Zitat Zitat von carstenm Beitrag anzeigen
Ich bin beim Thema.
Die Frage, welche Bedeutung Gewalt im Rahmen des Übens hat, auf welche Weise insgesamt man übt und mit welchem Ziel man übt, hat nach meinem Verständnis damit zu tun, wie das Üben in der eigenen Biographie verortet ist. Welche Priorität es hat im Vergleich zu Erwerbstätigkeit Familienleben und Freizeit. usw.
Ich frage mich gerade, welche Bedeutung Gewalt im Rahmen des Übens überhaupt haben kann/darf?

Ich finde auch insgesamt das Wort "üben" im Kontext von Gewalt und - man beachte den Anfangsthread - im Kontext von Kindern äußerst ungeschickt gewählt. Wahrscheinlich meinst du eher Üben in Form von Lernen, also jenen Methoden, wie man im Leben voran kommt? Betrachtet man diese wiederum, ist Lernen - philosophisch betrachtet - auch nur eine von drei Möglichkeiten, wobei Lernen durch kopieren und Lernen durch Erfahrung die beiden anderen Möglichkeiten darstellen.

Versuche ich allerdings Gewalt und Kampfsport gedanklich miteinander zu verbinden, regen sich in mir Widerstände. Der beste Kampf sei der, den man nicht kämpft, heißt es... Stichwort: Deeskalation... Gehört Deeskalation genauso zum "üben", wie Gewalt? Welches Trainingskonzept fängt die Trennschärfe von zuschlagen vs. zurückhalten ab? Ist man eigentlich ein Weichei, nur weil man Gewalttätigkeiten ablehnt? Und für diejenigen, die Gewalt ablehnen... wäre es für sie moralisch erträglicher, wenn sie diese Gewalt dennoch künftig "Hobby-Gewalt" nennen?

Wie ist das eigentlich mit der Friedfertigkeit von Kampfsportlern, die durch den Kampfsport selbst ja nun überall propagiert wird, wie mit der Zurückhaltung und Selbstbeherrschung, die - soll man der Werbung auf vielen HPs glauben - gerade bei Kindern ein intensives Echo finden soll? Ohne, dass es irgendwo steht, wird ständig und überall suggeriert, dass Gewalt - ausgeübt von einem Kampfsportler - grundsätzlich "gut" ist, weil sie sich grundsätzlich gegen einen Aggressor wendet, der eben diesen edelmütigen Kampfsportler bis aufs Blut reizt, bis dieser letztlich - legalisiert durch diese "unmoralische" Provokationen - unbarmherzig zuschlägt. Welches Konzept gibt es eigentlich im Kyokushin-Karate für Kinder, die "gute" Gewalt von "schlechter" Gewalt unterscheidet... vorausgesetzt so etwas sollte es tatsächlich geben?

Thema Gewalt und Gesellschaft: Wie ist das mit den Hemmschwellen... wie mit den Thrills und wie mit der Trennschärfe hier? Ist man ein "harter Hund", wenn man sich der Gewalt bei einem Hobby stellt, ist man ein "Weichei", wenn man diese ablehnt? Moralischer: Ist Gewalt nicht grundsätzlich abzulehnen und sollte daher nicht alles dagegen getan werden, dass Gewalt durch die Hintertür - hier durch den "Tarnmantel" Kampfsport - gesellschaftsfähig zu machen?

Wie ich es dreh' und wende: Mit dem Thema Gewalt und Kampfsport komme ich persönlich überhaupt nicht klar. Besonders nachdenklich macht mich, wenn eigentlich jemand sehr intelligentes Gewalt mit methodischem Handeln (üben) verbindet. Für mich ein sportliches aber auch gesellschaftliches NOGO.

Nicht, das wir uns falsch verstehen: Mir ist es egal, ob sich Menschen treffen, um sich - wie bei Hahnen- bzw. Hundekämpfe - bis aufs Blut zu bekämpfen. Wo bei mir die Grenze ist: Wenn mir genau diese Menschen erzählen wollen, das ihre Neigung völlig normal und legitim wäre und alle anderen anormal trainieren, wobei anormal auch gerne als weichspülen angesehen wird. Das sind Macho-Diskussionen ohne Sinn und Verstand.

Hier würde es mir schon reichen, würden wir den Konsens erzielen, dass Gewalt in unserer Gesellschaft nicht hinnehmbar ist.