Alle Leichtkontaktler, die ich je kennengelernt habe und die wirklich gute Kämpfer waren, trainierten eigentlich Vollkontakt. In der einen oder anderen Form und Intensität. Auch wenn sie es nicht so genannt haben. Ich muss nach über 10 Jahren Karate ganz ehrlich zugeben, dass ich kein einziges Arugment Pro-LK mehr finden kann. Damit meine ich nicht das Gehoppel oder den Pointfight; das kann durchaus Spaß machen und hat eine sportliche Berechtigung. Ich meine das ruckartige Abstoppen der Techniken vor dem Gegner. In meiner Erfahrung trainiert es eine unnatürliche Biomechanik an, ein völlig falsches Distanzgefühl und es birgt ein unnötig hohes Verletzungsrisiko.
Der Otto-Normal-Shôtôkanler hält sich für Gott in Weiß und wird von eben jenen Weißgurten übelst verdroschen, wenn er zum ersten Mal ins Kyokushin, Muay Thai o.ä. stolziert um da den Dicken raushängen zu lassen. Oft genug erlebt. Krönung war ein Braungurt-Mädel, dass nach 2x furchtbar schlechtem Kicken auf eine Turmpratze wutentbrannt aus meinem Training stapfte und meinte, dafür wäre sie nicht hier und das können ihretwegen die Typen ruhig unter sich machen, wenn sie auf sowas scharf sind. Ähm, ja.
Um mal bei schönen Kfz-Vergleichen zu bleiben. Ich muss immer schmunzeln, wenn mir Hoppler erzählen, LK wäre genau so kämpferisch, wenn man's denn richtig macht. Ich stelle mir da immer einen 15jährigen Jungen in der Mofa-AG seiner Schule vor, der glaubt, er könnte genau so gut einen Mercedes fahren. Dass das Teil sowas wie ne Kupplung hat, weiß er dabei noch nicht einmal. Es interessiert ihn aber auch nicht, weil er in seinem Umfeld mit dem was er kann happy ist und Bestätigung der jungen Mädels erntet, die das supercool finden, wenn er mit seiner 25 km/h-Gurke und frisiertem Auspuff morgens vorm leidigen Physikuntericht in Lederjacke zur Schule getuckert kommt.
So long
L.





