Zitat Zitat von Trinculo Beitrag anzeigen
Meine Karatewissen reicht leider nicht sehr weit ...

Es wäre sicherlich mal interessant, die verschiedenen Schulen hinsichtlich Hikite zu vergleichen, vor allem die Vorformen aus Okinawa. Und dann bin ich mir ziemlich sicher, dass M. Dubois auch noch eine Meinung zum Thema hat, die sicherlich nicht lange auf sich warten lässt
Wohl war...

Es gibt ja noch mehr Faktoren, die für Hikite sprechen, als nur die gelenkte Rumpfrotation. Die Rückenspannung durch Hikite (und mit geradem Körper und heruntergezogenen Schultern, um das noch mehr gegen z.B. das Boxen zu kontrastieren) ist eine ganz andere, als sie mit erhobener Deckung möglich ist, wodurch das Kime und die Kraftübertragung gestärkt wird (werden soll...). Daneben ist aus meiner Warte zumindest nicht auszuschließen, dass durch Hikite Muskeln kontrahieren, die Stabilität oder Schlagkraft unterstützen, die aber alles andere als offensichtlich sind (als Beispiel ist es doch für den unbeleckten Normalverbraucher schon eine mittlere Sensation, dass die Bauchmuskeln beim Schlag mitarbeiten oder der Latissimus bei der Innenrotation mitwirkt, wer weiß, was uns dahingehend noch entgeht, aber über Generationen hinweg empirisch erschlossen wurde?).
Dann gibt es ja auch noch andere Techniken, als den geraden Schlag: Seitliche Hiebe oder Blocks (Haishu-Uchi, Blocks aus Kibadachi od. Kokutsudachi, Uraken, Tetsui, Empi aus Kibadachi usw.) werden erstrecht durch die Aktivierung des oberen/mittleren Rückens durch Hikite gestärkt.
Shutouke aus Kokutsudachi im Vorwärtsgehen erhält eine ganz besondere Komponente durch Ausholen und Zurückziehen: Beim Ausholen wird der Oberkörper parallel zum (imag.) Gegner ausgerichtet, eine Vorspannung wird erzeugt und im Vorwärtsgehen wird durch die Gegenrotation nicht nur die runde Technik zur Seite ausgeführt, sondern gleichzeitig die Schulter nach vorne gestoßen (machen viele Dojo übrigens falsch). Zusammen mit der Rückenspannung durch das Zurückziehen wird so die Technik immens verstärkt.