Wieso wider besseren Wissens?
Es gibt klar definierte Übungen, alleine und am Partner. Es gibt klare Anweisungen des Lehrers was man sich vorstellen soll und wie man üben soll. Das sind keine "Fancy moves" oder total abgedrehten Dinge. Es sind sehr einfache Sachen die einfach sehr oft wiederholt werden müssen. Ich bin ein Jahr einfach nur mit einem bestimmten Bild in 8 verschiedenen Handhaltungen im Kreis gegangen und habe geguckt was dieses Bild mit meinem Körpergefühl tut. Diese "Rückmeldungen" meines Körpers habe ich mit meinem Lehrer besprochen und manchmal kam nur ein "gut so" oder "nicht so kompliziert", "entspann mehr" etc.
Am Partner funktionierte nichts wirklich gut, aber ich habe einfach weitergemacht. Dann hat mein Lehrer das Bild ein wenig komplexer gemacht und mir eine Kleinigkeit gesagt, die mein gesamtes Training in einem neuen Licht gezeigt hat. Also wieder von vorne in die Handhaltungen, jetzt mit zwei "einfachen" Wechseln. Dazu noch ZZ um diese "Kleinigkeit" neu auszuprobieren.
Nach 3 Monaten hatte sich radikal etwas in mir verändert, nach 6 kam ein richtig großer Schritt, dann wieder "eine Kleinigkeit" im Bild durch meinen Lehrer und wieder zurück ins ZZ und Kreisgehen um das auszuprobieren, dann irgendwann das Nächste und so weiter...
Was viele einfach hierzulande nicht verstehen ist das man es SELBSTSTÄNDIG ausprobieren muss, täglich. Diese Art der Übung kann man jederzeit am Tag machen, sogar bei der Arbeit.
Wer nur zwei oder dreimal die Woche Abends in ein Dojo geht, der wird niemals so trainieren können. Diese Art des Trainings muss den gesamten Tag durchdringen.
Eine neue "Kleinigkeit" und man kann alles Gelernte noch einmal neu betrachten.
Ich weiß nicht wie viele "Kleinigkeiten" mein Lehrer mir schon gegeben hat, aber jedes Mal ist es ein "Wow" je länger man darüber nachdenkt und je länger man damit arbeitet. Man muss diese Worte selber ERFAHREN in der täglichen Praxis und dann diese Erfahrung am Partner wirken lassen.
Das Lustige ist das es eigentlich immer einfacher wird. 8 Handhaltungen, drei Wechsel im Kreisgehen, fertig. Ist alles drin was man braucht, alle anderen Wechsel, alle Anwendungen etc.. Dazu noch ein wenig ZZ und fertig. Selbst im ZZ ist eigentlich ALLES drin, mehr braucht man gar nicht, aber da bin ich noch nicht, das ist ein wenig zu komplex...
Dieses Verständnis muss man sich aber selber erarbeiten, kein Lehrer der Welt kann einem die Erfahrungen implementieren. Im Gegenteil, je mehr äußeren Input man bekommt, desto größer ist die Gefahr einfach nur vom Lehrer zu konsumieren.
Der Lehrer zeigt/sagt einmal, der Schüler muss üben bis er es versteht. "You have to think about it" ist der Satz den ich von meinem Lehrer wohl am öftesten gehört habe.
Die wenigsten Leute heute sind leider bereit so zu trainieren, man meint auf Lehrgängen (am Besten noch bei wechselnden "Referenten") Wissen vermittelt zu bekommen und wundert sich das die evtl. wirklich guten Leute nur Kleinigkeiten "andeuten".
Wissen kann man nicht konsumieren, Wissen kann man sich nur selber aufbauen und dazu muss man selber üben, üben, üben.
Grüße
Kanken






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