Verstehe. Wie harmonisch ruhst du denn in dir selbst in der beschriebenen Lage? Wir nennen das in Bezug auf akute Gewalttaten immer die drei Kämpfe (einer der Inhalte unseres Probekurses): Der Kampf mit dir selbst, der gegen dein Gegenüber und derjenige gegen moralische, rechtliche etc. Systeme. Da die wechselseitig enorm wirken, fände ich es nicht weit genug gedacht, wenn man sagt, es ginge lediglich um das Innere.
Das habe ich von meinem Kollegen auch mal gehört. Dieser Zustand ist natürlich ein unglaublich idealistisches Ziel, oder? Wem traust du das (ganz ehrlich) denn wirklich zu?
Wie gesagt, ich verstehe diesen Anspruch. Ich finde ihn nur unglaublich idealistisch, beinahe fantastisch.
Aus deiner eigenen Erfahrung, wie viele Aikidoka entscheiden sich für Gewalt, wo sie angemessen ist? Ich erlebe (mittlerweile wirklich auf echt vielen Budogalen und Benefizevents) meistens äußerst angenehme, tief entspannte Aikidoka, die aber auch vollkommen offen zugeben, keinerlei Erfahrung oder Handlungssicherheit im Umgang mit Gewalt zu haben.
Ich würde nicht sagen, dass wir großartig philosophieren. Ist es denn nicht so, dass die allerwenigsten Aikidotrainings, Seminare etc. nicht im Ansatz die Dynamik und emotionale Behaftung eines gewalttätigen Übergriffs spiegeln? Wenn wir es nicht im Training machen, wieso würden wir dann annehmen, wir könnten es außerhalb des Trainings? Ich finde, es ist diese Ehrlichkeit der meisten Aikidoka (wie auch meines Freundes), dass man in diesem Bereich unsicher ist.
Das glaube ich auch. Wäre es anders, könnten wir uns das Projekt sparen. Allerdings findet die tatsächliche Offenheit - zum Beispiel ein Schritt zur Gewalt - doch wirklich so gut wie nie statt in einem typischen (I know - was ist typisch?) Training statt, oder?
Diese Ansicht/Ablehnung ist mir bekannt und das könnte man sicher so unterschreiben. Diese besondere Gruppe ist beinahe (internes Zitatmilitant gewaltfrei und für so ein Projekt wie unseres ganz sicher nicht die Zielgruppe.
Diese kämpferische/taktische Öffnung, die das Aikido sicher hat - wie gesagt, damit wollen wir arbeiten - kann doch sicher mal pragmatisiert werden. Ich wüsste nicht, wo das der Fall ist. Zumindest ist es nicht die Regel.
Danke dir. Ich danke dir auch für den Austausch. Wenn ich lese, dass du jedes Mal unglaublich viel Zeit verwendest, Aikido richtig zu schreiben, gehe ich davon aus, dass du schon lange Aikido machst und da auch leidenschaftlich bei der Sache bist. Fühl dich deswegen bitte auf keinen Fall irgendwie beleidigt oder in deinem Aikido negativ berührt. Das soll absolut nicht das Ziel sein. Ich finde das super, wenn jemand ganz bei seiner Kunst ist. Wir möchten dieses Projekt nach vorne bringen, weil wir glauben entdeckt zu haben, dass eine Menge Aikidoka innerlich das Thema Gewalt gar nicht auf dem Schirm haben (die wollen wir da auch gar nicht beeinflussen) oder ein wenig zweifeln, da sie auf dieser anderen Bühne (= Gewalt) null Erfahrung und Ideen haben. Das zweite ist unsere Zielgruppe.






militant gewaltfrei und für so ein Projekt wie unseres ganz sicher nicht die Zielgruppe.
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