Zitat Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
ich sehe das mit dem problem der "unwissenschaftlichkeit" ähnlich, nur muss ich mir auch darüber im klaren sein, dass das ja nichts mit einer "guten" kk (nach welchen anderen kriterien das auch immer definiert wird) zu tun hat, sondern eher mit einem gewissen unguten gefühl, das ich als ethnologe bekomme, wenn ich so manche "story" höre, die für wahr genommen wird.
Richtig, "gute" Kampfkunst muss je nachdem was man selbst sucht natürlich nicht zwingend mit einer unendlich langen Geschichte einhergehen. Mitunter scheitern die Anbieter bestimmter Kampfkünste ja sogar daran, dass sie beispielsweise ihren selbstkreierten Stil mittels völlig frei erfundener Historie besser zu verkaufen versuchen, schaffen das auch..... aber wenn die Geschichte dann erst einmal als Fake enttarnt ist, hat man entweder besser noch ein paar Hardcoregkläubige am Start oder ist u.U. ganz schnell wieder weg vom Fenster (und das unabhängig von der Qualität des Gebotenen m.A.n. völlig zu Recht).



Zitat Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
daran kann man nichts mehr ändern. diese stories sind alle zu tief verankert im (unwissenschaftlichen) "wissen" der div. kk-gemeinden.
ich hatte zb. nie probleme mit einem guten, funktional sinnvollem training im "ju jutsu", egal, was für ein gehabe drumherum veranstaltet wurde (pseudo-japanische etikette und so...), erst recht nich mit gutem fma training, obwohl dort "story telling" oft auf die spitze getrieben wird. bei letzterem hat es aber wenigstens kulturelle legitimation, da "story telling" im malaiischen raum enorm wichtig ist und von allen auch realistisch eingeschätzt wird... es gehört da einfach dazu.
Ich persönlich (bezogen auf die Japansparte, da kenne ich mich halt am ehesten aus) habe schon den Eindruck, dass es neben der großen "unwissenden" Mehrheit eine zwar noch immer kleine aber durchaus wachsende Menge gibt, die aus Leuten besteht, welche ein gewisses Basiswissen haben. Das liegt vielleicht daran, dass nicht nur Laberer sondern auch gute Lehrer/Schüler als Multiplikator fungieren und wenn man seine Aussagen argumentativ gut untermauern kann und sie auch anhand unäbhängier Quellen problemlos nachprüfbar sind, hat das schon eine gewisse Überzeugungskraft. Wer allerdings aus Bequemlichkeit und/oder anderen Gründen ein stets nur Vorgekautes nachblökendes Schaf bleiben will, hat nach wie vor vielerorts die Möglichkeit dazu.



Zitat Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
nur, wenn es allzu haarstäubend und offensichtlich mythologisch wird und wenn das dann von angeblich so aufgeklärter westlicher seite nachgeplappert und die "stories" sogar zu einer "wahren geschichte" erhoben werden, vergeht mir dann auch die lust, mir die entsprechende kk (bzw. den stil) auch nur anzuschauen...
Genau das ist auch für mich der springende Punkt. In Japan ist der Klassiker ja, dass Tengu den Kriegern den Schwertkampf beibrachten aber niemand wird das wohl wirklich so glauben oder dass wirklich irgendeine Gottheit erschien und sagte "Hey, Du bist ein klasse Kerl, nun mach' mal!". Sieht man sich im Gegensatz dazu dann ein paar "traditionelle" jap. Kampfkünste an (ja, sogar originär aus Japan, sind nicht immer nur Westler erfindungsreich beim Thema Samurai & Co.) mit ihren Räuberpistolen, kann man schon ab und an etwas ungehalten sein ob solcher Dreistigkeit.




Zitat Zitat von Huangshan Beitrag anzeigen
Ich persönlich habe nichts gegen rekostruierte Kampfmethoden, wenn sie mit wissenschaftlichen Methoden(experimentelle Archäologie,analyse historischer Quellen etc,) rekonstruiert wurden und das auch offengelegt wird.(HEMA, Gladiatorenkampf,römische Legionäre etc.)
und
Zitat Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
auch von meiner seite: NICHTS gegen ernstgemeinte "technische" rekonstruktionen und "experimente", wenn sie als solches kenntlich gemacht werden.
habe erst vor kurzem einige schöne clips aus indien gesehen, wo eine rekonstruierte kk der marathen gezeigt wurde, aber eben nicht mit dem üblichen "jahrtausende alt", sondern "basierend auf" und "im 16. Jh. erstmals erwähnt" (und gebrauch der original waffen der marathen ab dem 16. jh.)...

kein problem mit so etwas.
Ja, Ehrlichkeit ist meines Erachtens so ziemlich das Wichtigste und ohne sie kann man den Rest getrost in die Tonne treten (will man sich verschaukeln lassen, dann natürlich nicht).