Den Korinthenka**er in mir drängt es anzumerken, dass wohl die wenigsten Sekten sich auf historisch korrekte und eindeutig verifizierte Sachverhalte berufen.Wenn wir uns also klassisch und sklavisch ausschließlich an historische Fakten halten wollten, dann bitte einer Shotokan-Sekte beitreten, die sich an das historisch greifbare Material hält und dementsprechend trainiert.
Ansonsten aber vielen Dank für die erhellenden Ausführungen!
Analoges Wissen habe ich natürlich *nicht*, dafür möchte ich kurz persönliches Erleben beitragen.
Ich trainiere ja in zwei DJKB-Vereinen. Okay, derzeit nur einem schwerpunktmäßig. Und, ja, ich mag das strenge, korrekte, hoch disziplinierte, auf Feinheiten bedachte, "schöne" Shotokan-Karate, das dort gelehrt wird.
Aber zuweilen finde ich es auch arg frustran. Wenn ich etwa mal wieder zu langsam begreife, was der Trainer von mir will, wenn die Abfolgen (nur mir?) zu komplex werden, wenn neben Detail A, B ... bis F dann bitte auch noch die Details G und H akkurater werden sollen, denk ich mir schon mal "Boah! Ist es denn wirklich nie genug?"
Letzte Woche dann hätte ich mal wieder am liebsten den schönen braunen Gürtel vor Frust in den Ofen geschmissen.
Jo.
Am Samstag dann war ich auf einen Lehrgang. Kleiner Lehrgang ausgerichtet von einem kleinen Verein und das Ganze verbandsmäßig *weit* ab der DJKB- oder JKA-Welt.
Gezeigt, gelehrt, geübt wurden Elemente v.a. aus den Heian-Katas ... und wie diese dann in SV-Kontexten eingesetzt werden können und *funktionieren*. Ganz viel Dynamik drin, enorm viel (ich trau mich kaum, es zu erwähnen!) SPASS bei der Sache und ... Korrektheit zählte ausschließlich im Sinne von "funktioniert der Hebel oder Wurf überhaupt bzw. besser so - oder so?"
Wenn man so will, einfach bisl rockigeres, dreckigeres Shotokan. Bach Kantate goes Rock'n'Roll. Oder so.
Nach insgesamt vier Stunden überaus angenehmer Klopperei, Werferei, Kickerei inklusive "Flottem Dreier" (denk dir zwei Angreifer, einen Verteidiger, eine nette Schlägerei ... und das dauernde Risiko, den anderen Trios in den Weg zu hampeln), bin ich nach Hause gefahren. Leicht verbeult, ein verballerter Oberschenkel, eine ritzeblaue Zehe, ziemlich müde (bin ja nimmer die Jüngste) ... aber zutiefst befriedigt. Und fürs Erste wieder versöhnt mit Karate Do.
Ich für meinen Teil möchte glaube ich im Endeffekt *beides* in meinem ganz persönlichen Karate haben, das schöne hehre Karate ... und das dreckig-rockige. Dass ich dafür in verschiedene nicht nur Vereine, sondern auch noch Verbände muss und mir letztlich von beiden Seiten anhören muss, nur sie selbst stünde für das echte Karate Do und das jeweils andere sei ja nun nix, finde ich anstrengend und ... unnütz.





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