Na ja, bei den Amateuren ist die Abwaage ja meist am Kampftag, teilweise nur eine Stunde vor dem Kampf. Das reduziert natürlich die Anzahl der Kilos, die man abnehmen kann - im Verhältnis zu dem, was man sonst abnehmen könnte, nicht zwingend insgesamt. Als Beispiel: einer meiner Trainer hatte in der off-season 86 kg, hat aber (Anfang der 2000er) bis 68 kg in der Bundesliga gerungen. Das meiste, was ich mal kurzfristig - für einen überraschend angesetzten Aufstiegskampf, bei dem der für 74 kg gesetzte Ringer nach dem Hinkampf abgesagt hat - waren 10.5 kg in einer Woche, von 84.00 auf 73.5 kg. Was das Rehydrieren angeht - mein Trainer war da der ungekrönte Weltmeister, er ist in der Regel dann anderthalb Stunden später 6-8 kg schwerer auf die Matte gegangen (er hat die Zeit zwischen Waage und Kampf damit verbracht, eine Thermoskanne mit Pasta und 6 Liter Mezzo-Mix zu sich zu nehmen). Bei mir warens in dem Fall 5 kg, wobei ich praktisch keine feste Nahrung mehr runtergekriegt habe, ergo alles über Flüssigkeit. ABER das ist halt ne sehr individuelle Frage - manche können das ab, andere nicht, und riskant ist es allemal - daher das bitte beim in Folge Geschriebenen beachten. Ich muss gestehen, ich war in dem Kampf körperlich nicht in Topform, habe dann aber per Disqualifikation gewonnen und meine Mannschaft ist aufgrund dieser Punktedifferenz aufgestiegen.

Grundsätzlich gibts folgende Strategien:
1. Gewicht im Vorfeld über mehrere Wochen oder Monate über Ernährung reduzieren (populäre Ansätze: Low Carb, Trennkost...)
2. Abtrainieren (= Gewicht über 1-2 Wochen über mehr Trainingsvolumen, Schwitzanzug und Ernährung auf das Zielgewicht reduzieren)
3. Abschwitzen (= am Vortag und/oder Kampftag in der Sauna)
Wie viel man jeweils verträgt, muss man selbst herausfinden, vor Experimenten bei wichtigen Wettkämpfen wird dezidiert gewarnt.

Ich habe in der Regel die drei Ansätze kombiniert, sprich eine Woche vor Saisonbeginn ein Gewicht von ca. 6 kg über meinem Gewichtsklassenlimit angepeilt, dann in der Woche vor den Kämpfen die Kalorien auf ca. 1.200 (bei 3.000+ Grundumsatz und 4-5.000 effektivem Tagesumsatz) reduziert, nur noch Lebensmittel zu mir genommen, die kein Wasser im Körper binden (vorzugsweise Schokolade), und nur noch im Schwitzanzug trainiert. Falls erforderlich habe ich die letzten 1-2 kg am Vorabend in der Sauna oder im Schwitzbad abgenommen. Für mich hat das in der Regel recht gut funktioniert, ich wurde dadurch schneller und aggressiver. Ohne Vorbehalte empfehlen würde ich den Ansatz aber nicht.
Die meisten Ringer, die ich kenne, haben für die Liga erheblich weniger abgenommen, eher 2 bis max. 4 kg, meistens über low carb + Sauna am Kampftag. Manche sind damit gut klargekommen, andere waren regelmässig platt.
In Summe war es meiner Beobachtung nach so, dass die technischeren Ringer meist weniger abgenommen haben als die Konditionsringer (ich war so einer, mein Trainer auch), und mit Low Carb besser gefahren sind. Wer auf Kondition ringen will muss m.E. eher darauf schauen, dass die Kohlehydratspeicher im Kampf ausreichend voll sind, ob man die nun direkt vor dem Kampf auffüllen kann oder nicht kommt drauf an, wie viel man danach noch zu sich nehmen kann, ohne später auf die Matte zu kotzen.