Zitat Zitat von ebrenndouar Beitrag anzeigen
"Inneres Training" hat nicht zur Folge, dass man ein böses, wildes Tier wird oder ähnlicher Unsinn. Wovon du da redest, sind deine persönlichen "Irrungen und Wirrungen", wie du es selbst ausgedrückt hast.
Liess doch noch mal selbst was ich wirklich geschrieben habe. Was Du da hineininterpretierst ist Dein Bier, ich habe nichts von wildem bösem Tier geschrieben. Ich wage anzudeuten, dass die Kräfte die man - langsam, oder auch schlagartig wenn in Gefahr - auch (in Ermangelung von Leuten die auf einen schiessen wollen oder mit Handgranaten werfen) mit Übungen über einen längeren Zeitraum erwerben kann, keine kosmischen Himmelskräfte freisetzen, sondern schlicht auf Elemente des Körpers zurückgreifen, die aufgrund unserer Eigenschaft als Säugetiere aus der Ordnung der Primaten noch übrig sind, evolutionsbiologisch aber in den Hintergrund traten. Sonst hätte das jeder immer. Viele Menschen entwickeln in besonderen Situationen enorme Kräfte, einerseits wenn in Lebensgefahr, andererseits auch wenn soziale Sicherungen komplett ausgeschaltet werden. Sie haben nur im normalen Leben kaum oder keinen Zugang dazu. Den erwirbt man langsam durch Übungen, aber vom ersten Auftreten bis dass es ein Teil der allgemeinen Bewegungssteuerung aus dem Unterbewusstsein wird ist es auch ein Weg. Ein Bekannter von mir der im Bereich der Humanbiologie tätig ist meint, dass chemische Inhibitoren ausgeschaltet werden (im Sinne von nicht ausgeschüttet) die die Muskelkonraktion zur Vermeidung von Schäden und Energieoptimierung verlangsamen. Das passiert auf einer so tiefen Ebene dass man das willentlich erstmal nicht schafft, sowas braucht längere Zeit dass sich das Gehirn da was ausdenkt, genau so wie beim Laufen lernen. Soviel zum "tierischen" Hintergrund, der ohne kosmische Kräfte für den von den Göttern Erwählten auskommt.

Nur - das ist nichts, was dann knopfdrucktechnisch immer nur dann kommt wenn man möchte, und es in irgendwelche romantischen Vorstellungen passt. Wörtlich aus dem chinesischen übersetzt basiert das auf "der Kraft sich zu wehren" (Peng Jin). Es ist erstmal ursächlich gebunden an Empfindungen die was mit Gefahr zu tun haben. Beim Raubtier will es sich seine Nahrung erschliessen, beim Fluchttier möchte es weg vom Bösen koste es was es wolle. Solche Fähigkeiten stehen dann nicht wertfrei im Raum, die sind gebunden an Empfindungen. Und wenn man nicht glücklich ist, sorgenfrei aufgewachsen und nie mit Unfairness oder gar Bösartigkeit in Berührung gekommen zu sein, dann greifen Unmutsempfindungen dann auch plötzlich auf diese neu gewonnenen Fähigkeiten zu. Und das wird brenzlig, wenn man nicht lernt damit umzugehen, und mit seinen Unmutsempfindungen höchst friedfertig umzugehen. Nicht mehr und nicht weniger.

Es wird leider in einigen Kreisen zelebriert, dass man ja der Samurai oder Krieger sein muss damit man "wirklich" solche Fertigkeiten erwirbt. Nur, wenn man das tut, dann passiert es schon mal dass da auf einmal einer liegt. Die Wirklichkeit interessiert es nicht ob man das eigentlich nicht wollte. Aus dem Grund möchte ich vorher darauf hinweisen, dass der Punkt kommt an dem man sich damit auseinandersetzen muss. Denn, das ist was ich persönlich erlebt habe - es GEHT diese enorme Steigerung der Körperkraft zu enwickeln. Man wird dabei nur nicht von alleine zum friedfertigen Budoweisen der zärtlich immer nur seinen Bart streicht. Das ist einfach ein Mechanismus der dann da ist, und wenn man einem vor Wut vor den Kopf kloppt, oder auch einfach nur weil einen in der Kneipe ein Idiot anspringt, dann hat das die Wirkung die diese erheblich gesteigerte Körperkraft nun mal hinterlässt. Wenn ich jemanden wunderschön destabilisiere, und perfekt auf den Kopf werfe, und dabei mit doppelt so viel PS wie sonst beschleunige, dann tut das nicht nur ein bischen weh. Der steht nicht mehr auf. Und sowas muss man vorher wissen, und sich damit beschäftigen, nicht wenn es passiert ist.

Darum habe ich auf die "2. Komponente" hingewiesen, die Spiritualität. Das ist das, was solche Impulse dann reguliert. Oder schon mal den Ausknopf drückt, wenn man dabei ist vermeidbares zu tun. Das ist nur etwas das man tun muss, das kommt nicht von alleine. Manche chinesischen Bodyguard-Typen waren, wenn man sich deren Bilder mal ansieht, ziemlich kaputte Knochenbrecher, denen es quasi völlig egal war was mit dem passiert den man vor die Wand knallt. Meine Erfahrung ist, dass das keinen Spass macht, und das eigene Leben sich dann nicht mehr schön anfühlt. Aber sich damit auseinanderzusetzen warum man sowas tun möchte ist keine Kleinigkeit. Und das sollte man eher früher als später anfangen. Die Spiritualität, bzw. Elemente des Geistes, packen dann zu dieser reinen Kraftkomponente auch das eine oder andere an abgefahren "feinsinnigen" Steuerungsfähigkeiten dazu.


Ach so, es ist übrigens eine Beobachtung von Mike Sigman, einem halbwegs etablierten "Guru" der IMA-Szene für Fähigkeiten der inneren Kraft. Der mit seinen Erklärungen auch schon mal ein bischen kreativ umgeht, und sie relativiert wenn er was neues entdeckt. Der hat seinen Weg in der "Forschung" zu dem Thema der ihn letztendlich zu Chen Xiao Wang geführt hat deshalb angefangen, weil ihm aufgefallen ist dass viele Aikidokas eben diese Art Kraft nicht haben, aber einige schon. Bei diesen Aikidokas ist er dem Phänomen auch das erste Mal begegnet, also dass einige wenige davon ihn rumschubsen konnten wie ein Kind obwohl er nicht wirklich schwach gebaut ist. Viele andere aber nicht. Um das zu erklären ist er dem dann nachgegangen und bei Leuten aus dem Taijiquan-Umfeld gelandet, wo er aber das gleiche Phänomen angetroffen hat - viele können es nicht, wenige doch. Warum das so ist, da hat er sich dann ein Modell namens "Faszienanzug" überlegt, ob der Teil des biologischen Systems ist das dahinter steht, lasse ich mal dahingestellt, das ist einfach sehr komplex.