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Simplicius,

hm, bemühen wir wie hier üblich doch die Experten:
Das war jetzt wohl ein Witz. Eventuell hast Du bemerkt, dass ich Verständnis in "" gesetzt habe.
Es ist ein Unterschied, ob ich einem Vergewaltigungsopfer sage, "ich verstehe Dich" oder ob ich das zu meinem Professor sage.

Zitat Zitat von MCFly Beitrag anzeigen
Ich weiß nicht, wie du "emotionalen Kontakt" auslegst, aber ich brauche mich nicht emotional in eine Situation einzufinden, um deren Sachverhalt zu begreifen.

Beispiel aus der Praxis: Ich arbeite im Bereich der Schadenregulierung eines Versicherungsunternehmens. Es hilft wenig, mit einem Kunden, dessen Haus gerade abgebrannt ist, wehzuklagen oder bei einer Kulanzablehnung seinem Bedauern Ausdruck zu verleihen. Man nimmt so nur Arbeit mit nach Hause, das belastet und hilft weder Kunden, noch Arbeitgeber, noch dir selbst. Trotzdem lassen sich verschiedene Positionen verstehen/nachvollziehen, dafür muss ich mich aber nicht mit Einzelheiten identifizieren.
Von meiner Versicherung erwarte ich auch keine Diskussion über meine Gefühle, sondern eben Schadensregulierung.
Auch von einem Anwalt erwarte ich, dass er die Gesetze bestmöglichst zu meinen Gunsten auslegt.
Davon ab ist es allerdings gut, wenn der Mensch mit dem abgebrannten Haus oder das Vergewaltigungsopfer jemand hat, der ihm Empathie gibt.
Das heißt nicht, dass man gemeinsam ein Klagelied anstimmt, sondern dass man dem anderen Raum gibt, seine Gefühle zu äußern und ihm ein Feedback über diese Gefühle gibt.
Dazu muss man sich selbst emotional öffenen, um die Gefühle des anderen erkennen zu können (das kann fast jeder Mensch).
Und vor allem ohne ungebetene Ratschläge.
Ein Mann kann nicht verstandesgemäß nachvollziehen, wie sich eine Frau nach einer Vergewaltigung fühlt. Aber er kann eventuell Ihre Gefühle direkt wahrnehmen.



Zitat Zitat von MCFly Beitrag anzeigen
Ich bezog mich mit meiner Ausführung aber gerade auf das Extremverhalten, in denen andere quasi mit Betroffenen "um die Wette leiden", weil sie das alles ja "so nachempfinden können". Obwohl die Misere bisher nie selbst erlebt oder begleitet wurde. So etwas kotzt mich an. Findet man aber immer wieder. Das sind die Menschen, die sich meist versuchen, auf Kosten anderer in den Vordergrund zu drängen bzw. anzubiedern. Je nach Situation ist das ziemlich pervers, denn wenn es dann um wirkliche Hilfestellungen geht, ziehen solche Menschen schnell den Kopf ein. Es ist nicht umsonst oftmals von Vorteil, bei sensiblen Bereichen neutrale, dritte Meinungen vorzuziehen...
Empathie hat eben IMO weniger damit zu tun, sich vorzustellen, wie man sich selbst in der entsprechenden Situation fühlte, sondern wahrzunehmen, wie sich der andere fühlt.
Gbit ja genug Leute, die einem Depressiven sagen "stell Dich nicht so an" nur weil sie nicht nachvollziehen können, warum der in einer sachlich nicht sonderlich üblen Situation niedergeschlagen und antriebslos ist.
Es gibt aus dieser Sicht zwei Arten von Hilfe:
die auf der Sachebene, um eben Handlungsoptionen zu anzubieten bzw. Schaden zu regulieren oder abzuwenden.
Und die auf der emotionalen Ebene, wo man dem anderen einen Raum gibt, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen bzw. diese Gefühle überhaupt zuzulassen.