Ferdi, beim Messerkampf ist die Waffe per se potentiell tödlich, eine Werbung dahingehend zu gestalten, dass man es beim Messerkampf ernst meint, ist demnach unnötig.
Die Geisteshaltung, die nötig ist, um in solch einer Situation ruhig zu bleiben (darum geht es nämlich, Ruhe und Übersicht), erlangt man auch nicht unbedingt durch "Killertraining", vielmehr durch die Umgebung und die Erfahrungen, die eine geprägt haben und evtl. immer noch prägen.
Und doch, es geht beim Fechten mit der Klinge prinzipiell um die Bewegungskunst (natürlich gibt es auch spezielle Methodiken, um den Fokus entsprechend zu trainieren; das führt hier aber zu weit). Fokusierts Du Dich hauptsächlich auf die Präzision, auf die Sache als solche, dann bleibt Dein Geist im Gleichgewicht; der Wille, zu treffen und nicht getroffen zu werden, wird geschult. Du bist frei von Verkrampfungen, frei von Ängsten. Das ist der Weg.
Oder anders:
Eure Werbung ist härter als meine, da ich ja gar keine mache. Euer Slogan ist martialisch, ich propagiere lediglich die Liebe zur Kunst. Folgt man Deiner obigen Argumentation, müsstest Du richtig trainieren, ich falsch; Du müsstest mit dem Messer demnach besser sein als ich, gefährlicher, tödlicher ... ich bin mir da nicht so sicher, Ferdi. Ehrlich gesagt, glaube ich, dass das nicht ansatzweise zutrifft.
Der Slogan ist aber trotzdem gut! Gut, um damit Geld zu verdienen; gut, um damit ein ganz gewisses Zielpublikum anzuziehen.
Es ist aber nie der Slogan, der Qualität ausmacht, es ist das Können, es ist die innere Haltung; und diese darf nicht in Wallung geraten, sie muss stets ruhig und ausgeglichen bleiben.
Wir dürfen unsere Kinder - und auch unserer Schüler! - nicht zur Angst erziehen, Ferdi, wir müssen sie couragiert erziehen. Paranoia führt zu nichts, außer zu Unsicherheit, zu Schwäche. Kraft liegt eben in der Seelenruhe.
LG,
R.




