Zum einen bestanden tatsächlich immer gewisse "Regeln" wenn es um sog. Herausforderungen ging: Entweder wurde verabredet, daß nicht geschlagen wird oder man einen Schlag anhälte (Duelle mit bokuto wurden auf der untersten Eskalationsstufe so durchgeführt.) Oder es war tatsächlich so, daß man ein bestimmtes Setting vereinbarte ("Greif mal hier, mach mal so und probier mal ..."), in dem dann der so Herausgeforderte zeigte, daß er mit dem Herausforderer umgehen konnte. Das klingt in Zeiten von Käfigkäpfen ein bißchen luschig. Es ging ja aber bei diesen Herausforderungen nicht darum, den jeweils anderen zu "zerstören", sondern der Herausforderer wollte erleben, erfahren, ob was der Herausgeforderte in seinem Job als Lehrer einer KK taugt. Und entweder wieder gesund mit allen Armen dran nach Hause gehen und verbreiten, daß man den Scharlatan einfach umschubsen kann. Oder aber auf die noch brauchbaren Knie sinken und im Besitz aller Zähne und ohne geschwollene Lippe sagen können: "Meister, ich möchte dein Schüler werden! Bitte zeig mir, wie das geht, was du grad gemacht hast ... und was man dann damit anfangen kann."
Zumeist wurden diese Regeln vorher ausrücklich vereinbart und die Herausforderungen endeten nicht mit abben Köpfen und durchen Ellenbogen, sondern waren eher so etwas wie ein "symbolisches" Kämpfen, in dem aber die charakteristischen Fähigkeiten des Herausgeforderten deutlich werden mußten.
Vor diesem Hintergrund sind zwei Dinge spannend:
Zum einen geht das Verbot von Wettkämpfen im aikidô durch Ueshiba auf ein Ereignis zurück bei sich ein Herausforderer die Schulter so stark verletzt hat, daß er nicht länger budô üben konnte. Er hatte Ueshiba angegriffen, der war ausgewichen und der Angreifer war in die Wand geknallt.
Der Bericht dazu findet sich in irgendeiner der Print-Ausgaben von Stans Aikido Journal. Jedesmal wenn ich drauf zu sprechen komme, nehme ich mir vor, das endlich mal rauszusuchen, damit ich es belgen kann. Jedesmal komm ich drüber hin ...
Interessanter noch aber ist Ueshibas Aufforderung an Shioda, als der ihn herausfordert und fragt, was er machen soll. "Greif mich an, wie du magst.". Klingt, für uns, die wir mit K1 aufgewachsen sind, banal logisch. War aber im damaligen Kontext eine echte Aussage. Und bei der Herausforderung durch Tenryû war's z.B. nicht so.
Ansonsten ist das Setting Ganz-viele-greifen-einen-Ueshiba-an ein für ihn ganz typisches gewesen. Das gibt es in unzähligen Variationen in seinem Üben. Die Angriefer mit verschiedenen Waffen (Bajonet, Stab, Speer, Schwert) oder - wie hier in diesem Video - waffenlos.
Das war also zum einen sicher keine Massenschlägerei.
Zum anderen war die Truppe, die er da unterrichtet hat wohl eine etwas besondere Einheit. Also wollte sie wohl auch wissen, was er drauf hat.
Und Ueshiba hat genau diese Siutation als einen grundlegenden Aspekt seines Übens verstanden.
Die Richtung, in der gedrückt wird, verläut senkrecht zur Achse des Arms. Der wird gern auch noch durch einen Stab verlängert, an dem die Leute drücken können.2.Sechs Männer auf dem ausgestreckten Arm -> Typische Aiki-Übung die davon ausgeht das alle in eine bestimmte vorhersagbare Richtung drücken. Daran finde ich jetzt nicht mystisches.
Hier sieht man diese Übung. Es sind zwar keine sechs, aber ich finde immer wieder, daß es schlicht unmöglich aussieht.
Ich habe allerdings inzwischen auch eine Ahnung, wie das funktioniert, auch wenn ich es selber noch lange nicht reproduzieren kann. Es hat aber jedenfalls eher nichts mit der Richtung zu tun, in der gedrückt wird.
Ist das nicht eine Geschichte, die sich im Rahmen der Besiedelung von Shirataki zugetragen haben soll?3. ... Wenn wir jetzt davon ausgehen das das sieben ältere Männer waren, vllt schon von Gefangenschaft und Hunger gepeinigt ...
Das ist das Problem, wir hören von der großen Tat, aber nicht von den Umständen.
Soweit ich weiß, waren die Siedler, die Ueshiba angeführt hat, junge Männer bis hin zu solchen im sog. "besten Alter". Die sollten da ja aus dem Nix die japanische Zivilsation aufbauen. Das war eher kein Ressort für Alte und Versehrte. Was aber dennoch möglich ist, daß Ueshiba als Anführer öfter bzw. mehr gegessen haben mag, als die anderen. Obwohl die Berichte über sein Leben in der Zeit das nicht andeuten.
Bzw. wir verstehen manches an der Erzählung dieser Legenden nicht mehr oder grundlegend falsch.Ich denke mal das sich solche Legenden halt gut aufbauen wenn man bestimmte Details weglässt.
Für mich persönlich war es damals völlig überraschend, als mir klar wurde, daß Herausforderungen nach Regeln ablaufen die - zunächst jedenfalls - darauf ausgelegt sind, daß möglichst keiner verletzt wird. Und die oft auch nur eng umrissene Formen des Austestens zugelassen haben. Und daß sie vom Grundgedanken her so verstanden wurden, daß der Herausgeforderte seine Fähigkeiten optimal zeigen kann.
Danach habe ich viele Berichte ganz neu lesen können.





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