Genau so sehe ich das auch.
Die Schrittarbeit ist das Herz eines jeden Kampfsystems. Mit guter Schrittarbeit kann man einem gegnerischen Angriff die Wirkung nehmen oder sich selbst in eine günstige Angriffsposition bringen.
Hat man genug Platz zum manövrieren bräuchte man eigentlich die Hände nicht mal zur Verteidigung. Das setzt aber eben schon perfekte Schritte, ein gutes Auge, eine gute Antizipationsfähigkeit und ein hervorragendes Timing voraus.
Für viele Kämpfer ist es daher das Mittel der Wahl einen Block mit einem ausweichenden Schritt zu verbinden. Dabei sieht es dann oft so aus als wäre der Block das eigentliche Abwehrmittel, dabei ist genau andersrum. Der Schritt sorgt dafür, dass die Energie des gegnerischen Angriffs verpufft oder sich garnicht erst entwickeln kann. Der Block ist nur die Notfallsicherung oder soll als Verbindungselement in eine andere Kampfdistanz dienen.
Manche Blöcke erreichen auch erst durch das korrekte Positionieren ihren gewünschten Effekt. Paradebeispiel Stockabwehr: oft stößt man hier den gestreckten Arm nach vorne, quasi als Leitplanke. Das kann ein abgewandelter Age-Uke des Karate oder eine Speerhand aus dem Krav Maga oder eine Bewegung der Cham Kiu des Wing Chun oder whatever sein. Aber: wird uns dabei nicht allen beigebracht in den Stockschlag hineinzugehen? Und genau darum geht es. Der Schritt sorgt dafür, dass sich die gegnerische Angriffsenergie nicht entfalten kann, da der Stockschlag am Punkt der geringsten Beschleunigung blockiert wird. Der Block ist nur Sicherung, so dass der Angriff abgleitet und man einen Konter setzen kann.
Das gleiche Prinzip betrifft alle Blöcke, die von einer ausweichenden, also nicht eintretenden, Schrittarbeit leben. Hier versucht man die Distanz zum Angriff zu verlängern, um die Energie des Angriffs am Endpunkt der Bewegung ins Leere verpuffen zu lassen. Aber auch hier ist der Block nur Sicherung oder dient als Bindebewegung für den eigenen Konter.
Die meisten traditionellen Blöcke, wie sie z. B. im Karate gelehrt werden, erscheinen mir ohne das korrekte Verständnis von Tai Sabaki sinnlos. Die Blockbewegungen beschreiben oft zu lange Bewegungsradien, um auf schnell vorgetragene gegnerische Angriffe reagieren zu können. Gerade hier muss man auch sehen, dass man den Gegner in dessen Angriffen mit dem eigenen Block am Besten spiegeln sollte. Diagonales Blocken führt zu einer Blöße und präsentiert dem Gegner die eigene Flanke, gibt ihm somit Optionen für weitere Angriffe.
Im Karate scheinen sich schnelle Fegeparaden wie Nagashi-Uke im Freikampf durchgesetzt zu haben. Diese Paraden (oben wie unten) findet man ja auch in vielen anderen Systemen. Andere Kampfkünste wie Escrima oder Kali nutzen Blocktechniken, die auf das Zerstören der gegnerischen Faust ausgerichtet sind, z. B. Ellbogen-Guntings. Die Doppeldeckung findet sich oft im Boxen, Kickboxen oder MMA, wobei ich sie auch eher als Notlösung ansehe und nicht als Defensivtechnik der Wahl. Der seitliche Coverblock gegen Haken oder Schwinger kommt primär auch aus dem Boxen und ist eine sehr wertvolle Technik im Repertoire. Man kann sie gut mit einem gleichzeitigen Gegenangriff verbinden. Einen Haken könnte man allerdings auch mit einer Biu Sao-Bewegung des Wing Chun beantworten. Viele Kampfsportler trauen es dieser Bewegung nicht zu, aber sie ist stabil genug, um einen Haken zu halten.
Überall gilt jedoch: die Blocks erhalten ihre Wirksamkeit letztlich durch die Schrittarbeit.
Oft will man dem Gegner aber auch keine Gelegenheit geben ein zweites Mal anzugreifen. Ich denke deshalb, dass die traditionellen Blöcke nie den Gedanken hatten Serien von Schlägen zu parieren. Ich verstehe es so, dass man vielmehr nach einem Eingang ins Trapping oder Grappling gesucht hat?
Und wenn man die "versteckten Techniken" des Karate oder auch Taekwondo näher beleuchtet, dann findet man viele Grappling- bzw. Hebeltechniken oder Takedowns.





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