Das Problem ist halt dass diese Zeremonie in einen ganz bestimmten soziokulturellen Kontext gehört und da ein sehr spezielles (nämlich konfuzianisches) Weltbild dazugehört.
Man würde früher, wenn man keine Familie hatte (also zu den sozial ausgegrenzten gehörte), mit einer Zeremonie in die „Gesellschaften“ aufgenommen, die nicht immer kriminell, oder geheim, waren. Man bekam eine „neue“ Familie und damit wieder all den sozialen Schutz, den eine Familie bietet.
Ohne Familie war man im früheren China nichts (und auch heute ist die Familie DER Anker).
Diese Zeremonie ist tief verwurzelt und hat für die Leute, die in der Kultur leben, eine sehr wichtige Bedeutung.
Mein Lehrer, der natürlich bei seinem Lehrer in China die Baishi Zeremonie durchlaufen hat, führt sie nicht durch. Nicht weil er nicht zwischen „Außenstehenden“, „Schülern“ und „Inneren Schülern“ unterscheiden würde (das tut er sehr wohl), sondern weil wir in Europa eine andere Kultur haben und da gehört diese Zeremonie nun einmal nicht dazu.
Was bedeutet denn diese Zeremonie? Sie bedeutet dass Schüler und Lehrer Freunde sind, dass sie sich mögen. Freunden steht man bei, für Freunde steht man gerade und vor allem ist man gerne mit Ihnen zusammen. Freunde verbringen Zeit miteinander, teilen die gleichen Ansichten und Werte. DAS ist es, wofür diese Zeremonie steht, nur halt in ihrem soziokulturellen Kontext.
Dafür muss ich mich aber hier in Mitteleuropa nicht vor die Füße von irgendjemandem werfen, das passt einfach nicht.
Nicht der Vorgang ist wichtig, sondern das, wofür er steht.





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