@ T.M.
Stichwort "Dynamik" und "Variabilität":
Die "Dynamik", wenn man es so nennen möchte, ist im Ving Tsun eine völlig andere, als im Boxen. Beine und Wirbelsäule sind im VT eher statisch, um die durchaus dynamischen, Aktionen der Arme optimal zu supporten.
Wie ich schonmal sagte, ist Ving Tsun ein sehr technischer Stil, aber komplex sind die Bewegungen auch nicht und die Dynamik ist im Sparring/ Kampf eine, m.M.n. andere, den Körper in seiner Gesamtheit einnehmende Dynamik, wo dann auch z.B. nichtmehr "serviert" oder "eingefroren" in verdrehter Position verharrt wird, sonderen sich ständig bewegt, rein, raus, viele verschiedene Aktionen...dynamisch eben.
Hier:
Und hier:
Im direkten Vergleich, unter dem Aspekt der Dynamik, finde ich schon eine "Verlagerung" der Dynamik vom ganzen Körper (Boxen) hin zu den Armen (Ving Tsun) zu erkennen.
Das geht übrigens auch Hand in Hand mit der "Variabilität", dem Repertoire, der allgemeinen Strategie des Stils. Ving Tsun arbeitet nunmal mit den Mitteln des Trappings, der Gleichzeitigkeit, wo 2 Arme (2 Aktionen) auf einen Angriff des Gegners kommen um den Weg für den einen trainierten Angriff, dem geraden Fauststoß, frei zu machen.
Im Boxen hingegen will man die Deckung öffnen durch variable Schlagweise, um die Abwehr herrum schlagen, vielfältig auf lange und kurze Distanz.
Stichwort "Deckung":
Vermutlich reden wir hier etwas aneinander vorbei, aber eine "Deckung" existiert im Ving Tsun eigentlich nicht. Weder Man-Sao, noch Wu-Sao erfüllen diesen Zweck, sondern, gemäß der Strategie, den Angriff einzuleitzen, die Angriffe zu kontern. Das soll ja den Schutz bieten, oder eben durch Schrittarbeit die Distanz vergrößern um neue Möglichkeiten für "Plan A" zu finden.
"Deckung", wie im Boxen, mit Schlaghand und Führhand, Doppeldeckung, Schulterdeckung, usw. gibt es nicht. Auch keine Meidbewegungen, kein Ducken. Einzige Defensivmaßnahmen im Ving Tsun sind Schritte....Biu Tze Methoden gehen m.M.n. eher in Richtung Paraden, also ganz klassisch Ving Tsun, nur ohne den gleichzeitigen Gegenangriff.
Stichwort "Didaktik":
Die "Isolation" wie du es nennst, ich sprach von "Abstraktion", geht halt extrem weit, so weit, dass es m.M.n. schon kontraproduktiv wird. Z.B. der Trainingsstand in SLT oder beim Chi-Sao. Der Tan-Sao, Fook-Sao, Poon-Sao generell. Ich lerne quasi A um B zu verbessern oder zu entwickeln. A mag zwar in diesem Fall ein kleiner, wichtiger Aspekt von B sein, nur ist es didaktisch eben wesentlich besser gleich B zu Üben, zumal wir hier nicht von furchtbar komplexen Bewegungen sprechen.
Mir fallen auf Anhieb diverse Aufbauübungen für komplexe Bewegungen wie z.B. Salto oder Flik-Flak ein, oder um beim Kampfsport zu bleiben gesprungene und eingedrehte Highkicks, aber Aufbauübungen für Jut-Sao Fauststoß? Für den Stand und die Schritte? Man sollte dem geneigten Schüler wohl derart koordinative Fähigkeiten zutrauen, um das gebacken zu bekommen.
Schon damals kam mir der Trainingsaufbau vor wie "Training for Dummys", was jetzt negativer klingt als es gemeint ist. Das ist ja sicher auch ein traditioneller Aspekt dieser KK und macht u.U. auch die Faszination aus.
Stichwort: "Trainingsaufwand"
So einfach ist es dann leider nicht. Diese Behauptung unterstellt leider auch jedem, der Ving Tsun im WK nicht anwenden konnte (egal ob Sieg oder Niederlage) mangelnden Einsatz oder nicht entsprechend der Anforderungen eines WKs trainiert zu haben. Ziehmlich unwahrscheinlich, oder nicht?
Ausserdem ist es für einen stark spezialisierten Stil wie Ving Tsun eben schwer einen Übergang zu stiloffenen WKs zu finden, auf Grund der Spezialisierung. So wie z.B. Sumo, TKD, oder auch Ringen seine Nische haben, so sollte auch Ving Tsun eine interne WK-Nische schaffen.
Für Faustkampf, DM und LS...ich fänds megageil!
Ansonsten, die "Diskrepanzen" die ich hier anspreche, sind ja nicht an den Haaren herbeigezogen. Man beobachtet sie leider bei jedem einzelnen Versuch, Ving Tsun "auf die Matte zu bringen". Elemente die den Stil auszeichen, so, wie er in den diversen Trainingsclips gezeigt wird, tauchen dann nichtmehr auf, das ist das Problem!
In stilinternen WKs könnten all diese Elemente auf WK-Niveau erhalten und gepflegt werden, dazu die Waffen etablieren...naja, nur so ne kleine Fantasie von mir.






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