
Zitat von
amasbaal
ich könnte jetzt - berufsbedingt - ellenlange aufsätze über das "making of" und die funktionen und manipulationen von ritualen schreiben, aber das wäre hier perlen vor die säue werfen, wie es so schön heißt.
nur soviel: ein ritual ist nicht abbild der äußeren wirklichkeit, "wie sie tatsächlich ist", sondern eine Methode, bestimmte Inhalte religiöser oder ideologischer oder (interpretierter) historischer usw. usf. art durch psycho-physisches "einschleifen" kulturell zu etablieren und dadurch gruppenidentitäten bzgl. des jeweiligen "themas" zu festigen (über unzählige male auf gleiche weise und besonders wirkungsreich in der gruppe wiederholte somatische und psycho-intellektuelle erfahrungen mittels der handlungen im ritual). also: es wird inszeniert und folgt einem ablaufplan. Ob das ritual dabei zb. nun auch "echte" historische bezüge hat (im sinne von "wissenschaftlicher" geschichtsschreibung, also eine darstellung/performance, die zeigen soll, wie es "wirklich" war), ist dabei völlig irrelevant. in ritualen werden meist mythen verinnerlicht, wenn es um "geschihcten" geht, die einen gewissen "pädagogischen" Effekt erzeugen sollen - für die zu erwartende kulturelle Vereinheitlichung des "wissens" der beteiligten. rituale erzeugen kulturell geprägtes wissen und verhalten (das ist es ja eigentlich per se) und sind keine abbilder historischer tatsachen. davon etwas real-historisches abzuleiten, ist eine enorm schwierige aufgabe für die wissenschaft (ethnologie, soziologie, cultural studies, historische anthropologie...) und nichts, was man "mal eben so" sehen kann, wenn man einen YouTube Clip vor sich hat. was die teilnehmer des rituals darüber erzählen können, ist das, was sie in dem ritual erfahren haben (es sei denn, es sei neu und man hat eine der personen vor sich, die es "kreiert" haben).
das ist also so, wie mit den angeblichen quellen, die hier herumgeistern: die quelle ist eine quelle, die sich auf sich selbst beruft.