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Der Nobelpreisträger und die Homöopathie | Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie

Auf vielen Webseiten, die für die Homöopathie werben, werden die Forschungsergebnisse von Luc Montagnier als Nachweis, sogar als ‘Beweis’ für die Homöopathie angeführt. Das Erstaunliche ist, dass die Homöopathie in dieser Arbeit gar nicht genannt wird. Der Forscher selbst, wenn er sich dazu äußert, lehnt eine Übertragbarkeit seiner Ergebnisse auf die Homöopathie eher ab. Die Homöopathen hätten die Arbeit aber besser richtig lesen sollen: Sogar wenn man die dargestellten Ergebnisse als glaubhaft ansieht – was viele der Fachkollegen von Montagnier nicht tun – können sie als Nachweis eher gegen als für die Wirksamkeit der Homöopathie verwendet werden.
Dana Ullman, der für die Homöopathie in den USA eine ähnliche Rolle spielt wie Harald Walach hierzulande, hat die Arbeit gleich ganz und gar vereinnahmt. Er schreibt am 30.1.2011 in der Huffington Post (Link Übersetzung von mir):

‘Dr. Luc Montagnier, der französiche Virologe, der 2008 für die Entdeckung des AIDS-Virus den Nobelpreis erhielt, überraschte die wissenschaftliche Gemeinschaft mit seiner starken Unterstützung für die homöopathische Medizin.’

Weiter unten dann:

‘Montagnier, der ebenfalls Gründer und Präsident des Weltverbandes für AIDS-Forschung und -Verhütung ist, stimmte zu: Ich kann nicht sagen, dass die Homöopathie in allem Recht hat. Was ich jetzt sagen kann, ist, dass die hohen Verdünnungen (wie in der Homöopathie angewandt) richtig sind. Hohe Verdünnungen von etwas sind nicht nichts. Sie sind Wasserstrukturen, die die originalen Moleküle nachmachen.’

Wobei letzteres Zitat von Ullman schlicht gelogen ist. Die Anmerkung in den Klammern, die Ullman eingefügt hat, ist falsch. Dies hat Montagnier nun ganz sicher nicht gemeint, denn das Zitat direkt geht weiter, wie D. Ullman nicht entgangen sein kann:

‘Wir fanden, dass wir mit der DNA nicht mit den extrem hohen Verdünnungen arbeiten konnten, wie sie in der Homöopathie benutzt werden; wir konnten nicht weiter als bis zu einer Verdünnung von 10E-18 (‘Zehn hoch minus achtzehn’) gehen ohne das Signal zu verlieren.’
Die Arbeit von Montagnier ist unter seinen Kollegen heftig kritisiert worden, ja hat sogar regelrechtes Befremden ausgelöst. Offenbar widersprechen die Ergebnisse vielem, was unter Virologen und Mikrobiologen als gesichertes Wissen gilt, etwa sein Anspruch, mit ähnlichen Verfahren bakterielle und virale Infektionen identifizieren zu können, z. B. bei AIDS (!) und Autismus. Das hat Montagnier stark diskreditiert, er wird jetzt als einer von vielen Nobelpreisträgern genannt, die an der ‘Nobelpreis-Krankheit’ leiden. Dies ist als eine Krankheit definiert, an der bestimmte Nobelpreisträger erkranken. Sie führt dazu, ‘sich mit seltsamen oder wissenschaftlich untragbaren Ideen zu beschäftigen, normalerweise in einer späten Lebensphase auftretend’ (Link). Neben Montagnier werden verschiedene Opfer aufgelistet, unter anderem Pierre Curie und Linus Pauling.
zur versuchsanordnung und durchführung bitte den obenstehenden link anklicke.

Wenn man die Arbeit liest, fällt zunächst auf, dass die Homöopathie nicht mit einem Wort erwähnt wird. Nirgendwo wird angedeutet, dass die Ergebnisse auch in der Homöopathie eine Rolle spielen könnten. Wenn diese Arbeit als Bestätigung für die Homöopathie gesehen wird, dann ist das jedenfalls nichts, was auf den Autor zurückgeht.
ich hab das alles zitiert, weil ich mir sicher war, daß irgend ein esoterischer spinner hier demnächst wahrscheinlich montagnier und den "auf ihn zurückgehenden unwiderlegbaren beweis für wissenschaftlichen grundlagen und die wirksamkeit der homöopathie" erwähnen würde ...