Zitat Zitat von simplicius Beitrag anzeigen
Bei dem Stock könnte eventuell eine Rotation um die Längsachse stattfinden.
(Ich glaube auch nicht, dass die alle drücken, sondern eventuell nur versuchen, den Stock festzuhalten.)
Der Stab rotiert nicht um die Längsachse.
Sie drücken, und zwar fest.
Sie drücken im Winkel von 90° zum Stab.

In dem Interview wurde allerdings gesagt, dass sich die Männer mit dem Bauch auf den Arm gelegt haben. ...
Und dann brauch ich Kraft.
Nein.

Es funktioniert anders. Beides. Wenn ebrenndouar schreibt, daß die Kraft "verschwand" ist das aus meiner Sicht ein deutlicher Hinweis darauf, was Ueshiba da tut.

Zitat Zitat von Terao Beitrag anzeigen
Auch (bzw. gerade) eine besondere Einheit in Japan weiß, wie man sich gegenüber einem Älteren mit hohem Status benimmt. Das ist denen so selbstverständlich, dass sie das nichtmal äußern könnten, wenn sie es wollten.
Jain. Natürlich hast du völlig recht - im Prinzip. Das Austesten eines Ausbilders, wie es im Fall von Ueshiba beschrieben ist, ist aber wohl tatsächlich nicht unüblich gewesen. Wie sich beides "sozial- bzw. hierarchie-verträglich" zusammengefügt hat, kann ich dir nicht sagen. Und ich selber war natürlich nicht dabei.

Mir haben drei Erfahrungen geholfen, das Phänomen nachzuvollziehen. Beide sind vollkommen subjektiv und nicht pe se aussagekräftig. Mir aber machen sie die Berichte plausibler:
1. Meine eigenen Erfahrungen bei des Bundeswehr. Es ging andauernd darum, bestimmte Vorgesetzte dranzukriegen. Natürlich nicht, sie zu vermöbeln. Aber sie auf dem Gebiet ihrer eigenen Kompetenz zu "schlagen".

2. In den Seminaren zu Selbstschutz und Eigensicherung, die ich über ein paar Jahre - in einem völlig zivilen Rahmen, in dem ich aber zumeist der "Ranghöchste" bin und zudem eine Vorstandnahe Stelle habe - gegeben habe, ist immer präzise eine Person, die versucht den Referenten, also mich, zu testen mit dem festen Ziel mir zu zeigen, daß die von mir gezeigten Techniken nicht funktionieren. Immer. Wenn man es zuläßt kristallisiert sich daran zuverlässig eine Gruppe von TeilnehmerInnen, die dieses Ziel dann gemeinsam verfolgt. Mit ein bißchen Erfahrung kann man den "Tester" schon in der Einführungsphase erkennen und direkt bei den ersten Techniken überzeugen, noch bevor er selber weiß, daß er mich eigentlich austesten wollte. Gelingt das, wird er zum "Jünger" und "Missionar". Fast immer.
So oder so: Der Referent muß seinen Stoff "beweisen". Körperlich, technisch.

3. Schließlich eine Erfahrung, die vielleicht am nächsten dran ist an der Ausgangssituation: Die Hierarchie in der Britischen Armee ist - oder war jedenfalls Mitte der 80er als ich es erlebt habe - sehr klar und deutlich. So haben die Offiziere ihren Stock nicht nur als Rangabzeichen spazieren getragen, sondern sie haben ihn auch aktiv, ganz offen und gar nicht so selten an den Manschaftsgraden benutzt. Das Schlagen war keine Strafe sondern eher eine spezifische Form der Kommunikation gewissermaßen. (Ich war gottfroh, daß ich nicht nur in einer anderen Armee war, sondern daß außerdem ein Zaun zwischen denen und uns war. Das wäre definitiv nicht meine Welt gewesen. Und da ist bzw. war damals jedenfalls eine Freiwilligenarmee. Ich hab es nicht verstanden.)
Nichtsdestotrotz gab es definierte Settings, in denen die Hierarchie in dieser Hinsicht aufgehoben war: Beim Fußball z.b.. Oder eben - und das ist mein eigentlicher Punkt - im Rahmen der Nahkampfausbildung. (Es waren Nordirlandeinheiten, die bei uns nebenan ihre Zeit nach- und vorbereitet haben.) Die Ausbilder/Vorgesetzten haben sehr ähnlich dem, was Ueshiba beschreibt, dazu aufgefordert, sie anzugreifen und "fertig zu machen".
Ich habe damals noch längst kein aikidô geübt. Aber ich habe die Gesamtsituation später dann in den Schilderungen Ueshibas "wiedererkannt".