Hallo Peter Lubok alles was Du hier sagst trifft nur auf Dein Dojo und evtl Deinen Trainer zu (und auf viele andere die Du wahrscheinlich nicht kennengelernt hast). Es gibt hunderte von Stilrichtungen und tausende von Dojos. Aus dieser Palette muss man sich doch nur raussuchen was einen gefällt und welche der vielen möglichen Ziele man erreichen will.
Als jemand der seit 1977 aktiv KS/KK/SV betreibt möchte ich zu Deinen einzelnen Punkten was sagen:

1. Sind die Kata wirklich so beschnitten? Seit über 70 Jahren haben sich die Kata (Shotokan/ Wado Ryu) eigentlich im Wesentlichen nicht geändert. Das Bukai auch nicht! Aber hier gibt es verschiedene Stufen. Es gibt für die einzelnen Kombinationen reichlich sinnige und leider auch unsinnige Erklärungen. Klar es ist Mode mal hier und da was anderes zu machen. Aber im Kern haben sich die Kata nicht verändert. Man muß auch nicht jede Mode mitmachen. Dafür muß man allerdings schon erheblich weiter sein als Du.
Dadurch, dass ich auch noch andere KK/KS betreibe und auch viele Lehrgänge in anderen Stilrichtungen und KK/KS besuche, habe ich ein wesentlich weiteres Verständnis für das möglich Bunkai erhalten. Ich hatte z.B. auf einem Muay Boran/ Krabbi Krabong Lehrgang Techniken trainiert, bei denen ich feststellte, das diese ein mögliches Bunkai für die Meikyo sind. Gleiches ist mir schön öfter beim Modern Arnis/ Kombatan passiert. Es gibt hochinteressante Videos zum Bunkai, die sehr realistisch sind z.B. die von Iain Abernethy (Iain Abernethy is one of the leading exponents of applied karate, Bunkai and Kata). Auch Rick Clark macht ein sehr interessantes Bunkai (der kommt jetzt wieder für eine Tour nach Deutschland; Home). Die Kata als solches ist nicht schlecht oder sinnlos. Wird Kata ohne Bunkai und Bunkaiverständnis vertrieben kann man es allerdings auch lassen.

2. Kumite und SV schließen sich nicht aus. Allerdings hat ein Wettkampfsystem wenig SV wert. Warum? Im sportlichen Wettkampf muss ich mich an Regeln halten, die es auf der Straße nicht gibt. Als Schlagwort möchte ich nur mal Pointfighting nennen. Ich finde es erschreckend wie viele Karateka einen Schwinger, Haken oder Ellenbogenschlag nicht abwehren können. Auch haben viele Probleme mit der Nahdistanz. Aber es gibt auch reichlich Schulen und Stile die das Thema SV gut behandeln. Die Leute vom AKS (American Karate System) [www.aks-germany] widmen sich dem Thema sogar sehr realistisch und intensiv.

3. Zum Thema Ki müsste ich jetzt zu weit ausholen. Es sei aber kurz gesagt, es gibt Sachen die man nicht sieht aber trotzdem bei intensivem Training vorhanden sind. Nicht nur im Karate!

4. Reduzierung de Technikanzahl ist auch ein reines Dojo/ Trainerproblem. Es gibt unzählige Hand und Fußtechniken, Hebel und Würfe im Karate, auch im Shotokan. Hebel müssen aber wesentlich exakter ausgeführt werden als Hand oder Fußtechniken damit sie funktionieren. Mit grade 2 Jahren bist Du gerade erst am Anfang. Im Karate wird mehr Wert auf Qualität gelegt als auf Quantität.

5. Ein Gi ist eine praktische und günstige Trainingskleidung. Reiß mal an einem T-Shirt im Nahkampf, das ist sofort zerrissen. Eine Trainingsuniform haben die meisten KK/KS. Zum Thema Gürtel schau mal hier nach: http://www.kampfkunst-board.info/for...h-macht-96399/


Ich persönlich halte ein Cross-over Training für sehr wichtig, sobald man die Grundlagen eines Systems ansatzweise verstanden hat. Neben traditionellen Karate kann man sehr gut Taekwon Do und/ oder Kickboxen trainieren. Ich trainiere jetzt neben Karate seit über 10 Jahren Modern Arnis/ Kombatan. Das sollte man allerdings erst machen wenn man schon einige Zeit Karate betrieben hat.
Geh auf Lehrgänge, trainiere als Gast in anderen Dojo/ Schulen mit. Bleib nicht nur in Deinem Verein oder Verband kleben.
Karate kann so vielfältig sein!