Ich glaube, das Wörtchen „nur“ habe ich nicht verwendet. In dem von dir beschriebenen Szenario würde ich davon ausgehen, dass du entweder einen respektlosen BJJler oder respektvollen MMAler vor Dir hast, wobei ich Variante eins für wahrscheinlicher halte.
Die charakterliche Zerstörung durch MMA endet ja nicht an der Grenze zum Käfig.
Das ist übrigens nicht so weit hergeholt, wie du vielleicht vermutest. Vor vielen Jahren habe ich ein Interview mit einem Ami gesehen, der noch in der vor UFC Ära kämpfte. 2 Dinge sind mir von ihm in Erinnerung geblieben, die ich in ihrer Ehrlichkeit bis heute nur sehr selten wiederfinde:
Die Frage, ob er ein schlechtes Gewissen hat, andere Leute im Kampf zu verletzen, hatte er inhaltlich nicht verstanden. Wenn er jemanden die Knochen bricht, dann nur um zu gewinnen - er geht ja nicht in den Kampf mit dem Vorsatz, jemanden zu verletzen.
Auf die Frage, vor welcher Verletzung er die größte Angst hat, was kaputt gehen könnte, antwortete er:
Meinen Charakter.
Ich schwöre dir, das ist nicht erfunden. Der hat exakt das gesagt, was ich selbst an mir und meinen Trainingspartnern beobachtet habe, deswegen hat sich dieses Interview bei mir eingeprägt. Er hatte dort erzählt, dass er privat mehrere Freundinnen verloren hat und den Grund dafür hat er bei sich, seiner Charakterveränderung gefunden.
An dieser Stelle muss ich allerdings ein bisschen relativieren. Ich denke, die meisten Leute, die Boxen oder MMA nachgehen, haben nicht wirklich den Ehrgeiz, dort an der Spitze mitzuspielen. Die meisten von denen gehen dorthin, um Komplexe zu kompensieren oder Gewaltfantasien auszuleben. Denen ist völlig klar, dass die niemals ne große Nummer werden und damit ist deren Identifizierung begrenzt. Denen reicht sozusagen das Image, ein harter Hund, ein MMA Kämpfer zu sein. Durch diese -ich nenne es jetzt mal mentale Abgrenzung- begrenzen diese aber auch zugleich die zerstörerische Wirkung auf den Charakter.
Das funktioniert natürlich nicht bei den Leuten, die vorher schon A.... waren.
Zu der pre UFC Ära war der kommerzielle Erfolg diese menschlichen Hahnenkämpfe noch nicht abzusehen, die hatten eh eine Art Schmuddel Image, ich denke, da waren die Leute auch noch viel ehrlicher. Es gab keinen Grund, irgendein positives Image zu pflegen.
Wenn heute Andrade im Kampf den Kopf ihrer Gegnerin in den Boden rammt, ist die menschenverachtende Logik genau die gleiche: Gewinnen um jeden Preis, Verletzungen oder Tod des Gegners werden dem Sieg untergeordnet. Der Sie ist wichtiger als ein Menschenleben. Damit ist die Abartigkeit dieser Kämpfe genauso geblieben wie vor 20 Jahren - mit dem Unterschied, dass heute Millionen umgesetzt und das Image von allergrößter Bedeutung ist. Das würde sich heute niemand getrauen, das ehrlich auszusprechen. Heute ist es üblich, dass man „allergrößten Respekt“ vor den Leuten im Ring hat, die man bedenkenlos für ein paar Dollar totschlagen oder deren Genick brechen würde.






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