@jkdberlin:

Naja, das ist aber länderspezifisch und kann recht traurig aussehen. Vor der Coronazeit haben z.B. wir als gemeinnütziger SV einen Zuschuss von 150,- DM (später 100,-€ pro Jahr für "Raumkosten" bekommen. Berlin ist halt pleite, da wird nicht jeder Kampfkunst-Verein gefördert.
das kenne ich so ähnlich von schleswig-holstein ...
die zuschüsse des LSB an den verein, in dem ich die judoabteilung leitete, wurden von jahr zu jahr geringer, trotz guter nachwuchsarbeit unsererseits.
irgendwann war der (mehrsparten)verein gezwungen, jegliche übungsleiter-entschädigung ersatzlos zu streichen. die mittel reichten einfach nicht mehr.
hat mit dazu beigetragen, dass kaum noch jemand als ülei tätig sein wollte.


Ein von mir sehr geschätzter Epidemiologe und Arzt meinte heute morgen zu mir, dass er sich ein Training im Verein so in etwa ab November wieder vorstellen kann ... vorsichtig geschätzt. Das sind noch 6 Monate!
das ist deprimierend.
es hat, so wie ich das sehe, vor allem zwei auswirkungen: die eine ist sichtbar und betrifft die existenzgefährdung kommerzieller gyms.
ich weiß nicht, ob man da mit solidarität noch etwas retten kann ... wäre schön, aber wenn es wirklich noch sechs monate dauern sollte (oder länger), bis ein halbwegs normaler trainingsbetrieb wieder aufgenommen werden kann (von wettkämpfen rede ich da noch gar nicht), dann bricht das schon rein finanziell wohl so ziemlich jedem gym das genick.
niemand kann es sich leisten, insgesamt acht monate keine oder drastisch reduzierte einnahmen zu haben und gleichzeitig das geld für die verpflichtend anfallenden kosten weiterhin aufzubringen.

der zweite aspekt, der wenig bis kaum sichtbar ist und wohl auch erst einmal nicht so häufig thematisiert wird, betrifft all jene, für die das training mehr ist als "nur" ein hobby.
ich meine all jene, die aus gesundheitlichen gründen judo oder bjj oder sonstige formen des grappling praktizieren. im besonderen meine ich damit all jene (und das betrifft mich ebenfalls, deshalb erwähne ich das hier), denen grappling hilft, schwere chronische depressionen einigermaßen handhaben zu können.
ich weiß nicht, wie man das in den griff kriegen soll. mir ist klar, dass die ansteckungsgefahr eine kontaktsperre und damit ein trainingsverbot erfordert.
aber das hilft mir (und allen, denen es genauso geht, und das sind meiner erfahrung nach nicht wenige!) kein bißchen.
und ich halte es auch für gefährlich, nonchalant zu sagen, dass die verhinderung von ansteckungen wichtiger / bedeutender sei als "das bißchen depression", und dass man sich "einfach mal zusammenreißen" müsse ...