[QUOTE=carstenm;3055410]Ja, darum geht's mir auch.
Zitat:
Bezogen auf Ballsportvergleiche ließe sich meine Frage vielleicht so übersetzen:
Ich habe zwei Arme und zwei Beine. Wenn ich meinen Körper dazu bringen möchte, möglichst spontan auf den Ball zu reagieren, wird er mal Arme, mal Beine benutzen. Abhängig davon, wie der Ball kommt. Jemand, der gewohnt ist, so zu reagieren, muß umdenken, wenn er nur noch Hände oder Füße benutzen darf.
Ja, aber die "Schemareduktion" passiert VORHER. Wir haben bspw. schon ein paarmal Übungskämpfe gemacht, bei denen bloß große Men erlaubt waren. Wenn das vorher klar ist, wird es aus dem möglichen HandlungsRAHMEN herausgenommen. Man muss sich also in der Situation selber nicht "bremsen".
Aber dazu würde ich auch gerne mal was von Kickboxern im Boxen oder so hören. Interessiert mich auch. Denke aber, auch für die ist es schon nach kurzer Eingewöhnung kein Problem, das (in diesem Falle Treten) im Vorhinein auszuklammern.
Zitat:
Daß es innerhalb der jeweiligen Regelwerke zumeist großen Raum für Kreativität gibt, bestreite ich nicht. Ich meine, daß war der eigentliche Punkt von Klaus` Vergleich, oder?
Ich meinte eigentlich eher den Punkt, dass Sachen idealtypisch geübt, in der Situation aber situationsgerecht angepasst werden - WENN man auch in verschiedenen spontanen Situationen geübt hat. Spielpraxis.
Zitat:
Wie gesagt: Wir üben recht häufig völlig frei. Das, was dann spontan geschieht, sind zuallermeist keine definierten, benennbaren Techniken.Je fortgeschrittener die Übenden, desto weniger orientiert sich das, was da geschieht dann eben an Techniken aus dem Kanon.
Wie kann ich mir das "völlig frei" vorstellen? Du hast doch vor ein paar Posts gesagt, es gebe eben nur die Übungsangriffe, die es eben im Aikido gebe? Die Kopfstoß-Eiertritt-Kombo hab ich im Aikido noch nie spontan gesehen. Letztlich habt Ihr doch nicht weniger, sondern mehr Regeln.
Zitat:
Meinst du, daß diese Aussage im ken jutsu, das ja keine regulierten Trefferflächen kennt, in gleicher Weise zutrifft?
Dahin gehen meine Fragen eher. Wenn du den Fuß, die Seite des Kopfes, Bauch/Brust ... treffen dürftest, würde sich etwas verändern?
Interessante Frage. Die Idee mit der einen Technik kommt m.W.n. aus der Itto Ryu (die das Kendo ja bekanntlich stark beeinflusst hat). Da ists aber eher Kiriotoshi (zufällig übrigens eine "meiner" Techniken;)).
Würde sich was ändern? Im Wettkampf der jungen Leute: Ja, vielleicht. Da versucht man ja (auch, gelegentlich) zu "tricksen". Auf sehr hohem Niveau: Nein. Wie gesagt, Ziel ist die Reduktion.
Man muss eh unterscheiden zwischen dem schnellen, wechselvollen, nicht immer schönen, aber dynamischen Kendo der Hochschul-, Landes- und Weltmeisterschaften, und dem "gereiften" Kendo der 8.-Dan-Turniere. Was "effektiver" wäre, ist eine unsinnige Frage. Was das "bessere Kendo" ist, hingegen nicht. Dennoch: All die Techniken&Tricks&Turnierprügeleien gelten eben nicht als Hemmschuh, sondern als notwendiger Schritt auf dem Weg der Reduktion. Björn Friedrich hat das mal schön ausgedrückt: Um den Ruhepunkt im Auge des Tornados zu erreichen, muss man sich unweigerlich erstmal ins Chaos begeben, im Chaos überleben und dort die Ruhe finden. Ich bin skeptisch, ob sich dieser Schritt überspringen lässt. Bisher ist jeder gescheitert, der es gleich mit "Fortgeschrittenen-Kendo" versucht hat. Man merkt einfach, dass er das Chaos nicht in den Knochen hat, es nicht überwunden hat. Es gibt m.E.n. keine Abkürzung, keinen Weg ums Chaos herum.
Problem ist, dass man in Japan idealtypisch die Chaos-Phase bereits in einem Alter hinter sich hat, in dem hierzulande viele überhaupt erst anfangen. Aber auch für die gibt es keine Abkürzung.
In den Kata der div. Koryu scheint mir aber ebenso wie bei uns die Hauptangriffsfläche Kopf und rechtes Handgelenk. Sind ja auch gute Stellen. Aber das sollen die Experten beantworten.