In diesen Beispielen wäre Kampfkunst nun nicht "die Wissenschaft/die Erforschung von Gewalt" gewesen. Vielmehr wäre es "die Erforschung der eigenen Reflexe (und des eigenen Körpers) gewesen, welche einem in JEDER Lebenslage das Leben retten können.
Ich sehe keinen Bezug zur Kampfkunst. Das ist konstruiert. Der Bodenturner betreibt also auch Kampfkunst, weil er sich instinktiv sauber abrollt, wenn er sich aufs Maul legt? Nichts gegen Kenei, aber sein Buch ist typisch Japanisch: Vollgepropft mit Binsenweisheiten und wohlklingenden Märchen. Wir reden von Gewalt. Immer noch.
Soviel von mir. An der Stelle nochmal der Hinweis: Falls ich irgendwo ein wenig hitzig oder agressiv rüberkomme, ist das nicht so gemeint! Ich finde, das ist eine interessante Debatte. Möchte aber auch nicht hinter jeden Satz ein "meiner Meinung nach" klatschen. Also bitte nicht angegriffen fühlen, falls manche Dinge etwas spitz formuliert anmuten :)
lG
L.