Richtig: Darum geht es in der Tat nicht. Und noch mehr: Das ist ein Thema, das sich so in der wissenschaflichen Theologie gar nicht stellt. Denn daß sich in dieser großen Vielfalt von Textzeugnissen Widersprüche finden, ist ja selbstverständlich. Es wäre ja erstaunlich, wenn das nicht der Fall wäre.
In den exegetischen Methoden sind Widersprüche nicht unwillkommen, weil sie wertvolle Hinweise sein können z.B. auf unterschiedliche zeitliche Schichten eines Textes, auf die Redaktionsgeschichte oder auf unterschiedliche Überlieferungen, die in einem Text zusammenfließen. Und so weiter ... Gerade Widersprüche könne also ein Werkzeug der Exegese sein.
Man muß sich ja zudem klar machen, daß die kanonischen Texte - die in sich selber ohnehin schon vielschichtig genug sind und die zudem in unterschiedlichen Überlieferungen vorliegen, von denen jede wiederum weitere textkritische Varianten hat - daß diese Texe nur einen kleinen Ausschnitt der jüdischen und christlichen Überlieferung darstellen. Und entprechend multipliziert sich die Zahl der Widersprüche noch einmal, wenn die nichtkanonischen Texte hinzu nimmt.
Ja. Es geht der Theologie als Geisteswissenschaft nicht darum, Widersprüche aufzulösen. Sondern es geht darum, sie wahrzunehmen, ernstzunehmen und ihr Zustandekommen zu verstehen.





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