Ich habe vor einigen Jahren mit Interesse "War Before Civilization - The Myth Of The Noble Savage" von Lawrence H. Keeley gelesen. Der Autor seziert darin ziemlich nachdrücklich den Mythos, daß vorstaatliche/tribale Gesellschaften inhärent friedfertiger waren/sind als moderne Staatswesen (und kommt zu dem gut belegten Schluß, daß es sich insgesamt eher genau umgekehrt verhält).

Jedenfalls differenziert er ziemlich trennscharf zwischen Soldaten und Kriegern, und zwar etwa wie folgt:

Krieger:
- gehört zu einer vorstaatlichen Stammesgesellschaft
- nimmt an Konflikten mit anderen Gruppen nur freiwillig teil (da es keine Strukturen gibt, die staatlichen Zwang ausüben)
- unterwirft sich der Autorität eines Anführers/Kriegshäuptling nur bedingt und zeitlich begrenzt
- kämpft in einem losen Verbund von wenig koordinierten Einzelkämpfern
- wird durch Clanloyalität/Familienzugehörigkeit motiviert
- Konflikte bestehen überwiegend aus dauerhafter low-intensity warfare zwischen Kleingruppen, geprägt durch Überfälle, Viehdiebstähle, Raubzüge, wenig offene Feldschlachten
- keine länger andauernden Feldzüge, da die herrschenden Subsistenzwirtschaft hierfür keine ausreichenden Ressourcen liefert

Soldat:
- kämpft für eine als Staatswesen organisierten Gesellschaft
- unterliegt grundsätzlich einem Zwang zur Dienstleistung und zum Gehorsam bis zum Ende seines Dienstverhältnisses
- kämpft in einem engen Verbund mit einer Vielzahl anderer Soldaten, ggf. mit diversen Spezialisierungen und Hierarchieebenen
- wird entweder durch ökonomische Zwänge (Berufssoldat) oder staatlichen/herrschaftlichen Zwang (Wehrpflichtiger/Lehensmann) motiviert
- Konflikte bestehen überwiegend aus in großem Maßstab durchgeführten zwischenstaatlichen Kriegen
- länger andauernde Feldzüge werden durch ein arbeitsteiliges Wirtschaftssystem ermöglicht, welches Überschüsse bereitstellt

Eine irgendwie geartete moralethische Differenzierung zwischen Krieger und Soldat gibt die Sache m.E. nicht her, zumal Keeley herausarbeitet, daß Stammeskriege zwar nicht die Massen- und Materialschlachten der Moderne beinhalten, dafür aber aufgrund des beständigen Kleinkriegs zwischen Dörfern, Clans, Sippen und Stämmen insgesamt einen wesentlich größeren Anteil der Bevölkerung das Leben kosten als Kriege zwischen Staaten.

Einen "Weg des Kriegers", der über Vervollkommnung der eigenen kämpferischen Fähigkeiten hinausgeht und sich auch auf ethische Belange erstreckt, würde ich daher nicht durch historische Daten belegt ansehen und ebenfalls in die Kategorie "neuzeitliche Romantisierung" einsortieren.

Gesendet von meinem Moto G (5S) Plus mit Tapatalk