Na ob das so stimmt...? Ich weiß es jedenfalls nicht. Solche Mythen werden immer gerne mal schnell weitergegeben, ob sie nun historisch profund sind, oder nicht. Meine Zweifel gründen sich u.a. auf einem Sachverhalt, den ich gleich noch ansprechen werde...
Klar kann man damit auch in Kamae stehen. Das habe ich auch gar nicht in Abrede stellen wollen, zumal Kamae und Hikite sich ja keineswegs ausschließen. Natürlich habe ich die Hände in irgendeiner Form erhoben (zumindest sofern die Kampf(ausgangs)situation nichts anderes fordert), aber im Moment der Technik, diesem Sekundenbruchteil, geht die Faust an die Hüfte, nach der Technik wieder nach vorne (oder eben in eine Folgetechnik über). Diesen Sekundenbruchteil und das entsprechende Kime so kurz wie nur irgendmöglich zu machen, ist doch gerade Ziel des ganzen Kihon-Trainings. Wenn das aber zusammen mit dem Timing sitzt, brauche ich keine Deckungshand mehr.Wirklich guter Beitrage. Aber auch wenn ich mit deiner Meinung sympathisiere, finde ich kann man auch mit der Zen Geisteshaltung in Kamae stehen. Und ich fände das auch sinnvoller als die Faust zurückzuziehen.
Dazu müßte man sich allerdings über einen Punkt klar werden: Verstärkt Hikite überhaupt die Technik? Wenn nicht, dann ist es natürlich völlig unnötig. Ich denke schon, dass es das tut. Darüber hinaus tut es aber noch viel mehr: Es formt und schult den Körper beim Training (stärkt die Muskulatur, speziell den Rücken und unterstützt die kraftübertragende Struktur des Körpers). Ich denke überhaupt, dass viele Bewegungen, Techniken und Kombinationen speziell in den Kata nur dafür da sind, dem Schüler eine unbequeme Bewegung aufzuzwingen, die den Körper und seine Attribute optimal entwickelt (durchaus auch das Hirn, dessen Vernetzung, Muskelinnervierung und Koordination), weshalb allzu detailiertes, aber Katagetreues Bunkai in meinen Augen oft keinen Sinn macht. Die Bewegungen sollen nichts enthalten, sie sollen etwas entwickeln, und deswegen sind sie so angeordnet, wie sie es sind, und nicht, weil sie einen Kampf nachstellen oder irgendetwas verschlüsseln. Sicher kann man jede einzelne davon irgendwie im Kampf brauchen, aber nicht in dem Kontext, in dem sie dort vorgegeben werden. Der Körper lernt von ganz alleine, während man einfach die Kata läuft (ein Effekt, den ich ganz überascht bei mir selbst feststellen konnte).
Eine interessante Frage lautet doch (und damit komme ich auch wieder auf den obigen "Verschlüsselungsaspekt" zu sprechen): Warum haben nahezu alle traditionellen Systeme zu wesentlichen Anteilen ein Zurückziehen der Faust integriert, sei es nun an die Hüfte oder den Rippenbogen? China, Korea, Japan, Okinawa - überall wird Hikite mehr oder minder ausgeprägt praktiziert, so unsinnig kann das also kaum sein.
Eine weitere interessante Beobachtung ist, wie ich finde, die, die ich beim Profi-Boxen gemacht habe: Etliche Profis ziehen die unbenutzte Faust ganz instinktiv fast bis zur Hüfte zurück, während sie sich mit der Schulter der anderen Seite voll in den Schlag hineinwerfen, wenn sie mit allem, was sie haben zuschlagen wollen. Natürlich haben sie dabei eine andere Körperstruktur, als die im Karate gelehrte, Gemeinsamkeiten lassen sich bei dieser instinktiven Anwendung aber ganz klar erkennen, obwohl diese Leute Jahrzehnte lang das Gegenteil trainiert haben. Irgendwas scheint also dran zu sein...
Noch ergänzend zu einem oben diskutierten Punkt: Natürlich, das habe ich von Anfang an betont, blocke ich einen Schlag nicht mit Ideologie. Wenn meine Hand hoch muss, muss sie hoch. Ich denke nur eben, dass es Ziel des Karate ist, die absolute Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen, so dass die Hände immer genau da sind, wo sie gebraucht werden. Also nicht immer an der Hüfte, genausowenig wie immer an der Backe. Keins von beidem macht in jedem Fall Sinn, so dass ich es bevorzuge, immer die optimale Lösung anzustreben und keine Kompromisse, weil sie einfacher zu erreichen sind.






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