"Auf der Zentrallinie mit Hand/Fuß zu stoßen" so habe ich das mal ganz am Anfang erlernt ... und wenn man nen sehr guten Start hatte, schnell genug war und nicht unbedingt kürzere Arme als der gegnerische Angreifer, dann konnte das "hit and stop" ganz gut dominieren. Eine gute Suggestion mit dem Anreiz "wennn du nur das übst, wie ein Wilder, dann..." hat das in vielen Fällen in der Erprobung mit Nicht-WingTsun-Wissenden beim Sparring die ersten 2-3 Einstiegskontakte immer ganz gut geklappt. Aber die anderen waren ja auch nicht in Doofbach geboren und haben dann ganz schnell adaptiert, dass die beste Art ist, den WT-ler schön kettenfauststoßend nach vorne kommen zu lassen, gar nicht wirklich selbst nach vorne zu stürzen, um den WT-ler dann genüßlich aus der Flanke mit Cross oder anderen Schlägen schön wegzubatchen. Das waren dann meist Ergebenisse mit Unentschieden oder wechselweise hat der eine oder der andere zuerst nen schönen Treffer gesetzt.
Etwas später habe ich dann was über das "Zentrallinienprinzip" erfahren, welches nicht einfach postuliert, stumpf "auf der Mitte" nach vorne zu stoßen, sondern sich mit der Dynamik aufeinander treffender oder streifender Kräfte beschäftigt, und dass sich die Verdrängungswirkung unterschiedlich verhält, wer jeweils näher an der Zentrallinie dran ist, als der andere und von da aus ausstrahlt.
Von da an haben in meiner eigenen Erfahrung die gegnerischen Cross-Schläge nicht mehr so weh getan ;-)
Das mit "Auf der ZL mit Hand und Fuß vor" war aus meiner heutigen Sicht eine extreme Vereinfachung und Sifu KRK war ja dafür nicht ganz unbekannt, die Dinge, die er gerade betrachtete, extrem zu betonen und universell einzusetzen und daraus die "nur so ist es sinnvoll"-Formel zu publizieren.
Und was ich da bei den aktuellen Videos zu sehen glaube, sind Möglichkeiten,aus dem Infight heraus noch optisch auf Dinge reagieren zu können, die von außen kommen (der Weg von innen ist ja dann meist durch die WT-Aktionen besetzt), wenn was schief geht und dann halbwegs sinnvolle Reaktionen auszuführen.
Und ja: im WingTsun reagiert man natürlich nicht nur rein haptisch, sondern jeder, der nicht all zu viel Kohle später für Ibos ausgeben möchte, reagiert auch auf das, was optisch passiert. Nur wenn du bereits auf engstem Raum mit den gegnerischen Armen in Kontakt bist, bietet Dir das Chi-Sao-Training durchaus einen Mehrwert (und nicht nur Selbstzweck für Bewegungsselbstverliebte). Am Besten ist es aber doch, wenn du gar nicht auf Chi-Sao angewiesen bist, weil Dich positions- und kräftemäßig keiner dazu zwingen kann.
Ich hab WingTsun letztlich so im Anwendungsziel kennengelernt, dass wenn du genügend Druck auf den Gegner auswirkst, du ihn beschäftigst, im Idealfall bis du möglichst schnell kampfbeendenden Wirkungstreffer setzen kannst. Nur in den Fällen, in denen der Gegner dich kraftmäßig bei deinen Aktionen so bedrängt, dass deine Techniken nicht durchsetzbar sind, sollen dir die Chi-Sao-Techniken die Möglichkeit geben, kurzfristig umzuschalten und aus einer anderen Richtung zu feuern.
Ja und die nicht zu leugnende Möglichkeit, dass der Gegner einfach fix wie ein Wiesel ist und den Kontakt schneller löst, als der durchschnittliche WT-ler (ohne jegliche Realerfahrung) glaubt, kleben bleiben zu können oder schnell den Lückenschluss durch KO-Schläge auf der Mitte schließen zu können. Dann ist es gar nicht so übel, auch sämtliche wahrscheinliche Angriffe aus den Flanken mit einzuberechnen und entsprechende Mittel und Reaktionen dazu zu üben. So denke zumindest ich bzw. so wurde es mir beigebracht.






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