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Das bedeutet im Klartext, dass tausende Wiederholungen in ruhigem Geisteszustand unter Umständen weniger «wirksam» sind als eine perfekte Wiederholung, die man in einem kritischen Moment erfolgreich ausgeführt hat.
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Das erklärt auch indirekt, warum man meiner Meinung wirklich gute Trainingspartner braucht, um in kurzer Zeit wirklich wachsen zu können – nur ein wirklich forderndes Sparring reicht meiner Erfahrung nach als Erregungsminimum für so einen Ankerpunkt aus. Steel sharpens steel und so
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Das ist die Art, wie ich mir Techniken einpräge. Kankens Bagua-Linie würde vermutlich Bild dazu sagen, ich persönlich speichere das als «Erinnerung» oder «Gefühl» ab, und das visualisiere ich bewusst oder unbewusst, meistens als Handlungskomplex. Das ist gewissermassen mein «Autopilot».
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Welche das ist, ist meiner Erfahrung nach häufig eine Frage der Schule – will heissen, es ist fast immer eine der klassischen Handvoll an Techniken der Schule, nicht eine x-beliebige, die der Person eben besonders gut zugesagt hat. Das bedeutet, eine der Techniken, für die es in der Schule ein sehr ausgeklügeltes Drillsystem gibt, das standardmässig angewendet wird. Und ich komme nun mal ursprünglich aus einer Suplex-Schule…

Aber wie gesagt, das sind meine Erfahrungen und meine Sichtweise. Ihr prägt Euch Techniken vielleicht ganz anders ein, nehmt die anders war und visualisiert anders. Das einzige, was ich sagen kann ist, dass für mich die «Programmierung» so durchaus funktioniert hat.
Das mit dem Erregungszustand finde ich ich eine wirklich sehr gute Formulierung, die etwas das wir im Yiquan machen doch nochmal klarer zum Ausdruck bringt, als ich das bisher ausdrücken konnte: Quantität führt eben nicht ab einem gewissen Punkt zwingend zu Qualität (oder zu einer Qualität die noch in Relation zum Aufwand steht); ausschlaggebend ist immer die Idee mit der ich etwas mache. Damit verlässt man eben eine Art zweidimensionaler Ebene von repetitiver Technikwiederholung und macht eine Tiefendimension qualitativer Natur auf.

Eine Idee im Yiquan ist nichts anderes, als dass man sich in einen gewissen Erregungszustand versetzt. Das ist schwer zu beschreiben, da es eben nicht das klassische Visualisieren ist, wo man sich etwas "bildlich" vorstellt --- visualisiert. Das bildliche vorstellen mag ein Vorgang sein, um sich mit der Idee vertraut zu machen, aber im Training an sich versucht man eben gerade aus dem Kopf, aus Bildern rauszukommen und direkt mit diesem Gefühl zu arbeiten, das eben wie eine Erinnerung ist die irgendwo tief im Körper sitzt.
Z.B. die Idee auf einem Fussbreiten Holzstamm über einer tiefen Schlucht zu stehen; oder von wilden Tieren umgeben sein, die dabei sind zum Sprung anzusetzen und einen töten wollen. Das sind Bilder, aber die Bilder sind nur eine Krücke um ein Gefühl zu beschreiben, einen Erregungszustand den man bewusst versucht zu evozieren. Die konkrete Ausführung an sich hat dann nichts mehr mit visualisieren zu tun, sondern kommt tief und direkt irgendwo aus dem "inneren". Das ist etwas was im Körpergedächtnis abgerufen wird. Dieser Erregungszustand kann trainiert werden und auf diesen Zustand kann man direkt zugreifen bei Bedarf. Je echter und tiefer das im Training umgesetzt wird, desto mehr überlagert es eben das Programm was in einer wirklichen Stresssituation dazu führt, dass nichts mehr geht.

Klar ist natürlich wie Du schreibst, dass man letztendlich nicht ohne die wirkliche Situation auskommt. Je direkter desto besser (steel sharpens steel, wie ich dich verstanden habe). Das heisst man trainiert hauptsächlich (nicht ausschließlich) so wie das, wo man letztendlich auch hin will. Das Yiquan hat neben dem Partner- bzw. Sparringtraining eben eine Methode entwickelt das sozusagen im Labormodus zu trainieren (zu simulieren). Das ganze funktioniert aber nicht nur mit einen Kampf-Erregungsmodus, sondern auch in Richtung Entspannung und Lebenspflege.