Hallo zusammen!
"Angriff eines Messertäters" hat bei uns im Schießtraining einen sehr hohen Stellenwert.
Den Trainierenden versuche ich auf der Schießbahn mit "scharfen"- sowie in Trainingsräumen etc. mit FX- (Farbmarkierung) als auch mit nichtschussfähigen (Trainings)waffen zu vermitteln dass sie sich bei einem Szenario (Messertäter stürmt plötzlich auf sie zu)
bei Möglichkeit immer zu bewegen haben und gleichzeitig die Waffe dem Holster entnehmen und auf den Täter richten sollen.
Gerade bei den Trainings in normalen Wohnräumen, wobei die Koll. nicht wissen wie sich der Rollenspieler gemäß im Vorfeld gegebener Anweisungen verhält, gestaltet sich dies aber als sehr schwierig adäquat -wie oben beschrieben- zu reagieren.
Ein plötzlicher Griff zum im Hosenbund verstecktem Messer gekoppelt mit nach vorne stürmen auf die Einsatzkräfte aus im Schnitt 3-4m kann ohne Verletzungen zu 99% nicht bewältigt werden. Das ist in diesem Fred auch schon besprochen worden.
Zudem kommt noch dass die benutzte "mannstoppende" Munition eben nicht unbedingt mannstoppend wirkt, landet man nicht sofort letale oder in der Körpermechanik einschränkende Treffer. Nicht selten verstarb ein adrenalingeschwängerter Täter erst einige Zeit nach x Schussabgaben an seinen Verletzungen. Auf genaue Zahlen möchte ich hier nicht näher eingehen!
2011 hatte ich die Möglichkeit mit F. Lahner zu trainieren. Es wurde bei diesem Seminar auf genau dieses Thema eingegangen. Habe ich keine Möglichkeit auszuweichen oder fehlt schlicht die benötigte Zeit dazu, rät Lahner den nichtwaffenführenden Arm dazu zu nutzen, den Kopf/Hals/Oberkörperbereich zu schützen (ähnlich Notblock), gleichzeitig die Waffenseite weit nach hinten zu drehen, die Waffe zu ziehen und die nötige Anzahl an Schüssen abzugeben bis der Angriff "beendet" erscheint. Schussabgabe etwas nach unten versetzt um nicht seinen eigenen Ellenbogen zu treffen

Dies zur Theorie!
Das wurde dann aber auch bis zum Erbrechen trainiert und letztendlich für gut befunden! Aber wie gesagt, ohne schwere Verletzungen (oberer Kopfbereich, Hand, Arm) beim entschlossenen Messertäter eigentlich nicht mach-, aber überlebbar

Einfach mal bei YouTube Florian Lahner eintippen und suchen. Die hier beschriebene Vorgehensweise kann man dort bei dem ein oder anderen Video in Aktion sehen!
Auch wurde beim Thema Messer auf waffenlose Techniken eingegangen. Im 3er Team sollte u.a. versucht werden den "(Üb)Messertäter" festzuhalten und möglichst nicht verletzt zu werden. Dies war schlicht nicht möglich! Auch ein 2m SEK-Hüne war zusammen mit seinem Kollegen trotz bombenfesten Griffs nicht in der Lage einen auf Kommando "jetzt"

ausflippenden Täter dauerhaft festzuhalten ohne verletzt zu werden. Reißt sich der Täter los hat man ein riesen Problem, da nun beide Kollegen in gefährlicher Nähe zum Täter stehen. Mal eben k.o. schlagen nutzt wohl auch nur in den wenigsten Fällen, da ich ja dann zumeist loslassen muss. Zu berücksichtigen ist natürlich gerade hier im Forum darauf, dass der ein oder andere selbstredend in der Lage ist, jemanden per Griff/Schlag/Tritt zur Aufgabe zu zwingen. Der normale Kollege von der Straße wird dies aber wohl eher nicht vollbringen bringen!
Da mir dieses Seminar sehr gut gefallen hat, trainiere ich mit unseren Leuten dementsprechend und wird auch von den Koll. für gut befunden!
Essenz daraus ist, dass versucht wird, die Kollegen gerade was Messer angeht zu sensibilisieren und in diversen Trainings auf einen solchen Sachverhalt einzustimmen. Den meisten ist nämlich die Gefährlichkeit eines Messers überhaupt nicht bewusst
Traurig macht, dass in den letzten Jahren spiralmäßig zu beobachten ist, dass es zu immer mehr Angriffen ggü. Polizeibeamten kommt, bei denen ein Stichgegenstand im Spiel ist
P.S.
In den USA wird wohl auch trainiert sich bei einem Messerangriff nach hinten auf den Boden fallen zu lassen um dann mit den Füßen abzuwehren und gleichzeitig die Waffe zu ziehen, sollte kein Platz zum ausweichen sein!
Dies hat wohl auch Vor- als auch Nachteile!