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Thema: Was ist Achtsamkeit?

  1. #46
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    Jeder Mensch ist unterschiedlich und deswegen hat jeder seinen eigenen Zugang zu diesen Themen. Ich bin ein Kopfmensch und deswegen liegt mir das Zhong Xin Dao System, weil quasi alles intellektuell ergründbar ist. Trotzdem ist das erst der Anfang.

    Wenn ich mit Partner arbeite fokusiere ich mich zuerst auf mich und versuche dann Achtsamkeit aufzubauen und sie zu erweitern bis sie auch den Partner umfasst. Natürlich passiert es mir oft dass ich unachtsam übe, was eigentlich kontraproduktiv ist, aber es ist halt so. Ein wichtiger Aspekt für mich ist die Entspannung. Damit meine ich aber nicht "alles loslassen" sondern eine Art Gleichgewicht im Körper und im Geist. Erst durch diese Enspannung entstehen Qualitäten, die mich immer wieder in Staunen versetzen. Ein gutes Hilfsmittel ist das Lächeln. Es leitet die Entspannung ein, Geist öffnet sich und der Körper folgt. Fängt der Körper an sich anzuspannen wirkt sich das auch auf den Geist aus und man verliert die Qualität. Leider funkt mir zu oft die Intention dazwischen. zB. wenn man etwas bestimmtes vorhat ist es meistens kontraproduktiv weil es meinen Körper und Geist negativ beeinträchtigt. Wenn ich mich konzentriere dieses Gleichgewicht zu erhalten, führt es zu sehr guten Ergebnissen.

    Früher hab ich Atem-Meditation betrieben (Zen / Vipassana) aber vor ungefähr einem Jahr hat mich ein Schüler mit der Metta-Meditaion von Bhante Vimalaramsi bekannt gemacht. Das Lächeln spielt eine zentralle Rolle und vorallem darf man nicht streng zu sich sein und zu konzentriert die Dinge angehen sondern braucht eine Art "Leichtigkeit". Dieser Zugang hilft mir egal ob beim Stehen, Sitzen oder eben mit Partner.

    Ich beobachte immer wieder wie Worte in meinem Kopf entstehen und ich versuche mich davon zu lösen so dass ich Dinge betrachten kann (in mir oder auch ausserhalb) ohne sie in Worte zu fassen. Für einen Kopfmenschen wie mich ist das eine große Herausforderung. Ich betrachte auch wie mein Geist herumpendelt sich entspannt und wieder anspannt. Es ist so wie alles auf der Welt einständiger Wandel. Wenn Gefühle entstehen bin ich meist streng oder unzufrieden mit mir selbst. Dadurch das ich mir aber bewusst bin wie diese Gefühle entstehen kann ich sie recht neutral betrachten und mit einem Lächeln akzeptieren ohne mich davon zum Denken zu verleiten. Natürlich ertappe ich mich auch oft wie ich mich doch in Gedanken verliere aber das ist wohl Teil des Prozesses.

    Ich strebe nach Gleichgewicht und versuche alles zu teilen und offenherzig zu sein. Das ist wohl auch die Essenz von Zhong Xin Dao.

    PS: Vielleich können die anderen hier auch ihre Erfahrungen teilen ...

  2. #47
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    Zitat Zitat von Lubo ILC Beitrag anzeigen
    Ich beobachte immer wieder wie Worte in meinem Kopf entstehen und ich versuche mich davon zu lösen so dass ich Dinge betrachten kann (in mir oder auch ausserhalb) ohne sie in Worte zu fassen. Für einen Kopfmenschen wie mich ist das eine große Herausforderung. Ich betrachte auch wie mein Geist herumpendelt sich entspannt und wieder anspannt. Es ist so wie alles auf der Welt einständiger Wandel. Wenn Gefühle entstehen bin ich meist streng oder unzufrieden mit mir selbst. Dadurch das ich mir aber bewusst bin wie diese Gefühle entstehen kann ich sie recht neutral betrachten und mit einem Lächeln akzeptieren ohne mich davon zum Denken zu verleiten. Natürlich ertappe ich mich auch oft wie ich mich doch in Gedanken verliere aber das ist wohl Teil des Prozesses.
    Ich denke manchmal, dass der analysierende Teil von einem auch nur ein Gedanke ist und mache dann einen Schritt zurück und versuche weniger zu urteilen. Das schließt mich selber und meine Umgebung mit ein. Ich gucke zu wie eine Sache zu anderen führt, sowohl was Gefühle und Gedanken als auch äußere Umstände angeht. Wenn ich selber mit mir kritisch bin ist die Kritik ja auch nur ein Teil einer Ereigniskette, die irgendwo begonnen hat. Sachen passieren, aber so gesehen versuche ich eher die Leinwand zu sein als die Projektion, auch wenn beides letztendlich eine Einheit bildet.

    Das Geschehenlassen hat für mich weniger mit Inhalten zu tun als mit einer anderen Perspektive. Also nicht in dem Sinne, dass man so einen Zustand der Perfektion erreichen könne (ich jedenfalls nicht), sondern sich in aufkommende Gefühle nicht mehr so einmischt und sie passieren lässt. Andererseits fallen Gefühle durch Nichteinmischung scheinbar nicht mehr so heftig aus und gehen auch wieder, wenn man nicht ständig darauf herum kaut oder versucht sie zu unterdrücken. So gesehen kann dieser abstrakte Beobachter meine ich tatsächlich die Dynamik indirekt verändern ohne selber einzugreifen, weil er ein Fixpunkt für das illusorische Selbst wird. Alles ist genauso wie vorher, du greifst nicht ein, aber "du" beginnst "dich" als abstrakten Beobachter wahrzunehmen und veränderst die Dynamik. Wenn sich das illusorische Selbst dem entsprechend anpasst führt das imho auch zu Veränderungen in anderen Leuten.

    Keine Ahnung ob das Sinn macht. Ich möchte damit auch überhaupt nicht sagen, dass ich irgendwas besonderes wüsste, dass ist halt nur wie ich's für mich interpretiere. Manchmal denke ich mir dabei es wäre so oder so egal. Es ist vollkommen in Ordnung ein ganz normaler Mensch zu sein und die höchste Realität ist imho gewöhnlich, hier im jetzt. Keine Götter, keine Dämonen, keine Erleuchtung oder sowas, nur Du und ich mit einer begrenzten Zeitspanne bis das Spiel irgendwann vielleicht von vorne los geht.
    Geändert von oxox (04-09-2019 um 14:25 Uhr)

  3. #48
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    John Culadasa Yates erklärt „Achtsamkeit“ in seinem „Handbuch Meditation“ etwa so:
    Achtsamkeit ist die optimale Interaktion von Aufmerksamkeit und peripherem Gewahrsein.
    Aufmerksamkeit wiederum ist ein Aspekt des Gewahrseins, nämlich ein auf ein Objekt gerichtetes Gewahrsein.
    Auf den Sehsinn bezogen ist das so: Ich richte meinen Blick auf ein Objekt, fokussiere es; die Aufmerksamkeit ist auf dem Objekt, ich kann es in allen Einzelheiten betrachten und analysieren. Alles andere, das nicht fokussiert ist, aber mit den Augen momentan erfasst wird, liegt in der Peripherie und ist Teil des peripheren Gewahrseins. Hier sind die Objekte unscharf und können kaum erkannt werden. In jedem Moment kann ich die Aufmerksamkeit durch mehr Konzentration erhöhen und dabei in der Peripherie weniger wahrnehmen — oder umgekehrt. Je nachdem, was ich vorhabe, ist entweder stärkere Konzentration oder ein besseres peripheres Gewahrsein nützlicher. Entsprechend gilt das auch für die anderen Sinne: Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Denken.
    (Alles in eigenen Worten nach eigenem Verständnis zusammengefasst. Ich finde das Buch übrigens sehr empfehlenswert, wenn man eine ernsthafte Meditationspraxis einrichten will.)

    Ich finde, so gesehen ist klar, dass Achtsamkeit in der Kampfkunst eine wichtige Rolle spielt. Es reicht ja nicht, wenn ich dem Gegner nur aufmerksam in die Augen sehe, wenn mir dadurch seine (peripher wahrnehmbare) nächste Aktion entgeht.

  4. #49
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    Zitat Zitat von Gawan Beitrag anzeigen
    Ich finde, so gesehen ist klar, dass Achtsamkeit in der Kampfkunst eine wichtige Rolle spielt. Es reicht ja nicht, wenn ich dem Gegner nur aufmerksam in die Augen sehe, wenn mir dadurch seine (peripher wahrnehmbare) nächste Aktion entgeht.
    Für mich gibt es noch einen anderen Punkt der Aufmerksamkeit von Aufmerksamkeit unterscheidet und auch den Unterschied ausmacht zur peripherer Aufmerksamkeit. Solange die Aufmerksamkeit nicht nach innen gerichtet ist, ist sie meistens draussen. Ich denke der Spruch "Ich bin ausser mir!" bezieht sich genau darauf. Während Achtsamkeit immer ihren Urprung in uns hat (durch die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit) und sich nach aussen hin ausdehnt ohne die Verbindung nach innen (zurm Bewusstsein) zu verlieren.

    Wenn wir uns jetzt das periphere Sehen anschauen kann ich das solange nützen solange der Gegener mich nicht zwingt meine Aufmerksamkeit zu bündeln (zb mit einer Finte). Dann ist das periphere Sehen sofort fokusiert und meiner Aufmerksamkeit fängt an noch heftiger zu springen.

    Ist schwer zu erklären worauf ich hinaus möchte ohne einen Roman zu schreiben ...

  5. #50
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    Zitat Zitat von Lubo ILC Beitrag anzeigen
    …Während Achtsamkeit immer ihren Urprung in uns hat (durch die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit) und sich nach aussen hin ausdehnt ohne die Verbindung nach innen (zurm Bewusstsein) zu verlieren.
    Wenn ich mich nicht irre bezeichnet Yates das, was du hier beschreibst, als metakognitives Gewahrsein. Achtsamkeit, wie er sie versteht, ist nur die Interaktion von Aufmerksamkeit (gerichtetem Gewahrsein) und peripherem Gewahrsein. Das Gewahrsein umfasst sowohl innere als auch äußere Objekte, ebenso wie die Aufmerksamkeit, die jedoch nur einen kleinen (fokussierten) Bereich des Gewahrseins umfasst. Aufmerksamkeit ohne (Verbindung zum) Bewusstsein gibt es nicht.

    Ja, es ist schwierig…

  6. #51
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    Zitat Zitat von Gawan Beitrag anzeigen
    Aufmerksamkeit ohne (Verbindung zum) Bewusstsein gibt es nicht.
    Da bin ich anderer Meinung, bzw ich meine sich bewusst sein. Wenn man einen Film schaut ist die Aufmerksamkeit so auf das gerichtet was man sieht dass man sich selbst komplett ausser Acht lässt. Man taucht ein in das Geschehen auf der Leinwand aber in wirklichkeit sind es nur Bilder im Kopf. Das gleiche passiert auch wenn man eben die Aufmerksamkeit nach aussen richtet ohne sich bewusst zu sein was mit einem selbst passiert (zB nicht erkennt wie man selbst seine Haltung verändert). Das gleiche passiert auch bei Berührung. Ein Beispiel: Wenn man die Handgelenke des Gegenübers greift, aktiviert sich der Körper und macht sich bereit gezogen zu werden. Wenn man dann zieht ist ein gewisser Widerstand da, auch wenn der Gegenüber sich dessen gar nicht bewusst ist und erst dann aktiv anfägt selbst zu ziehen. Wenn man aber nur die Knochen greift (mit Zeigefinger und Daumen) und dann zieht ist das Resultat ganz anders.

  7. #52
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    Zitat Zitat von Gawan Beitrag anzeigen
    Aufmerksamkeit ohne (Verbindung zum) Bewusstsein gibt es nicht.
    Ich verstehe eh nicht warum hier in der Diskussion die Achtsamkeit ständig auf den gegenwärtigen Moment einer Zweikampf bezogenen Situation versucht wird zu erklären.
    Achtsamkeit hat mehrere Zeitfenster..Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

    Hier wird immer aus dem Zweikampf eine Situation konstruiert in der man achtsam sein will, dabei ist das lediglich aufmerksam.

    Achtsam ist einfach nur ein kontemplativer und meditativer Zustand den man auch morgens für die geistige und seelische Ausrichtung für die bervorstehenden Aufgabe des Tages verrichtet und auch wenn man abends das Tageswerk reflektiert.

    Es gibt ja den geflügelten Spruch: geh achtsam damit um.
    Damit ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeint.

    In einem Zweikampf zählt nur Aufmerksamkeit, das Achtsamkeitgeblubbere ist esoterischer Nonsens.

    Ich kann achtsam sein, wenn ich ein geistiges Erbe verwalte und bewahre, oder wenn ich versuche Ideale zu leben und sie ständig hinterfrage.... aber im Zweikampf eins mit allem und peripheres Sehen, da muss ich schon bisschen Schmunzeln, für mich ist das konzentrierte Aufmerksamkeit.

    ps. der aufmerksame Leser möge achtsam mit meiner Meinung umgehen.
    Geändert von Paradiso (06-09-2019 um 22:15 Uhr)

  8. #53
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    Schopenhauer stellte folgende These auf: "Der Mensch kann zwar tun, was er will. Er kann aber nicht wollen, was er will."

    Imho & relatiert: Für die Achtsamkeit brauchen wir einen freien Willen, also die Hoheitsgewalt darüber was wir beachten oder eben vernachlässigen. Wenn wir also Achtsam sind, versuchen wir das Wollen auf ein Will zu perfektionieren. Das steht im Konflikt mit dem was wir sind und zu sein scheinen. Die Achtsamkeit ist stehts eigens initiiert oder eben fremdbestimmt. Insofern ist Achtsamkeit ein Abstrakt (Wort/Zustand/Modell) wie Liebe oder Freiheit. Sobald wir Achtsamkeit erleben befinden wir uns schon in der Vergangenheit, also einem Zustand den wir nicht mehr ändern, dennoch daraus lernen, können.

  9. #54
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    Zitat Zitat von TREiBERtheDRiVER Beitrag anzeigen
    Sobald wir Achtsamkeit erleben befinden wir uns schon in der Vergangenheit, also einem Zustand den wir nicht mehr ändern, dennoch daraus lernen, können.
    Bewusstes Erleben findet in der Gegenwart statt, auch wenn die Ursache des Erlebens - aufgrund von Signallauf- und Berechnungszeiten - in der Vergangenheit liegt.
    Es geht ja letztlich um Bewusstseinsinhalte.
    Im Bewusstsein tauchen dauernd irgendwelche Inhalte auf und verschwinden wieder.
    Körperwahrnehmungen, Sinneseindrücke von außen, Gedanken, Gefühle (im Sinne von Emotionen)....
    Der übliche Umgang damit ist, an einigen haften zu bleiben und sich in Gedankenketten zu verlieren.
    Diese Gedanken führen dann von der Gegenwart weg in die Vergangenheit oder die Zukunft und/oder anderswo...
    Wenn man z.B. ein graues Haar wahrnimmt, kann man eine Gedankenkette bilden, was man denn damit nun (also in naher Zukunft) tun soll. Ob man es ausreißen soll, oder sich, falls es mehrr werden, die Haare färben. Man kann sich in Betrachtungen über Silberrücken bei Gorillas verlieren und darüber vielleicht zu Gedanken an eine Afrikareise kommen, die man geplant (Zukunft) oder schon unternommen hat (Vergangenheit).....
    Oder man überlegt sich, wie prächtig der Haarschopf in der Jugend war und wie schön die Sommer....
    In der Achtsamkeitsmethode, die ich kennengelernt habe, geht es darum, sich dieser Gedankenketten, des Abschweifens vom gegenwärtigen Erleben hin zu konstruierten Bewusstseinsinhalten bewusst zu werden: "Ich denke gerade an das Bruttoinlandsprodukt von Ghana" und damit wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren.
    Achtsamkeit => Abschweifen => Bemerken des Abschweifens => Achtsamkeit....
    Als wichtiger Aspekt kommt dann noch das "nicht werten" dazu. Also anstatt "verdammt, ich wollte doch auf meinen Atem achten, nun denke ich an die Brüste der Nachbarin", "Oh, ich denke gerade an die Brüste der Nachbarin und nun kehre ich wieder zum Atem zurück".
    Aber auch nicht: "Oh nein, ich wollte mich doch nicht ärgern, wenn ich an die Brüste der Nachbarin denke, anstatt auf den Atem zu achten" sondern: "Ich ärgere mich gerade, dass ich an die Brüste der Nachbarin denke, anstatt auf den Atem zu achten und nun kehre ich wieder zum Atem zurück"

    Diese Art der Achtsamkeit kann man sicher beim Geschirrspülen, Essen, Autofahren, Hofkehren etc. üben.
    Bei geistigen Tätigkeiten, um neue Aufgaben zu lösen stell ich mir das schwierig vor, denn da ist das Begeben in einen Gedankenkette ja Programm.
    Wenn ich überlege, was ich tun muss, damit... begebe ich mich ja gezielt in die Zukunft.
    Das Abschweifen von den gegenwärtigen Bewusstseinsinhalten ist ja eine höhere kognitive Fähigkeit.
    Insbesondere der Mensch hat die Fähigkeit zum Planen und zukünftige Ereignisse geistig vorwegzunehmen oder auch über die Vergangenheit nachzudenken.
    Dauernde Achtsamkeit kann also IMO nicht das Ziel sein, gleichwohl das Üben von Achtsamkeit die Bedeutung von Bewusstseinsinhalten relativieren kann.

    Buddha selbst lehrte, der Überlieferung nach, eine Achtsamkeitsmeditation, die darauf ausgerichtet war, die Inhalte seiner Lehre zu erkennen:

    "Ihr Bhikkhus, dies ist der Pfad, der ausschließlich zur Läuterung der Wesen führt [1], zur Überwindung von Kummer und Klagen, zum Verschwinden von Schmerz und Trauer, zum Erlangen des wahren Weges, zur Verwirklichung von Nibbāna - nämlich die vier Grundlagen der Achtsamkeit."

    3. "Was sind die vier? Ihr Bhikkhus, da verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper [2] betrachtet, eifrig, wissensklar und achtsam, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, wissensklar und achtsam, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Geist als Geist betrachtet, eifrig, wissensklar und achtsam, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, wissensklar und achtsam, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat."

    z.B. Achtsamkeit auf den Körper:

    . "Auf diese Weise verweilt er, indem er den Körper innerlich als einen Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er den Körper äußerlich [6] als einen Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er den Körper sowohl innerlich als auch äußerlich als einen Körper betrachtet. Oder er verweilt, indem er die Ursprungsfaktoren im Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er die Auflösungsfaktoren im Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er die Ursprungs- und Auflösungsfaktoren im Körper betrachtet. Oder die Achtsamkeit, daß da ein Körper vorhanden ist, ist einfach in dem Ausmaß in ihm verankert, das für bloße Vergegenwärtigung und Achtsamkeit nötig ist. Und er verweilt unabhängig, haftet an nichts in der Welt an [7]. Auf jene Weise verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet."

    Dabei geht es nicht nur um das gegenwärtige Erleben, sondern durchaus über die Reflektion von Wissen, inkl. Wertungen ("unrein"):

    "Wiederum, ihr Bhikkhus, reflektiert ein Bhikkhu systematisch über diesen seinen Körper, von den Fußsohlen aufwärts und von den Haarspitzen abwärts, wie er, von Haut umhüllt, von vielfältigen unreinen Dingen angefüllt ist: 'In diesem Körper gibt es Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Muskelfleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge, Dickdarm, Dünndarm, Mageninhalt, Kot, Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Talg, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin [10].' So als ob es einen Sack gäbe, mit Öffnungen an beiden Seiten, gefüllt mit vielfältigen Körnern, wie zum Beispiel Bergreis, rotem Reis, Bohnen, Erbsen, Hirse und weißem Reis, und ein Mann mit guten Augen würde ihn öffnen und so systematisch darüber reflektieren: 'Dies ist Bergreis, dies ist roter Reis, dies sind Bohnen, dies sind Erbsen, dies ist Hirse, dies ist weißer Reis;' genauso reflektiert ein Bhikkhu systematisch über diesen seinen Körper, wie er von vielfältigen unreinen Dingen angefüllt ist: 'In diesem Körper gibt es Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Muskelfleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge, Dickdarm, Dünndarm, Mageninhalt, Kot, Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Talg, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin

    Man begibt sich auch bewusst in die Zukunft:

    "Wiederum, ihr Bhikkhus, vergleicht ein Bhikkhu, als ob er eine Leiche sähe, die auf ein Leichenfeld geworfen wurde - von Krähen angefressen, von Habichten, Geiern, Hunden, Schakalen oder verschiedenen Arten von Würmern angefressen - so vergleicht er diesen seinen Körper damit: 'Dieser mein Körper ist von der selben Natur, so wird er sein, er kann diesem Schicksal nicht entgehen.'"
    desipere est juris gentium

  10. #55
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    Passt glaube ich zum Thema.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Mushin

  11. #56
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    Zitat Zitat von oxox Beitrag anzeigen
    Passt glaube ich zum Thema.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Mushin
    Danke oxox!

    Mushin ist sehr stark verwandt mit anderen Geisteszuständen wie Heijoshin[2], bei dem durch geistige Disziplin eine komplette Ausgeglichenheit und Harmonie verwirklicht wird.

    Weiß wer mehr über Heijoshin?

  12. #57
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    Für mich persönlich ist dieses Thema auch neu.Ich habe im Internet viel nachgeschaut. Wie ich verstanden habe, Achtsamkeit ist mehr als nur ein Modewort – sie hilft, unseren Alltag zu entschleunigen und Stress zu reduzieren.

  13. #58
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    Zitat Zitat von Lubo ILC Beitrag anzeigen
    Weiß wer mehr über Heijoshin?
    Was ich gefunden hab:

    "In der japanischen Sprache bedeutet das Wort hei flach, aber eher im Sinne von eben, unbewegt, ungestört. Das „flache“ = ruhige nicht aufgewühlte Meer wirkt sicher und ungefährlich. Und ein See ohne Wellen kann den Mond reflektieren. Heiwa bedeutet Friede, fu-hei dagegen „Nicht-Ebenheit“ und somit in etwa „Konflikt“ oder „Unzufriedenheit“.

    In den daoistisch geprägten Kulturen des Ostens wird das Fehlen aller unnötigen Bewegung, sei diese physisch oder emotional wahrnehmbar, als positiv empfunden. So wird auch für einen geistigen Zustand, bei dem vollkommene innere Ruhe herrscht das Wort hei gebraucht und in der Kampfkunst mit dem Wort jō kombiniert, welches u.a. normal, gewöhnlich, (be)ständig, ewig bedeutet. Shin wird meist mit Herz oder Geist übersetzt. Mir scheint aber das etwas antiquierte deutsche Wort „Gemüt“ besonders gut geeignet zu sein, um Heijōshin zu umschreiben, den Zustand eines Menschen der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, weil er gelernt hat klar und einfach zu denken.

    In der Kampfkunst sollen wir zunächst aus rein ökonomischen Gründen zur Einfachheit finden, in der Technik und in der Taktik, eine Haltung, die sich später auf das gesamte Leben überträgt. Mit „einfach“ ist hier jedoch nicht „beschränkt“ gemeint, sondern es geht eher um den Abbau geistiger Beschränkungen, wodurch erst das Einfache in der Natur erkannt und aus weniger mehr werden kann."

    Das würde in gewisser Weise Zhong Xin Dao beschreiben, wenn man statt flach neutral oder ausgewogen nehmen würde.
    Ich bin auch davon überzeugt daß alle Kampfkünste dieses Ziel verfolgen, auch wenn sie es nicht explizit so beschreiben und auch wenn die Wege zu diesem Ziel sehr unterschiedlich sind. Techniken sind mMn ja da nicht um möglichst viele davon zu können sondern um durch das studieren dieser den gemeinsamen Nenner zu finden und um die "Natur zu erkennen"...

    Und dafür ist Achtsamkeit notwendig.

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