Ist nicht unbedingt meine Meinung, aber ich könnte mir vorstellen man könnte argumentieren, dass es manchmal besser ist alte Traditionen bewusst über Bord zu werfen und mehr oder weniger komplett neu anzufangen. Also bewusst die alten Hintergründe nicht mehr unterrichten, oder nur sehr dosiert. Das steht man kurzfristig vielleicht schlechter da aber langfristig möglicher Weise besser. Wenn es nur um den praktischen Nutzen geht es ist das wohl eine Erwägung, das andere wäre dann Liebhaberei. Das bedeutet nicht, dass die alten Sachen nichts wissenswertes zu lehren haben, aber in der Kosten-Nutzen-Rechnung können die Vorteile gefühlt nicht immer den damit verbundenen Mehraufwand rechtfertigen. Siehe zum Beispiel ein erforderliches, komplexes Hintergrundwissen bezüglich dem kulturellen Kontext von Ideen, Bildern, und so weiter. So wie Kanken das zu schildern scheint.
Nach meiner bescheidenen Kenntnis war der Langbogen noch sehr lange relativ modernen Schusswaffen überlegen. Wenn ein trainierter Bogenschütze 12-15 Pfeile in der Minute abschießen konnte wäre das nicht so weit weg von einem K98, oder? Aber der Aufwand um einen trainierten Bogenschützen auszubilden ist halt wesentlich höher. So gesehen war es trotz kurzfristiger Nachteile trotzdem schlauer auf die neue Technologie umzusteigen. So gesehen war ja der Boxeraufstand in China vielleicht eben so ein Argument gegen alte Traditionen, im Anbetracht des Ausgangs der westlichen Militärintervention. Aber vielleicht vestehe ich das auch falsch.
War solche Beweggründe nicht auch ein Faktor während der Meiji-Restauration in Japan? Von wegen der von Kanken angesprochenen Militarisierung und dem japanischen Nationalismus? Das halte ich für das Thema interessant, weil ein Teil der alten Traditionen doch über Bord geschmissen wurde. Andererseits, vielleicht wurde da auch nur umgewichtet. Zen z.B. hatte doch einen anhaltenden Einfluss auf das Militärwesen?




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