Ganz genau das ist es doch, was Kanken und ich meinen. Ich schreibe weiter unten dazu noch was, ersteinmal will ich auf den Rest eingehen.
Über das Bunkai von Nishiyama weiß ich nichts.Sie setzen ihn mit der modernen „Bunkai“-Bewegung in Verbindung, weil er öfter das englische Wort „Application“ nutze. Allerdings hatte das absolut nichts mit „Bunkai“ zu tun, wie es heute üblicherweise verstanden wird. Ebenso kann ich nachvollziehen, dass einige seiner konkret körperlichen Anweisungen als mögliche „Visualisierung“ verstanden werden können, obwohl sie nicht als solche gemeint waren.
Nishiyamas Training selbst kenne ich nur vom Hörensagen (allerdings von Leuten, die da durchaus fleißig waren), oder z.B. von Clips wie denen die du gepostet hast. Zusätzlich gibt es noch Interviews von ihm, in denen er diese Bilder anspricht. (Wobei ich wirklich glaube, dass da ein Missverständnis vorliegt. Das was Kanken mit den QiQong Dingen angesprochen hat sind nicht die Bilder, über die wir hier reden.)Um solch eine Frage erörtern zu können, ist es also zunächst mal von Bedeutung, wie intensiv die Erörternden am Training usw. des besprochenen Lehrmeisters teilnahmen. Hinzu kommt, dass Trainingsteilnehmer allzu gern auch mal ihre eigenen Vorstellungen zwischen sich selbst und den Lehrenden stellen, so dass es zu einer Vermischung von Vorstellungen oder gar keiner echten Wissensvermittlung kommt („Kenn‘ ich, ist genau das, was ich eh schon mache!“).
Und da sind wir wieder komplett gegensätzlicher Meinung. Das mag an zwei Dingen liegen.Nachdem ich Training bei H. Nishiyama hatte, hatte ich Training im JKA-Hauptquartier in Tōkyō. Der Qualitätsunterschied und die Unterschiede im Bewegungsverständnis und konkreter Technik waren groß – eine „einheitliche Lehrmeinung“ hätte ich da nur auf harter Droge und mit Fantasie ausmachen können …
1.) Wann genau warst du dort
2.) Gebe ich gerne zu, dass jeder Instructor durchaus seine eigene Interpretation hat, dennoch bleiben die grundlegenden Bewegungsmuster gleich. Einer der Vorwürfe, der sich die JKA ja immer ausgesetzt sieht, ist die Standardisierung des Karate.
Und auch hat sich zugegebenermaßen seit Nakayama in der Bewegungsausführung viel getan. Und auch lernt man hier in der Breite in Deutschland ein Sammelsurium vieler Ausführungsarten der Bewegungen (teilweise auch deutlich anders als in der JKA vorgegeben). Dennoch gibt es eine einheitliche Lehrmeinung
So zurück zu dem Punkt, den Kanken auch schon adressiert hatte.In den von mir übersetzen alten Texten verschiedener Karate-Pioniere lese ich vor allem konkrete Handlungsanweisungen. Diese sind vergleichbar mit konkreten Handlungsanweisungen der zwei für mich technisch besten Karate-Lehrmeister, denen ich begegnete (ein Okinawaner, ein Japaner). Für mich sind das keine „Visualisierungen“, weil ich nicht visualisiere, sondern körperlich handle.
Ich bin mir nicht sicher, wie viel ich dazu schreiben kann, ohne dass "Ringo" sich gestört fühlt, aber was mich ziemlich überrascht hat, ist, dass er irgendwann nach dem Training angefangen hat, ein wenig über "das Kämpfen" zur reden. Da kamen dann Sätze wie "If you want to go South, first go North" die einige wahrscheinlich aus dem Bubishi kennen. Interessant war dann allerdings die konkrete Bedeutung dieses Satzes (mit Finten, wie ich angenommen hatte, hat das übrigens nichts zu tun).
Das ist nur ein Beispiel. Er hat innerhalb von einer halben Stunde im Prinzip das gesamte Bubishi durchgearbeitet - ohne jemals davon gehört zu haben natürlich. Einiges davon war durchaus mit Visualisierungen verknüpft, aber durchweg alles war ein direkte Handlungsanweisung.
Worauf ich hinaus will:
Du schreibst in einem deiner Bände ja selbst, dass viele Anweisungen ohne Kuden - die mündliche Lehre - absolut nutzlos seien. Und genau das ist der Punkt mit Visualisierungen. Ohne die dazugehörige Anweisung (wobei "mündlich" mEn nicht ganz zutrifft, man muss es wirklich spüren) klingt es nach - und ist - Blabla.
Und um noch einmal einen drauf zu setzen:
Woran ich seit mittlerweile einem Jahr im Bagua arbeite (und natürlich immer noch nicht hin bekomme) ist ein Satz der sich auch in Funakoshis 20 Paragraphen findet. Eine konkrete Handlungsanweisung und ein Bild, dass zum gewünschten Ergebnis führt.
Heißt das, dass es das auch im historischen Shotokan gab? Nein. Aber es zeigt mEn zumindest die Möglichkeit auf, dass es das gegeben haben könnte.
Und auch in der JKA tauchen immer wieder Schnipsel auf, die mich aufhorchen lassen. Ob das Wissen, wie man damit etwas anzufangen hat in der JKA (noch) vorhanden ist weiß ich nicht. Es wird jedenfalls nicht gelehrt, auch wenn einige Instructoren definitiv über die entsprechenden Skills verfügen. Ob sie die jetzt von außerhalb der JKA haben oder nicht, kann ich nicht beurteilen, spielt für die Betrachtung allerdings auch keine Rolle.
EDIT: Ich greife gern zu den Visualisierungen weiter ins Nähkästchen, dann allerdings nur per PN und nachdem ich Rücksprache mit "Ringo" gehalten habe, weil das die Dinge sind, die er eigentlich nur an Schüler weitergibt.





) ist ein Satz der sich auch in Funakoshis 20 Paragraphen findet. Eine konkrete Handlungsanweisung und ein Bild, dass zum gewünschten Ergebnis führt.
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