Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
Bei dieser Frage habe ich etwas Schwierigkeiten mit der Prämisse bzw. dem "Wenn-Teil".
Meine Gedanken dazu:

1.)Innerhalb der möglichen Formen der Aufmerksamkeit kann man natürlich "einspitzige" Aufmerksamkeit die sich auf ein bestimmtes Objekt konzentriert und eben Panorama-Aufmerksamkeit unterscheiden und von "Gegenteil" sprechen.
Aber innerhalb der möglichen Bewusstseinszustände gibt es noch weitere, die eben nicht aufmerksam sind.
Z.B. das Verlieren in Tagträumen, das Wegtragen lassen von Gedanken.
Die würde ich eher als das Gegenteil von Aufmerksamkeit begreifen.
Es ist wohl so, dass die Bedeutung dieser Begriffe wie Achtsamkeit, Konzentration und Aufmerksamkeit schwer abzugrenzen ist und dass in unterschiedlichen Kontexten auch alternative Begriffe für Gleiches oder Ähnliches verwendet werden. So verwendet Tada Hiroshi (oder sein Übersetzer ins Englische) in einem Interview auf YouTube den Gegensatz "Konzentration" zu "Anhaftung". Die so verstandene Achtsamkeit hat dann auch den Aspekt der Konzentration, so auf das Hier und Jetzt und auf die gerade ausgeführte Aufgabe oder das Tun.

Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
Und Aufmerksamkeit, egal ob Panorama oder konzentriert, ist im MBSR-Training, das ich aus eigener Anschauung kenne, ein Teil von Achtsamkeit.
(Der andere Teil ist das "Annehmen", "Akzeptieren" oder "sein lassen". Das ist, wenn es um Stressreduktion geht, ein sehr wichtiger Teil.)
Im MBSR-Training gibt es Übungen, bei denen man seine Aufmerksamkeit auf den Atem richtet, auf Geräusche, auf Körperempfindungen, auf Gedanken, auf Gefühle...
Aus eigener Erfahrung kenne ich nur Zazen (im Sinne von Sitzen und sonst keiner weitergehenden Bedeutung). Ich kenne es so, dass Anfängern geraten wird, die Aufmerksamkeit auf den Atem zu richten, gerade um sich nicht in Gedanken zu verlieren, aber eigentlich soll man seine Aufmerksamkeit auf nicht Spezifisches fokussieren. Ich kenne auch das Annehmen, Akzeptieren und sein lassen von Schmerzempfindungen, wie Krämpfe in meinen Fußsohlen, weil es als Teil des Panoramas gedeutet wird ohne es zu verdrängen oder sich darauf zu fokussieren.

Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
Ein Flow-Zustand nach dem Mann mit dem unaussprechlichen Namen, ist ja das Aufgehen in einer bestimmten Tätigkeit und würde eventuell damit einhergehen, dass man sich selbst und die Umwelt vergisst.
So wie ein Kind, dass in ein Spiel vertieft ist.
Das ist sicher eine Art von Sammlung aber kein Panorama-Bewusstsein, da ja bestimmte Aspekte ausgeblendet werden.
Es kann natürlich auch sein, dass Du meintest, dass man innerhalb von Achtsamkeitstraining auch oder vielleicht letztlich am Panoramabewusstsein arbeitet.
Ich sehe da in der Tat einen engen Zusammenhang zu dem Flow-Zustand, wie in Mihály Csíkszentmihályi verstanden und erforscht hat. Ein Aspekt ist die Konzentration auf und das Aufgehen in eine Aufgabe, die mit erlernten unbewussten Prozessen bewältigt wird. Ein Metapher oder Bild, das öfters in dem Zusammenhang genannt wird ist der stille Geist, der die Wirklichkeit wie in einem Spiegel widerspiegelt.

Den Begriff "Panorama-Bewusstsein" habe ich zum ersten Mal gestern in dem Wikipedia-Artikel gelesen (oder bewusst wahrgenommen), mir gefällt er aber gut. Ein lustiges, triviales Beispiel ist Post #31 aus dem Armschlag-Thread: wenn jemand mich mit der Hand am Handgelenk greift, so könnte ich mich aufmerksam darauf konzentrieren, die Hand wegzuhauen oder zu hebeln und dabei so unachtsam zu sein, dass ich einen Schlag zum Gesicht übersehe, oder umgekehrt die Chance verpasse, dem Gegner ins Gesicht zu hauen.

Auf einem höherem Niveau könnte das Vermeiden, Erkennen und Ausnutzen von Lücken mit automatisierten, internen Prozessen am Beispiel von Kendo so aussehen:

Zitat Zitat von Moriji Mochida, 10th dan Kendo
It took me 50 years to learn the basics of Kendo. After I turned 50, I started the real discipline. I wanted to perform Kendo using my mind and my spirit. When you reach 60, your lower body weakens. I used my mind to reverse the drawbacks. When you are 70, your whole body weakens. That's when I trained my mind to be imperturbable. With the still mind the mirror inside you reflects the opponent's mind.
Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
Warum sollte man natürliche Prozesse fördern wollen, die passieren ja ohnehin..?
Dabei bezog ich mich auf den in Post #282 zitierten natürlichen Prozess der Automatisierung (insbesondere von Bewegungen, aber auch das Erkennen von Bewegungen).

Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
Es gab Versuche mit erfahrenden Meditierenden (Matthieu Ricard et al.), die sowohl länger aufmerksam auf eine eher weniger fordernde Tätigkeit halten konnten, wie auch weniger Schreckreaktion bei einem Sehr lauten Knall zeigten, wenn die sich in der von Dir angesprochenen Panorama-Aufmerksamkeit befanden.
(MS = Matthieu Ricard, WS = Wolf Singer)
Quelle: "Hirnforschung und Meditation Ein Dialog"
Ja danke, der Dialog gibt gut wieder, was ich meinte. Allerdings hinkt IMO das Beispiel mit dem knallenden Feuerwerkskörper, weil der ja nicht nur eine Schreckreaktion auslöst, sondern auch körperliche Hörschäden verursachen kann.