Zitat Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
in den 1990ern kamen die ansätze von "so was" aus den 90ern, war in den 80ern im diskurs noch umstritten und ne minderheitenposition (mit durchsetzung postmoderner und dekonstruktivistischer theorien wurde es eine immer lautere stimme im diskurs) und hatten wurzeln in den 70ern (USA, v.a. in aspekten der kritischen sprachtheorie mit feministischem einfluss zu finden). 45jahre ist also ziemlich passend.

... wenn du die art des ausdrucks und der begrifflichkeiten samt transportiertem inhalt im gebrauch der cultural studies oder auch anderen, aber im theoretischen kern ähnlichen kulturwissenschaftlichen ansätzen meinst.

ich bin ja durchaus ein freund von dekonstruktivismus, kritischer sprachtheorie usw., aber die entwicklung der in ihren kernthemen sehr interessanten cultural studies führt, ehrlich gesagt, inzwischen zu einer nicht mehr wissenschaftlichen rechtfertigungsideologie von "wokismus" mit allen negativen nebenerscheinungen (ich möchte darauf hinweisen, dass ich das aus "linker" perspektive verurteile. die ultrakonservative, ja oft sogar faschistoide "anti-woke" propaganda, die alles "andere" tilgen will, finde ich verachtenswert und meine kritik an übersteigertem "wokismus" ist zunächst einmal nicht unbedingt eine der kritischen theorien, die von den ultra-woken m.e. ausgenutzt und frei interpretiert wird. gleiches gilt übrigens für die von "rechts" so viel gescholtenen postcolonial studies. manchmal hab ich das gefühl, die junge generation hat die inzwischen ja auch "älteren" theorien nie wirklich im WISSENSCHAFTLICHEN sinne verstanden, plappert nur schlagworte nach, die sich gut für die eigenen weltbilder eignen und weben sich daraus einen eigenen "everything goes" postmodernen patchwork-bedeutungsteppich als hätte man es mit mode-designs und nicht mit wissenschaftlichen zu tun)
Für 'uns' waren das eben noch teils abstrakte wissenschaftliche Konzepte, während die heutige Generation das eher als Teil ihrer Lebenswelt erfährt. Zum Ausgangsthema: Dass sich linke Gyms und KS/KK-Gruppen als Gegenpol zu einer zunehmend gewaltbereiten rechten Szene herausbilden, ist kein neues Phänomen, aber dass z.B. Themen wie Gender, (kritische) Männlichkeit, Inklusion etc. dabei gleichzeitig stärker oder überhaupt erst fokussiert werden, ist schon eher 'neu' bzw verstärkt in den letzten 10 Jahren aufgekommen. Dass es dann auch weniger 'wissenschaftlich', sondern eher konkret 'alltagstauglich' sein soll, ist an sich nicht verwunderlich. Dass es dann in teils komische Konsequenzen umschlägt (z.B. Oberkörperfrei bei Männern ist ein 'Ausdruck patriarchaler Machtdemonstration' oder feministische Grabenkämpfe 'queer vs terf') ist wohl der Sehnsucht nach starkem Identiätspotenzial geschuldet, oder dem Versuch, die im Alltag wahrgenommenen Demütigungen in seinem 'safe space' zu kompensieren..